am freitag, den 27. april, eröffnet das werkbundarchiv – museum der dinge berlin die nächste ausstellung in der reihe zum nachlass des deutschen werkbundes. dabei liegt das hauptaugenmerk dieses mal auf dem architekten, autor und mitbegründer vom deutschen werkbund, hermann muthesius.
nach dem abschluss seines architekturstudiums an der technischen hochschule charlottenburg, der heutigen tu berlin, verbrachte hermann muthesius drei jahre in japan, bevor er nach deutschland zurückkehrte, um seinen zivildienst anzutreten. 1896 wurde er zum kulturattaché der deutschen botschaft in london ernannt, wo er dafür verantwortlich war, die lebensart der briten zu dokumentieren. für muthesius gehörten dazu vor allem architektur, möbel usw. ein weiteres interessengebiet, das eine gewisse faszination auf ihn ausübte, war die vorherrschende arts and crafts bewegung, die er sehr detailliert studierte und die sein zukünftiges denken und seine architekturphilosophie wesentlich prägte.
kurz vor seiner abreise aus großbritannien veröffentlichte er das buch “das englische haus” – das ergebnis von sechs jahren forschung und wohl die erste große fremdsprachliche studie zu diesem thema. “das englische haus” gilt somit als wichtige arbeit für die verbreitung des “british style” und der “arts and crafts”-philosophie in kontinentaleuropa.
nach seiner rückkehr nach deutschland 1904 arbeitete muthesius als architekt in seinem eigenen architekturbüro und war am entwurf und am bau der ersten gartenstadt deutschlands – hellerau bei dresden – beteiligt, was ihm neben seiner mitgründung des deutschen werkbundes 1907 große popularität einbrachte.
auch wenn er in vielerlei hinsicht die hauptverbindung zwischen der “arts and crafts”-bewegung und dem bauhaus darstellt, stand hermann muthesius in einem permanenten konflikt mit henry van de velde und walter gropius. dieser konflikt erreichte auf der werkbund-ausstellung 1914 ihren höhepunkt, als muthesius über die notwendigkeit der “typisierung” sprach, also von standardisierten formen in der architektur. etwas, das van de velde und gropius zugunsten der individuellen freiheit jedes architekten, seine eigene form zu finden, leidenschaftlich abgelehnt haben. dieser konflikt hatte schließlich die trennung der bauhausbewegung vom deutschen werkbund zur folge.
man kann daher mutmaßen, dass – wären muthesius und gropius etwas besser miteinander ausgekommen – die rolle hermann muthesius in der geschichte der europäischen architektur und des designs wohl ein wenig präsenter wäre, als es heute der fall ist. eine sache, die “schreiben & bauen” zumindest deutlich zu machen versuchen wird.
neben der ausstellung von beispielen aus muthesius’ architekonischer arbeit, liegt der fokus der ausstellung hauptsächlich auf briefen und artikeln von hermann muthesius, die sowohl das wesen seiner philosophie, seine rolle in der europäischen architektur fernab von historizismus und art nouveau sowie die ebene und die art seines kontaktes mit männern wie charles rennie mackintosh oder mackay hugh baillie scott verdeutlichen.
schreiben & bauen: der nachlass von hermann muthesius kann noch bis zum 30. juni 2012 im werkbundarchiv – museum der dinge in der oranienstraße 25 in 10999 berlin besucht werden.













