mit der eröffnung einer neuen designorientierten ausstellung, die jährlich, im rahmen der imm cologne, im januar stattfindet, beweist das museum für angewandte kunst köln (makk) eine voraussicht, derer die meisten museen nicht fähig sind. es klingt eigentlich nach einer einfachen und naheliegenden entscheidung, aber ihr würdet euch wundern, wie viele museen diesem beispiel nicht folgen können bzw. wollen. die 2013er ausstellung heißt “isn‘t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ und unternimmt eine untersuchung der romantik im zeitgenössischen design.
kuratiert von tulga beyerle, der direktorin der vienna design week, präsentiert “isn‘t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ mit arbeiten 40 internationaler designstudios einen breiten querschnitt sowohl kommerzieller produkte als auch eher konzeptioneller designprojekte, die nach einschätzung der kuratoren auf irgendeine weise den geist der romantischen epoche repräsentieren – zum beispiel durch materialien, muster, aber auch durch den gebrauch kreativer techniken und vorstellungen, wie sie im frühen 19. jahrhundert populär waren, darunter poesie und ironie. wir wissen, dass sich die ausstellung mehr um das konzept als um die objekte dreht. dennoch vorab: unter den arbeiten, die uns besonders gefielen, waren die lampe binic von ionna vautrin aus paris und patricia urquiolas bad für vieques – ein produkt, das eine dekadenz ausströmt, die unserer ansicht nach vielleicht keine romantischen kriterien erfüllen mag, aber das man einfach lieben muss. und es war schön, led zeppelin von bertjam pot wieder zu begegnen, einem objekt, das wir erstmals als teil der totem & taboo auf der vienna design week 2011 gesehen haben.
berlin war einerseits direkt durch hermann august weizzenegger und seinen monumentalen teppich “ocean” vertreten, einer arbeit, die 2012 in wien ihre premiere hatte und die ihr unbedingt sehen müsst, falls ihr es nicht schon getan habt. geht um ihn herum – das ist das geheimnis. außerdem durch hella jongerius mit einer auswahl von porzellan aus ihren four-seasons- und non-temporary-projekten sowie mit ihren ikea ps-wandbehängen. andererseits war berlin indirekt durch die galerie helmrinderknecht präsent, die eine auswahl von arbeiten von frédéric dedelly aus zürich präsentierte: „objets mélancholiques“, mit ihrer durch einen kurzlebigen guss geschaffenen zufälligen strukturen, die eine ablehnung dauerhaft standardisierter formen und das zelebrieren der individualität und der spontaneität reflektieren. hingegen beschäftigt sich memento mori mit einem lieblingsthema der romatiker, dem tod. normalerweise lebte ein romantischer künstler, wenn er nicht gerade am sterben war, in der angst oder der verherrlichung des unvermeidlichen umstandes, dass er es bald sein würde.

objets melancoliques von frederic dedelley in der ausstellung “isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” im museum für angewandte kunst köln
obwohl wir die ausstellung wirklich genossen haben und von ganzem herzen empfehlen können, sind wir zugegebenermaßen nicht sicher, ob sie ihre gesteckten ziele erreicht hat. „romantik“ ist ein dermaßen großes themenfeld, dass so ziemlich alles als “romantisch” bezeichnet werden kann. praktisch jeder kann seine eigene pointe hinzufügen. in ihrem essay für den ausstellungskatalog schreibt tulga beyerle nicht nur klug und überzeugend über die zentralen motive der romantik, sondern auch darüber, wie sich diese seit dem frühen 19. jahrhundert entwickelt haben. so recht sie fraglos hat, hätte sie allerdings – meinen wir zumindest – einen derartigen text in mehr oder weniger jedem jahrzehnt seit 1900 geschrieben haben können und immer gleichermaßen recht gehabt. bewegungen wie die romantik verschwinden nicht. leute suchen einfach nicht immer nach ihnen. und manchmal wird die romantik eben von bewegungen überschattet, die lauter schreien, quasi eine „bessere presse haben“. also überrascht es uns keineswegs, dass im zeitgenössischen design beispiele romantischer tendenzen zu finden sind. andererseits, so wie eine, zwei oder gar drei schwalben noch keinen sommer machen, so deutet es nicht auf eine allgemeine rückkehr zur romantik unter zeitgenössischen europäischen designern hin, wenn max lamb einen zinnhocker in einem rudimentären loch am strand giesst statt in einem städtischen atelier. zumindest nicht für uns.
wie gesagt, “isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” ist in jedem fall einen besuch wert. also machen wir es uns leicht und überlassen euch die entscheidung, wie überzeugend die ausgestellten objekte das anliegen der kuratoren tatsächlich darstellen. die eine große enttäuschung der ausstellung, also etwas, das wir einfach loswerden müssen, ist, dass das makk sich genötigt sah, einen „trend-vorhersager“ in das rahmenprogramm einzubauen. nicht genug, dass es trends im design gar nicht gibt, die medizinmänner und -frauen, die das gegenteil behaupten, sollten sich erst recht nicht einem museum nähern dürfen. es sei denn, es handle sich um ein designtrend-musuem, das natürlich komplett voller trend-vorhersager wäre, die sich gegenseitig ermahnten, so mittelmäßig wie möglich zu sein. wenn es etwas gibt, das innovation erstickt, dann leute, die dafür bezahlt werden, firmen zu erzählen, was sie verkaufen, und kunden, was sie kaufen sollen.
und wenn es tatsächlich so ist wie die ausstellung argumentiert, dass die aktuelle neigung zur romantik zum teil dem verlangen geschuldet sei, den festgelegten grenzen von moderne und massenproduktion durch hinwendung zum vergänglichen und individuellen zu entfliehen – dann ist mit sicherheit das erste, das wir tun sollten, keine trend-vorhersager mehr zur kenntnis zu nehmen, deren existenzberechtigung es ist nämlich, uns zu sklaven der ideen anderer zu machen. wie es die alte snowboarder-weisheit sagt: ausgetretene pfade sind für ausgelutschte leute. was natürlich auch von einem romantischen dichter hätte stammen können. wir haben keine ahnung, wieso das makk es für nötig befunden hat, eine hervorragend erdachte und kuratierte ausstellung mit einem derart geschmacklosen nebeneffekt zu verbinden, dessen einziger sinn darin liegt, von den stärken der einzelnen ausgestellten objekte abzulenken. oder, ist das vielleicht die “provokation” aus dem ausstellungstitel? falls ja, hat sie bombig eingeschlagen!
“isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ läuft im museum für angewandte kunst köln noch bis zum 21. april 2013. alle details findet ihr unter www.makk.de und hier ein paar eindrücke von der ausstellung:
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