Mit ‘universität der künste’ getaggte Artikel


willkommen im kaufhaus des ostens

Samstag, 01. Dezember 2012

als wir neulich vor dem regen in den bücherbogen am savignyplatz flohen, stolperten wir über eine seltene kostbarkeit: eine wiederauflage des 1984er kataloges zum projekt und der ausstellung „kaufhaus des ostens“ der hochschule der künste. ehrlich gesagt wissen wir nicht, wer den katalog wann und warum neu aufgelegt hat. wir haben einfach ein exemplar gekauft und seitdem unsere freude daran.

unter der leitung von andreas brandolini und joachim stanitzek, zwei führenden vertretern  der „neues deutsches design”-bewegung, zusammen mit dem jungen jasper morrison, war und ist „kaufhaus des ostens” eine der ersten öffentlichen belege der unter jungen deutschen designern in den frühen 80ern vorherrschenden neuen denkart. diese generation war der seinerzeit im design dominanten und massgeblichen „guten form“ und des bauhaus-inspirierten nachkriegsfunktionalismus müde. das projekt war ebenso eine erkundung der beziehungen zwischen designern und der industrie, oder, wie axel stumpf es im vorwort zum katalog ausdrückte: „die großindustrie ist das betätigungsfeld des industriedesigners. aber die industrie hat kaum bedarf an noch mehr designern. also kann der designer sich nicht einbringen – so einfach ist das”. dieser subtext wird auch in der verdrehung der abkürzung wiedergespiegelt: „kaufhaus des ostens – kdo– kampf der ohnmacht”.  die antwort der berliner designer war, objekte aus dem zu schaffen, was die industrie bereits produziert hatte oder anderweitig fertig zur verfügung stellte. dies war insofern rebellisch, als sie den beabsichtigten zweck eines produktes änderten, dessen hersteller-industrie einem sagte, sie würde einen nicht brauchen.

oder wie es jasper morrison so schön formulierte: „als marcel breuer einen fahrradlenker sah, beschloss er, stühle unter der verwendung desselben industriellen verfahrens zu bauen. wenn der neue-welt-konstrukteur einen fahrradlenker sieht, beschließt er, sie so zu verwenden wie sie sind, und sich die mühe und die kosten des rohrbiegens zu sparen“. das bringt uns bei jedem lesen erneut zum lachen. der katalog ist eine wahre fundgrube von aus zweckentfremdeten konsumgütern und industrieprodukten kreierten möbeln. möbel aus alltagsgegenständen mögen heutzutage ein fester bestandteil aller studentischen ausstellugen und messen für junge designer sein – nicht zuletzt aufgrund des einflusses der upcycling-bewegung, aber in den früheren 80ern war derartiges alles andere als normal. es war fast subversiv. und sicherlich unbedacht.

trotz des radikalen charakters darf man sagen, dass “kaufhaus des ostens” die welt nicht verändert hat, und dass deutsches design immer noch weitgehend als eine dieter-rams-traumwelt klarer, linearer formen vermarktet wird. aber kdo hinterließ einen deutlichen fußabdruck: sowohl in der entwicklung des zeitgenössischen deutschen designs als auch in der methode des designunterrichts an der udk, und stellt damit ein wichtiges moment für die geschichte des designs in berlin dar. und dies nicht allein wegen jasper morrisons poetischer beschreibung dessen, was ein junger industriedesigner in betracht ziehen wollte, wenn er an einem morgen durch berlin reist…

* alle zitatat und bilder sind aus dem verkaufskatalog “kaufhaus des ostens”, hochschule der künste. berlin, 1984.

Kaufhaus des Ostens

kaufhaus des ostens

Kaufhaus des Ostens stiletto

consumer’s rest by stiletto. 1984 teil von kaufhaus des ostens – 2012 teil zahlreicher dauerausstellungen, wie dem v&a london, dem vitra design museum weil am rhein und dem cooper-hewitt national design museum new york.

Kaufhaus des Ostens Inge Sommer

die notorious collection “zusammengestellt” von inge sommer. oder prof. inge sommer wie sie mittlerweile an der udk berlin bekannt ist.



udk berlin designtransfer und markthalle neun: “berliner obsttüte” wettbewerb

Donnerstag, 13. September 2012

auch wenn sich die experten nicht darüber einig sind, ob die “5 am tag”-regel wirklich sinnvoll und hilfreich ist, kann man sich nicht darüber streiten, dass es grundsätzlich besser ist mehr obst zu essen als weniger. und obwohl wahrscheinlich niemand mehr obst kauft und schon gar nicht isst, nur weil die papiertüte so schön bunt oder sonst wie gut designt ist, ist ein gewisses “markenbewusstsein”, wenn es darum geht, uns dazu anzuspornen obst statt schokolade und kekse zu kaufen, genauso wirksam wie alle anderen formen der dunklen künste.

vor dem hintergrund der rasant wachsenden zahl übergewichtiger kinder und erwachsener sowie dem mangelndem obstkonsum bei kindern haben die udk berlin designtransfer und die markthalle neun berlin einen wettbewerb ins leben gerufen, bei dem eine neue papierobsttüte entworfen werden soll. an dem wettbewerb teilnehmen können studenten aller kreativer schulen und universitäten in berlin. das siegerdesign soll dann produziert und vertrieben werden. die organisatoren  suchen noch nach sponsoren und partnern, die ihnen insbesondere helfen die dazugehörige ausstellung, den katalog und den vertrieb des siegerdesigns zu finanzieren. interessierte können sich bei susanne ullerich von designtransfer melden.

wie gesagt hat noch nie jemand nur wegen einer tüte mehr obst gegessen. aber auf jeden fall für die umwelt ist der transport von obst in einer papiertüte natürlich besser als in einer plastiktüte. und wenn die dann noch schön aussieht, umso besser!

alle infos zum wettbewerb gibt’s unter www.designtransfer.udk-berlin.de.

Obsttüte Sammlung Hoffmann

die wunderbare welt der obsttüten. teil von manfred hoffmanns "obsttüten"-kollektion



udk berlin rundgang 2012: hide von uli feuersänger

Mittwoch, 01. August 2012

bevor wir unsere berichterstattung über die jahresschauen der verschiedenen berliner designschulen abschließen, wollen wir euch noch schnell “hide” von uli feuersänger vorstellen.

wir fanden “hide” einsam und verlassen in einer ecke auf dem fußboden der designfakultät der udk. und ehrlich gesagt sah es so aus, als wäre er da im guerilla-stil gelandet. wir hoffen auf jeden fall echt, dass das so war. aber selbst wenn nicht, ist “hide” immer noch einen post wert.

im wesentlichen ist “hide” ein einfacher schreibtisch, aber ein einfacher schreibtisch mit einer eingebauten, über die gesamte tischtiefe gehenden schublade, die man zur seite hin öffnen kann. auf dem dazugehörigen plakat sagt uli feuersänger, dass ihre funktion darin besteht, chaos und unordnung zu “verstecken” – daher auch der name. wir können diesem argument allerdings nicht so ganz folgen, weil unordnung für uns etwas viel zu organisches ist – schon fast lebendig – und zum beispiel das zerknüllte papier, das uli dazu benutzt, seine designs zu entwerfen, wird den tisch im laufe der zeit unweigerlich verstopfen und unbrauchbar machen. wir kennen auf jeden fall weitaus bessere objekte zum verstecken von unordnung auf dem schreibtisch, wie zum beispiel heimlicht von leoni werle.

für uns ist “hide” nur was für organisierte menschen, die strukturiert und systematisch arbeiten. für die ist das ausziehbare fach als stauraum für dokumente, bücher und papiere, die man zwar von zeit zu zeit braucht, aber nicht ständig auf dem schreibtisch rumliegen haben möchte, wirklich nützlich und eine geniale idee.

die schublade eignet sich aber auch hervorragend für kabel, ladegeräde, externe speichermedien etc. – insofern uli noch ein paar löcher an den richtigen stellen bohrt. und wenn er das ganze konstrukt noch ein wenig nach oben verlängern würde, hätte man unserer ansicht nach ein perfektes, platzsparendes stehpult, das man zum beispiel beim skizzieren, korrekturlesen, layouten, ausfüllen von steuererklärungen etc. benutzen kann. dabei können die arbeitsmaterialien einfach unter der tischoberfläche verstaut und jederzeit hervorgeholt werden. doch auch beim normalen “sitz”-tisch sehen wir noch jede menge nutzungspotential für die schublade.

alles in allem waren wir von “hide” sehr beeindruckt und hoffen, dass uli die chance ergreift, die idee in den kommenden semestern weiter zu entwickeln. und dass es wieder ganz unerwartet, einsam und verlassen in einer anderen ecke auftaucht…

Hide by Uli Feuersänger

hide von uli feuersänger beim udk berlin rundgang 2012



universität der künste berlin rundgang 2012

Freitag, 20. Juli 2012

im gegensatz zum fast provinziellen gefühl bei der fh potsdam werkschau erinnert der udk berlin rundgang eher an eine große metropole. und so hatten wir leider gerade genug zeit dafür, den fachbereich industriedesign komplett zu erkunden. es ist ja auch nicht so, als gäbe es da nicht genug zu entdecken…

was uns beim rundgang 2012 besonders aufgefallen ist, waren die vielen beispiele für eine moderne, experimentelle annährung ans design, die mit dem etwas “klassischeren industriedesign” gemischt wurde. vielleicht war das aber auch schon immer so und wir haben dem ganzen bisher einfach noch nicht so viel beachtung geschenkt. oder das phänomen ist in diesem jahr einfach in mehr arbeiten zu erkennen.

Key by Jakob Ruhe Maria Neumann UdK berlin

key von jakob ruhe und maria neumann beim udk berlin rundgang 2012

beim kurs “container” beispielsweise sollten studenten ein 3d-druckbares verbindungsstück entwerfen, das dazu verwendet werden kann, einzelne objekte zu einem größeren behälter zu verbinden. im prinzip werden also modulare verstausysteme auf das verbindungsstück reduziert und das bauen des eigentlichen objekts bleibt jedem selbst überlassen. einige der ergebnisse fanden wir wirklich toll, insbesondere “key” von jakob ruhe und maria neumann, wo zeitschriftenhalter aus pappe miteinander verbunden werden können.

derweil gab es im innenhof ein paar schöne beispiele für vertikale “open source” gartenbaulösungen – für uns ein thema, das in den nächsten paar jahren immer wichtiger werden wird – sowie ein urban gardening projekt in zusammenarbeit mit dem prinzessinnengarten. während wir die vertikalen gartenbausysteme wirklich mochten, ließen uns die “gemüsezuchtcontainer” ziemlich kalt und nervten fast schon, da wir einfach nicht an ein solches system für die zukunft glauben. wir haben das wahrscheinlich schon des öfteren über ähnliche installationen gesagt, aber solche projekte wirken auf uns immer so, als wären sie nur deshalb ins leben gerufen worden, damit geografiestudenten, junge architektenpärchen mit lächerlichen brillen und pensonierte lehrer demonstrieren können wie wahnsinnig “öko” sie doch sind. bauern bauen lebensmittel an. das tun sie schon seit tausenden von jahren und im allgemeinen klappt das auch sehr gut. was wir verändern müssen, ist doch den würgegriff der weltwirtschaft um den lebensmittlemarkt zu lösen und den weg zurück zu lokaler produktion zu finden. und vor allem müssten wir alle nur das kaufen, was wir auch wirklich konsumieren. dann brauchen wir auch keine urbanen selbstanbau-projekte und können uns stattdessen darauf konzentrieren, blumen und kräuter für die schon bald boomende urbane bienenzüchter-szene zu kultivieren.

udk berlin innenhof

der innenhof der udk berlin mit den "gemüsezuchtcontainern"

ansonsten gab es noch eine schöne dokumentation des projekts “fensterschau – alles muss raus?” mit michael erbachs apotheken-a/-herz und karoline haasters glasauge; der design grundkurs bot alles, was man von einer gruppe designstudenten in ihren ersten wochen erwartet; und dann gab es da noch “modularität”, ein modulares teppichsystem von jolanta cuber und maya spiri, das unsere aufmerksamkeit auf sich gezogen hat – nicht etwa wegen seines hohen potentials als teppichsystem, eine idee, die wir einfach nicht so ganz nachvollziehen können, sondern viel mehr aufgrund seines potentials in teppichnahen bereichen.

eine besondere erwähnung gilt auch dem kurs “rapid clean up”, der sich dem design von staubsaugern widmete und einen roboter-staubsauger enthielt, den man mithilfe einer app steuern kann. das ist ja alles sehr modern, aber… ist es nicht leichter, den staubsauer einfach durch den raum zu schieben? uns erschien das ganze wie eine dieser situationen, wo der einsatz moderner technologien das leben komplizierter macht als es sein müsste. nur weil man kann, heißt das noch lange nicht, dass man muss… daran sollten designer heutzutage immer denken – insbesondere diese jungspunde, die sich nicht mal mehr an eine welt voller schreibmaschinen, kassettenrekordern und fanzines erinnern können.

wie immer ist eine jahresschau eine gute möglichkeit, einen überblick darüber zu bekommen, wie in einer designschule unterrichtet wird und was die studenten lernen. man kann zwar natürlich keine allgemeinen schlüsse ziehen, weil es einfach zu wenige informationen gibt, aber das, was wir beim udk rundgang 2012 gesehen haben, bestärkte uns noch mal in dem glauben, dass die udk studenten die fertigkeiten lernen, die designer brauchen werden, um sich zukünftigen problemen im kontext zukünftiger situationen zu stellen.

mehr fotos vom udk rundgang 2012 gibt’s unter www.facebook.com/minimum.berlin.

udk berlin Fensterschau – Alles muss raus

michael erbachs apotheken-a/-herz und karoline haasters glasauge beim udk rundgang 2012



rundgang 2012: universität der künste berlin und kunsthochschule berlin weißensee öffnen ihre türen für die öffentlichkeit

Donnerstag, 28. Juni 2012

bevor im juli die großen ferien beginnen und die berliner designstudenten zum ausspannen in ihre datsche an der ostsee fahren, müssen sie erst noch die früchte ihrer arbeit des vergangenen jahres in der jährlichen abschlussausstellung präsentieren.

der rundgang bietet wie immer nicht nur eine gute gelegenheit, zu sehen und zu verstehen, was designstudenten eigentlich tun, sondern hoffentlich auch die möglichkeit, kurz vor der vollendung stehende oder sich in einem frühen, unvollendeten stadium befindliche produkte zu entdecken.

wie immer finden beide ausstellungen parallel statt, was an sich natürlich nicht besonders praktisch ist. von weißensee nach charlottenburg ist es aber nicht weit und der trip ermöglicht es einem nicht nur, die gezeigten arbeiten, sondern auch gleich ein bisschen von berlin zu sehen – und wenn man echt pech hat noch eine trompetenversion von “hit the road jack” in der s-bahn zu hören…

der rundgang der universität der künste berlin 2012 beginnt am freitag, den 13. juli, und geht bis sonntag, den 15. juli. neben der möglichkeit die produkt-/modedesignateliers und -workshops in der straße des 17. junis 118 zu besichtigen, kann man sich an dem wochenende auch arbeiten von studenten von prof. axel kufus, prof. achim heine und prof. holger neumann ansehen. außerdem gibt es natürlich noch die ausstellungen von studenten anderer fakultäten und die designtransfer-ausstellung “do good. what can a designer do for a better world?“.

der rundgang der kunsthochschule berlin weißensee beginnt ebenfalls am freitag, den 13. juli, am oranienplatz 17 mit den diplom- und masterstudenten bevor alle anderen ausstellungen mit studenten aus allen fakultäten am samstag und sonntag auf dem hauptcampus in der bürhingstraße 20, 13086 berlin stattfinden.

wir können die ausstellungen gar nicht genug empfehlen und werden wie immer davon berichten.

Rundgang 2012 Universität der Künste Berlin and Kunsthochschule Berlin Weißensee

rundgang 2012: universität der künste berlin und kunsthochschule berlin weißensee. unterhaltsam, aber auch anstrengend...



udk berlin: fensterschau – alles muss raus?

Freitag, 16. März 2012

auch wenn es eigentlich unseren vorstellungen vom seriösen bloggen widerspricht, texte erst zu posten, wenn das thema, über das berichtet wird, schon längst von gestern ist, können wir beim fensterschau-projekt einfach nicht anders. aufgrund anderweitiger verpflichtungen in einem fernen, exotischen land namens sachsen haben wir es erst kurz vor ende zum projekt “fensterschau – alles muss raus?” von alex kufus’ studenten der projektgruppe idk geschafft und seitdem viel zu viel in der analogen welt zu tun gehabt. deshalb: entschuldigung an alle beteiligten für den späten bericht.

aufgabe der 14 projektteilnehmer von “fensterschau – alles muss raus?” war es, ladenbesitzer dazu zu überreden, ein schaufenster für sie entwerfen zu dürfen – was sie dann natürlich auch taten. die ergebnisse waren vom 13. bis zum 24. februar in der ganzen stadt zu begutachten.

UdK Berlin Fensterschau  Alles muss raus Lindt

lindt second hand. eine der locations für "fensterschau - alles muss raus?"

das fensterschaukonzept hat etwas geschafft, das wir bisher nur von der vienna design week kannten, aber bei allen anderen festivals vermisst haben. in wien werden designer dazu ermutigt (im grunde haben sie gar keine andere wahl) mit lokalen unternehmen zusammenzuarbeiten. zwangsläufig müssen sich also auch die besucher der design week in stadtteile wagen, in die sie normalerweise nicht vordringen würden, und geschäfte betreten, in die sie normalerweise keinen fuß setzen würden. durch passionswege, bezirk focus, carte blance etc. haben wir so nicht nur fantastisches, originelles design gesehen, sondern auch mehr in wien erlebt als jeder durchschnittstouri. außerdem haben wir einige tolle “heurige” entdeckt…

so eine “stadtsafari” quer durch unergründete winkel der stadt gab es dank der fensterschau nun auch in berlin.

wir vermuten, dass die meisten studenten bei einem laden in ihrer nähe angefragt haben, denn die locations konzentrierten sich auf einer relativ geraden linie vom mehringdamm zum rathaus neukölln. doch trotz der relativen geografischen homogenität landeten wir doch ab und zu in straßen, die wir noch nicht kannten. das kam meist dadurch, dass wir in die falsche richtung gelaufen sind… aber das macht ja auch den spaß solcher touren aus.

UdK Berlin Fensterschau  Alles muss raus lux

eine detailansicht von karoline haasters schaufenster für lux optik

obwohl primär als ein projekt konzipiert, das die schaufensterkultur wiederbeleben sollte, war “fensterschau – alles muss raus?” praktisch auch ein streetart-projekt, das die straße aufgewertet und die läden besser in ihre umgebung integriert hat. daher war es toll zu sehen, dass einige der schaufenster die passanten wirklich interessiert und amüsiert haben. besonders bei den arbeiten von dirk biotto “asa 90 der fotoladen” und christopher supardjos “shopquarium” für das aquarium mayer haben wir sehr positive reaktionen beobachtet. für uns zeigt sich darin sowohl der wert des projektes selbst als auch die gelungene umsetzung der aufgabe durch die studenten.

wir haben mit keinem der beteiligten ladenbesitzer über ihre erfahrung mit dem projekt gesprochen, weil die fensterschau für uns ein zeitlich und örtlich begrenztes projekt für die studenten war – und nicht etwa eine langzeitmaßnahme zur stadtsanierung oder verbesserung der strukturen im kiez. wäre es darum gegangen, hätte die sicht der ladenbesitzer natürlich im vordergrund gestanden. so aber ging es vordergründig um den prozess, den die studenten während des projekts durchlebt haben – was sie im projekt erfahren und gelernt haben. es ging um das aufeinandertreffen von designstudenten und menschen, die feranb der “designszene” leben und in deren kosmos talent und können nicht mit der größe von brillen oder wollmützen zusammenhängt.

in zukunft wird es unausweichlich dazu kommen, dass mehr designer mit kleinen, lokalen geschäften zusammenarbeiten, um neue produkte und prozesse zu entwickeln. wir finden das sehr erstrebenswert und halten das auf jeden fall für einen weitaus nachhaltigeren und sanfteren ansatz als die massenweise herstellung von produkten, die sich doch nicht verkaufen. deshalb kann es nicht schaden, wenn mehr studenten schon mal an das zusammenarbeiten mit geschäften, die normalerweise nie an einen designer herantreten würden, vorbereitet werden.

UdK Berlin Fensterschau  Alles muss raus Aquarium Meyer

christopher supardjos "shopquarium" für aquarium meyer

uns wurde auf unserer tour leider schnell klar, dass mehrere schaufenster so konzipiert waren, dass die installation nur bei dunkelheit sichtbar war; und leider nicht an einem hellen, wenn auch bewölkten mittwochnachmittag. logisch: nächtlich erleuchtete schaufenster sind natürlich bessere plattformen als so ein fenster bei tage. und viel einfacher zu fotografieren! wir finden nur, dass die studenten das auf ihrer website und den flyern einen tick besser hätten kommunizieren können. dann hätten wir sie uns bei dunkelheit angesehen… wir werden das nächste mal einfach besser aufpassen.

wir hoffen, es gibt ein nächstes mal! die udk kann jedenfalls auf eine ansehnliche erfolgsgeschichte mit ähnlichen kooperationsprojekten blicken und für uns tragen solche projekte maßgeblich dazu bei, zu zeigen, dass design nicht so etwas furchterregend geistreiches wie kunst, sondern etwas alltägliches für jedermann ist.

auf der “interaktiven karte” unten haben wir die einzelnen projekte verlinkt. klickt einfach auf die initialien der designer und ihr werdet auf eine seite mit einem kurzen text, ein paar fotos und einem link zur homepage des projektes weitergeleitet. jaaa, es hat viel zeit gekostet, das zu basteln. doch weil wir mit unserem bericht so spät dran sind, war es uns wert, diesen preis zu zahlen.

UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus

UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus rei kigoshi J-STORE UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus marco merkel ANGELSPORT EGGERS UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus maren bönsch GLASEREI BUDSZUHN UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus franziska müller FAHRRADBÜRO UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus michael erbach APOTHEKE ZUM GOLDENEN EINHORN UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus maria schwermer HAMMETT KRIMIBUCHHANDLUNG  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus fynn freyschmidt  KÄRCHER CENTER  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus hanna halstenberg LINDT SECOND HAND  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus friederike delius SUN-LINE  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus christopher supardjo AQUARIEN-MEYER  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus lukas wegwerth COPYSTUDIO AM KOTTI  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus karoline haasters LUX OPTIK  UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus dirk biotto ASA 90 FOTOLADEN UdK Berlin Fensterschau Alles muss raus martina dimitrova MONT K



desktop shaping @ modulor box, aufbauhaus

Mittwoch, 16. November 2011

einer der großen vorteile schneller produktionsverfahren ist die möglichkeit, produkte “auf nachfrage” herzustellen.

zurzeit ist es noch üblich, viele kleine objekte en masse in billiglohnländern zu produzieren, in die ganze welt zu verschiffen und dann so lange zu lagern bis sie gebraucht werden. ein verfahren also, das zweifelsohne sehr ressourcenintensiv ist.
eine andere art von vertriebssturktur ermöglichen zum beispiel lasercutting und 3d-drucken, wobei produkte je nach bedarf lokal hergestellt werden können. dieses verfahren ist, wenn es einmal optimiert ist, weitaus weniger ressourcenintensiv.

im sommersemester 2011 hat der materialspezialist modulor zusammen mit der udk berlin an einem projekt gearbeitet, bei dem die studenten office-produkt entwerfen sollten, die diesem anspruch gerecht werden. die produkte können hier auf anfrage mit materialien aus dem standardsortiment von modulor produziert werden. die ergebnisse dieses projektes wurden beim udk rundgang im juli präsentiert und in der modulor box im aufbauhaus am moritzplatz ab freitag, den 18. november, ausgestellt.

mit stift- und zeitschriftenhaltern, klebebandabrollern etc. liegt der hauptfokus nicht auf den produkten selbst, sondern darauf, was alles erreicht werden kann, wenn man einfache materialien mit moderner technologie kombiniert.

eines ist jedoch unvermeidbar: die kunden müssen etwas auf ihre produkte warten. denn wir dürfen nicht vergessen, dass “auf anfrage” eigentlich nur ein synonym für “nicht auf lager” ist.

desktop shaping @ modulor box auf der stadtterasse im aufbauhaus prinzenstrasse 85, 10969 berlin läuft vom 18. bis zum 30. november.

Desktop Shaping Modulor Box Aufbauhaus

eine auswahl der objekte aus dem modulor/udk berlin desktop shaping projekt



Piero Lissoni – Measure of Materials @ designtransfer, UdK

Donnerstag, 20. Januar 2011
designtransfer udk berlin piero lissoni axel kufus

Piero Lissoni beantwortet nach seinem UdK-designtransfer-Vortrag Fragen aus dem Publikum

Die Universität der Künste hat das neue designtransfer-Jahr 2011 mit einem Gastvortrag des italienischen Designers und Architekten Piero Lissoni eingeläutet.
Unter dem Titel “Measure of Materials” gewährte Piero Lissoni vor ausverkauftem Haus einen Einblick in seine Vorstellungen von Design, seine Designphilosophie und warum “Einfachheit das öffentliche Gesicht von Komplexität” ist.

Wir haben Piero Lissoni nach seinem Votrag getroffen und ein bisschen nachgehakt.

minimum: Warum sind Sie gerade in Berlin?

Piero Lissoni: Ich bin hier für den Vortrag heute abend und habe morgen einen Workshop hier an der Universität.

minimum: Heute abend haben Sie über die Beziehung zu Ihren Kunden gesprochen. Ist es immer so schwierig die eigenen Ideen umzusetzen, wie es die Beispiele suggerieren?

Piero Lissoni: Sie müssen zunächst wissen, dass ich mit vielen meiner Kunden schon seit über 20 Jahren zusammenarbeite. Man kann also von Freundschaft sprechen. Sie kennen mich ziemlich gut, aber ich kenne sie auch! Das ist die halbe Miete! Es ist wie eine Ehe: manchmal streitet man, manchmal liebt man, manchmal versucht man seinen Standpunkt durchzusetzen.
Also ist eine “Idee” nicht “meine Idee” sondern auf eine romatische Weise eine anhaltende Diskussion. Wenn ich mit einem Kunden z.B. über einen neuen Stuhl diskutiere, sprechen wir manchmal ein oder zwei Jahr nur darüber was sie wollen, was ich will, ob es Holz oder Plastik sein soll… und am Ende gibt es ein Produkt.

minimum: Was die Projekte angeht, haben Sie an Stühlen, Booten, Häusern, Verpackungen gearbeitet – Gibt es etwas, was Sie noch nicht gemacht haben, aber gern machen würden?

Piero Lissoni: Wenn ich ehrlich bin, bin ich offen für alles, was mir über den Weg läuft. Ich habe da keine Einschränkungen. Nein, warten Sie, das stimmt nicht. Ich mag keine dummen Sachen und ich bringe gern einen Teil von mir in die Arbeit ein, es muss sich intelligent anfühlen.

minimum: Ohne Namen zu nennen: Bekommen Sie viele dumme Angebote?

Piero Lissoni: Ständig! Es kommen zum Beispiel Leute auf mich zu und sagen: Sie haben dies oder jenes für diesen oder jenen entworfen, ich hätte gern dasselbe…

minimum: Morgen halten Sie Ihren Workshop hier an der Universität der Künste. Welchen Rat möchten Sie jungen Designstudenten unbedingt geben?

Piero Lissoni: Wenn ich mit Studenten arbeite, versuche ich Sie immer zu überzeugen, ehrlich und mutig zu sein. Als erstes muss man den Mut haben und als zweites ehrlich zu sich selbst sein. Und dann muss man unnachgiebig seinen Weg gehen.

designtransfer udk berlin piero lissoni

Die gut gefüllte Universität der Künste beim designtransfer mit Piero Lissoni