Archiv für die Kategorie ‘vorträge/workshops’


tagung für designgeschichte

Dienstag, 30. April 2013

am 3. und 4. mai findet in berlin die sechste jahrestagung der gesellschaft für designgeschichte statt, diesmal in zusammenarbeit mit dem werkbundarchiv – museum der dinge und dem bauhaus-archiv. aus designgeschichtlicher perspektive wird dabei der frage nachgegangen, was genau man sammelt, wenn man design sammelt. verschiedene museumsmitarbeiter und fachhistoriker werden zu wort kommen, um das thema danach ausgiebig diskutieren zu können. weitere infos und das programm findet ihr hier.

http://www.gfdg.org



innovatives schweden @ felleshus berlin

Freitag, 26. April 2013

berlin ist die kreative hauptstadt europas, wenn nicht gar der welt. nicht allein im design, sondern auch hinsichtlich innovation und technologie. und natürlich ist es auch ein brutkasten für start-ups. jeder weiß das. weil es jeder irgendwo liest. folglich mag es überraschend sein, zu erfahren, dass innovative kreativität auch in anderen ländern und städten zu finden ist. nein, jetzt mal echt. bis zum 3. mai 2013 präsentiert das fellushus berlin eine jungen, innovativen schwedischen start-ups gewidmete ausstellung. innovatives schweden, kuratiert vom schwedischen institut, präsentiert 20 projekte – von berührungsloser interface-technology über brennstoff-ladegräte bis hin zu tragbaren wegwerftoiletten.

aber weit mehr als eine einfache vorstellung der projekte ist “innovatives schweden” als wanderausstellung auch eine einladung an lokale kreative, ideen und erfahrungen mit ihren schwedischen kollegen auszutauschen. also hat das schwedische institut zusätzlich zur ausstellung ein programm an diskussionen und symposien organisiert, um mögliche deutsch-schwedische kooperationen zu erforschen. all das begann am 12. märz mit einer eintätgigen konferenz unter dem titel “innovation und unternehmertum: die ansätze in schweden und deutschland”. in den kommenden wochen werden ähnliche veranstaltungen zu kunst, energie und gesundheit stattfinden.

auf unserem spaziergang durch das felleshus erinnerten wir uns beim betrachten der projekte an die ausstellung “industriedesign made in berlin” aus dem jahr 2011, eine wanderausstellung des berliner senats und der ihk zur promotion berliner designs. damals schrieben wir: “…aber wenn die vorstellung des berliner senats davon, berlins ruf als designstadt zu stärken, darin besteht, die welt mit einem preisgekrönten bürostuhl zu bereisen, der schon seit 2009 auf dem markt ist”, dann wird es uns, wenn ihr gestattet, nicht den atem verschlagen“. “innovatives schweden” hingegen liefert ein wunderbares beispiel, was mit ein bisschen vorstellungskraft erreicht werden kann. oder mit ein bisschen kreativität, könnte man auch sagen, aber das klänge läppisch.

“innovatives schweden” läuft im felleshus, nordische botschaften, rauchstrasse 1 in 10787 berlin, noch bis zum 3. mai 2013. die projekte werden auf deutsch und englisch vorgestellt. weitere details und das veranstaltungsprogramm findet ihr unter: http://www.nordischebotschaften.org



städtebau und diktatur anderswo: italien, sowjetunion, spanien, portugal

Dienstag, 23. April 2013

wäre es nach albert speer gegangen, hätte berlin nur noch vereinzelt ähnlichkeit mit der stadt, wie wir sie heute kennen. oder, vielleicht besser gesagt, gerade weil es zeitweise nach albert speer ging, hat berlin eben einige seiner offensichtlichen besonderheiten und probleme. natürlich war speers selbsbewusstes vorantreiben dessen, was einmal die welthauptstadt germania werden sollte, ausgelöst von und inspiriert durch adolf hitler und dessen lebenslänglicher besessenheit vom römisch-griechischen altertum – einer besessenheit, die zu seinen schulzeiten begann und durch die opernwerke richard wagners später verstärkt wurde. aber nicht allein seine faszination von historischer mythologie beeinflusste hitlers architektonische fantasien: wie oft in seiner biografie übte auch hier benito mussolini einen großen einfluss auf ihn aus.

1922 begann mussolini eine der größten und detailliertesten architektur- und stadtplanungsinitiativen. und wegen seines enthusiasmus für griechische und römische mythologie basierten seine initiativen weitgehend auf historischen vorbildern. projekte wie die esposizione universale di roma oder das foro italico sind bestimmt die augenfälligsten monumente jener zeit. mussolini war aber auch verantwortlich für die freilegung vieler heute berühmter römischer ruinen aus verschüttung und verfall, für die der circus maximus und das mausoleum des augustus wohl die besten beispiele sind. zusätzlich beaufsichtigte mussolini den bau ausgedehnter transportnetzwerke innerhalb der stadt und bauprogramme, in deren verlauf tausende von wohnstätten und andere unglücklich gelegene gebäude zerstört wurden. insofern trägt das heutige rom den unverwechselbaren fingerabdruck benito mussolinis.

für hitler und mussolini war der traum, dem altertum ebenbürtige städte zu erschaffen, eng mit einer erhofften assoziation verbunden: wenn sie dem alten rom ähnliche städtische umgebungen schüfen, würde auch ihre macht denen der römischen imperatoren gleich kommen. dennoch ging es den faschisten in ihrer stadtplanung nicht allein darum, ihren platz in der geschichte zu sichern, sondern auch darum, ihre macht zu zementieren. in südtirol zum beispiel initiierte mussolini projekte, die allein die ausmerzung jeglicher spuren „germanischer“ tradition in der region zum ziel hatten. kulturelle säuberung durch architektur, sozusagen. wohl die bekanntesten beispiele hierfür sind das monumento alla vittoria und die piazza della vittoria in bolzano. während die landgewinnungsprojekte in den pontinischen sümpfen südlich von rom genauso der schwächung politischer gegner, wie der schaffung moderner sozialwohnungen galten. natürlich hatten europas faschisten kein monopol auf den einsatz von architektur und stadtplanung zur status- und machtbestätigung, josef stalins bau- und planungsprogramme waren in jeder weise genauso opulent, gründlich … und repressiv.

jedenfalls lud am 7. märz 2013 die werkbund galerie zu einem abend über “diktatorische architektur” unter dem gesichtspunkt, was, warum und wie wir davon lernen können, ein. neben präsentationen über mussolinis italien von daniela spiegel und über stalins sowjetunion von thomas flierl bot der abend auch beiträge über francos spanien von max welch guerra und salazars portugal von christian von oppen. prof. harald bodenschatz eröffnete den abend “städtebau und diktatur anderswo: italien, sowjetunion, spanien, portugal” mit einem allgemeinen überblick über “stadtplanung und diktatoren“.



pictoplasma 2013: nach ostern wird’s noch bunter

Donnerstag, 28. März 2013

das überfestival der zeitgenössischen character-kultur ist zurück! und dass mit einem marathon an vorträgen und präsentationen, von 28 weltweit herausragenden künstlern, illustratoren und designern. die einzigartige mischung aus animationsfilmfestival, künstlergesprächen, zahlreichen ausstellungen und partys ermöglicht profis, studenten und allen anderen interessierten, ein inspirierendes langes wochenende voller kreativität, wissen, vernetzung und natürlich jeder menge character! pictoplasma berlin 2013 findet vom 10. bis 14. april statt. infos zum festival gibt es hier: http://pictoplasma.com



ungers archiv für architekturwissenschaft: ex libris ex artifex ex loco @ galerie capitain petzel

Dienstag, 19. Februar 2013

in einer ansonsten unspektakulären vorstadtstraße im westlichen köln beherbergt das ungers archiv für architekturwissenschaft nicht nur das einzige professionelle und private archiv des deutschen architekten und architekturtheoretikers oswald mathias ungers, sondern auch seine unvergleichliche sammlung an architekturliteratur. “angefangen”  – sozusagen  – mit einer 1495er erstausgabe der “architectura libri decem” von vitruvius über texte führender künstler und architekten des 16., 17. und 18. jahrhunderts bis hin zur moderne und darüber hinaus, ist die ungers-bibliothek das ergebnis von fünf jahrzehnten leidenschaft für architektur. und eine der reichhaltigsten und wertvollsten sammlungen architektonischer texte, modelle und zeichnungen weltweit.

in ihrem bemühen, die bibliothek nicht als staubige büchersammlung, sondern als aktiven ort des lernens zu erhalten, veranstaltet das ungers-archiv seit 2011 eine lesungsreihe mit dem titel “ex libiris”, deren konzept recht einfach ist: zwei architekturfachleute werden eingeladen, je ein buch aus der sammlung auszuwählen und dem publikum darzulegen, weshalb es wichtig ist und welche lehren es für uns bereithält. im grunde so wie in der schule, als ihr der klasse euer lieblingsbuch vorstellen solltet. und heute, am 19. februar, veranstaltet das ungers-archiv sein erstes ex libris-event außerhalb kölns als gast der galerie capitain petzel in der karl-marx-allee 45. unter dem titel “ex libris ex artifex ex loco” und organisert im kontext der derzeitigen ausstellung “the feverish library”, ist es auch das erste mal, dass ex libris die gefilde der architektur verlässt und jene der kunst betritt. für “ex libris ex artifex ex loco” wird der in berlin ansässige künstler olaf nicolai otto philipp runges “farben-kugel” aus dem jahr 1810 vorstellen, während der schriftsteller und journalist thomas wagner sich für piet mondrians „neue gestaltung. neoplastizismus. nieuwe beelding“ entschieden hat.

es ist in vielerlei hinsicht sehr passend, dass der erste ausflug des archivs aus köln nach berlin führt. denn “o.m.u”, wie er unter freunden und feinden heißt, war nicht nur zuerst professor und später dekan für architektur an der tu berlin, es sind auch viele beispiele seiner arbeit in der stadt zu finden, darunter das friedrichstadt passagen-quartier 205 und die dorotheenhöfe. außerdem wird die derzeitige renovierung des pergamon-museums nach plänen durchgeführt, die o.m.u vor seinem zu frühen tod im jahre 2007 erstellte.

“ex libris ex artifex ex loco” findet heute abend in der galerie capitain pezel, karl-marx-allee 45 in 10178 berlin, um 19 uhr statt. und soweit wir wissen, ist der eintritt frei. weitere infos gibt es hier: http://www.capitainpetzel.de/exhibitions.html

Ungers Archiv für Architekturwissenschaft Ex Libris Ex Artifex Ex Loco  Galerie Capitain Petzel Berlin

die zwei ausgestellten bücher. links “farben-gugel”. rechts “neue gestaltung. neoplastizismus. nieuwe beelding”



transmediale 2013

Montag, 28. Januar 2013

morgen geht’s wieder los: die transmediale 2013 beginnt. sie ist ein festival, das neue verbindungen zwischen kunst, kultur und technologie herausstellen möchte. ihre aktivitäten zielen darauf ab, ein kritisches verständnis der gegenwärtigen, von medientechnologien geprägten kultur zu schaffen und zu festigen. sie findet vom 29. januar bis zum 3. februar statt und bietet workshops, eine konferenz, vorträge, performances, ausstellungen und vieles mehr. weitere infos zur transmediale gibt es hier: http://www.transmediale.de/de



designtransfer: the world is but a prototype!

Sonntag, 27. Januar 2013

fast unmerklich hat sich in führenden labs, design-agenturen und open-source-kontexten eine neue entwurfskultur entwickelt: das prototyping. mit dem klassischen prototyp hat dies nur noch wenig zu tun und insbesonders bei komplexen und interdisziplinären projekten ist das prototyping inzwischen unverzichtbar. manchmal ist am anfang einer entwicklung nicht klar, was am ende dabei herauskommen wird. diskutiert und entwickelt wird am prototyp, nicht am ende, sondern am anfang des projektes.

jörg petruschat und julian adenauer untersuchten und durchdachten den prozess des prototyping aus zwei richtungen: aus der sicht des designers und aus der sicht des ingenieurs. als herausgeber des buches »prototype!« präsentieren sie nun ihre entdeckungen und berichten von ihren erkenntnissen, gesprächen und diskussionen… wirklich spannend! parallel läuft die ausstellung zum selben thema “prototype: exhibition in the cloud”, noch bis zum 1. februar.

designtransfer

diskussion: the world is but a prototype!

31. januar 2013 um 19 uhr

@ universität der künste berlin

einsteinufer 43-53 i 10587 berlin

tel. 3185-2858

mail designtransfer@udk-berlin.de

http://www.designtransfer.udk-berlin.de/

hinweis: ausstellung: 29. januar bis 1. februar, von 10 bis 18 uhr



depot basel 13: das wilde denken bei llot llov und baerck

Donnerstag, 24. Januar 2013

für ein projekt, bei dem es um die gestaltung von objekten “für den tisch” geht, ist es nur passend, dass “das wilde denken” faktisch bei zwei gesprächen während des essens entstanden ist. das erste ereignete sich, als depot basel-mitbegründerin matylda krzykowski und mitglieder des berliner designstudios llot llov sich den sommer über im atelier der letzgenannten trafen und während eines – zweifellos gemächlichen – mittagessens eine mögliche zukünftige zusammenarbeit besprachen. unkonkretes planen, für das designer so anfällig sind… das zweite treffen fand während der vergangenen design-biennale in istanbul statt, als matylda und die designerin annika frye sich von einem formellen abendessen davonstahlen, um irgendwoanders entspannter zu dinieren und sich dabei ein gespräch entspann, das in seinen grundzügen das entwickelte, was später „das wilde denken“ wurde.

man spule ein paar monate vor und - “bish bash bosh” – schon hat das depot basel etwa ein dutzend bereitwilliger teilnehmer für einen workshop im neuköllner büro atelier von llot llov um sich versammelt. wie in unserem vorangegangen post über das wilde denken gesagt, ist das prinzip recht einfach: im verlauf eines zweieinhalbtägigen workshops wird eine gruppe von designern gebeten, aus krimskrams und resten objekte „für den tisch“ zu kreieren. die ergebnisse werden seit dem 15. dezember 2012 bei baerck in berlin-mitte ausgestellt.

andererseits verbirgt die schlichte fassade wie so oft ein komplexes, vielschichtiges und verflochtenes ganzes. das wilde denken thematisiert die wiederentdeckung der kreativität des einfachen handwerks, oder mit den worten matyldas: es sind erwachsene, die in einem projekt  auf der grundlage eines ziels arbeiten, diskutieren und überlegen – wohingegen kinder einfach mit dem, was zur vefügung steht, loslegen… ein erstaunlich dynamischer prozess, dessen wiederentdeckung den meisten von uns viel bringen würde. nicht zuletzt, weil wir uns allzu leicht in wiederholungen festfahren, indem wir einfach eine sache auf immer die gleiche weise tun, weil uns keine zeit für ablenkung bleibt. ein paar tage auf ganz andere art zu arbeiten kann nur hilfreich dabei sein, neue dimensionen für das verständnis deiner arbeit zu entdecken und deine arbeiten positiv und frisch zu halten. egal, welche arbeit es sein mag.

dann sind da noch aspekte, welche die länge des heutigen designprozesses behandeln, zum beispiel zeitspannen, die eine ursprüngliche idee durch zu viel kesselflickerei negativ beeinflussen können – was uns natürlich daran erinnert, was tim brauns von e27 uns über die hintergründe der 2011er “poetry happens”-ausstellung erzählt hat und wie sie die essenz der bestehenden ideen in den ersten 3d-prototypen festhalten wollten, aber sich dann oft in der entwicklungsphase verlieren. und ganz simpel gesagt: alle anderen basteln fleißig papiergirlanden, foliensterne und backen weihnachtsplätzchen … warum sollen designer sich nicht auch an einem bisschen unschuldiger weihnachtsbastelaktivität erfreuen?

wir haben dem workshop am donnerstagnachmittag einen kurzen besuch abgestattet, und obwohl wir nicht verraten können, an welchen objekten die verschiedenen teams gerade arbeiteten – vor allem weil die meisten zu dieser zeit selbst noch nicht genau wussten, woran sie gerade werkelten – können wir bestätigen, dass die verschiedenen genres, verfahren und objekte genauso reizvoll wie vielfältig waren und dies auch blieben. jeder ist willkommen und die objekte sind im baerck berlin käuflich zu erwerben.

depot basel 13: das wilde denken

15. dezember 2012 bis 2. februar 2013, mo bis sa von 12 bis 20 uhr

@ baerck berlin, mulackstrasse 12 in 10119 berlin

tel.  24048994

www.baerck.net



rückblick: designtage brandenburg 2012-konferenz

Dienstag, 22. Januar 2013

am freitag, den 23. november, begannen die ersten designtage brandenburg mit einer eintägigen konferenz im potsdamer t-werk. das geschehen begann formell mit einer grundsatzrede des gründers und chefs von red dot, peter zec, über den “wert des designs”, eine rede, die wir aus verschiedenen gründen übergehen werden. nichts gegen peter zec oder red dot, aber wir sind einfach keine anhänger von eröffnungsrednern mit großem namen, die über themen reden, die keine besondere relevanz für die eigentliche sache haben. zugegeben, so etwas sieht in den marketing-klappentexten gut aus. ja, es kann sogar interessant sein. aber nein, es hilft der konferenz nicht dabei, ihre angegebenen ziele zu erreichen.

modedesigner marcel lunkwitz @ designtage brandenburg 2012-konferenz

für uns folgte der zentrale und interessanteste teil der konferenz gleich auf die rede von peter zec: fünf präsentationen fünf praktizierender brandenburger designstudios, fünf präsentationen fünf sehr verschiedener brandenburger designstudios, die unterschiedliche aspekte von kreativität in brandenburg beleuchteten – jedoch die gleichen positiven argumente wiederholten: brandenburg bietet platz, eine menge hochqualifizierter partner für kooperationen und für alle aktiven eine andere lebensqualität als berlin. der meinung aller fünf präsentatoren zufolge, eine bessere lebensqualität.

was uns sehr an das erinnerte, was dmy berlins joerg suermann uns einmal über die fehlende honorierung von design in berlin erzählte und daran, wie in berlin der erfolg als designer irgendwie als die antithese zur existenzberechtigung eines designers verstanden wird (vorausgesetzt, dass es eine antithese zu einer existenzberechtigung geben kann…). nicht dass wir uns deshalb an joergs kommentare erinnerten, weil etwa design in brandenburg besser honoriert würde, sondern eher in dem sinne, dass brandenburg einen lebensstil jenseits der design-klischees bietet. oder anders gesagt: man arbeitet in brandenburg nicht als designer, um alle 24 stunden an einer vernissage mit anschließender party teilzunehmen. in brandenburg haben andere dinge vorrang.

am nachmittag wurde die konferenz in zwei gruppendiskussionen aufgeteilt – eine untersuchte das thema kooperative produktionen, die zweite beschäftigte sich mit der organisation von designprozessen. obschon wir uns auch hätten aufteilen können, machen wir das nicht gerne – amöben können sich teilen und wer will schon mit einer amöbe verglichen werden?  also verbrachten wir eine weile bei jeder der zwei gruppen, um anschließend die auf dem markt angebotenen waren zu begutachten.

die “ergebnisse” der diskussion “designprozess” während der designtage brandenburg 2012-konferenz

wie wir schon in einem anderen post sagten, war ein zentrales ziel der designtage brandenburg, design in brandenburg sichtbarer und zugänglicher zu machen. unserer ansicht nach hat die konferenz dies weder geschafft noch hätte sie es schaffen können – was sie aber geschafft hat, war, die aufmerksamkeit auf die pros und contras zu richten, und in weiterführung dessen auf jene aspekte, bei denen brandenburg helfen kann, seine designszenen und designindustrie besser herauszustellen. das wird nicht leicht werden…

zum einen ist der schatten berlins groß. und dann sind da noch die in schlagwörtern wie „studio babelsberg“, „wunderkind-villa“ oder „dieter moor“ manifestierten vorurteile. das ergebnis ist die anonymität der kleinen grass-root-praktiker, zumindest außerhalb der lokalen, derzeit sehr kleinen industrie. hinzu kommen handfeste strukturelle defizite. potsdam bietet zur zeit weder co-working-spaces noch einen funktionierenden markt für shared offices/ateliers, vom übrigen brandenburg ganz zu schweigen. wo also sollten sich existenzgründungswillige talente niederlassen? ein zug pro stunde von potsdam zum flughafen berlin-brandenburg international ist kaum die art von anbindung, die viele internationale designer zu überzeugen vermag, berlin mit seiner s-bahn-verbindung im 10-minuten-takt aufzugeben. im ganzen ist der öffentliche verkehr außerhalb potsdams ein witz, infolgedessen könnten städte wie werder, teltow oder michendorf, die theoretisch für junge designer eine günstige alternative zu potsdam sein könnten, genauso gut südlich der wüste gobi liegen.

und wir wollen auch gar nicht erst von der wahl der möbel des rbb für die radioeins-lounge auf dem markt der designtage anfangen… ein ensemble, das zeigte, dass selbst öffentlich finanzierte institutionen in brandenburg, die der lokalen szene eigentlich hilfestellung bieten sollten, selbst nicht den grips haben, produkte von brandenburger möbeldesignern zu verweden und stattdessen „von klassikern insipirierte“ teile eines schwedischen monolithen bevorzugten. billiger lifestyle-schrott siegt eben über qualitatives möbeldesign. als logische folge ziehen nur sehr wenige berliner designer nach brandenburg um. obwohl es theoretisch viele könnten. und sogar sollten.

die “ergebnisse” der diskussion “kooperative produktion” während der designtage brandenburg 2012-konferenz

die berliner designszene verändert sich, entwickelt sich, wird reifer und professioneller, kriegt kinder und braucht platz, um familien- und arbeitsleben zu vereinen. und wenn es brandenburg gelingt, diejenigen anzusprechen, die nach mehr als “arm, aber sexy” oder “verkatert, aber hip” suchen, hat es sehr gute chancen, um erfolgreiche innovative designstudios herum eine solide basis aufzubauen. und dann ist da noch die in der tat exzellente talentschmiede der fh potsdam. brandenburg muss die potsdamer abgänger der fachhochschule im land halten, wenn es “design-relevanter” werden will. derzeit gehen die meisten von der fh potsdam nach berlin. und bleiben da.

brandenburg wird nie eine designszene haben, die der berliner gewachsen ist. aber es verdient eine, die seinem potential entspricht. und so hoffen wir, dass die designtage brandenburg eine jährliche veranstaltung werden, weil wir glauben, dass man mithilfe solcher plattformen langfristig die bedingungen vor ort verbessern und damit brandenburg zu einem reizvolleren standort für designer machen kann, die ernst genommen werden wollen. insbesondere, wenn sie zukünftig gastredner einladen, die dazu beitragen, die tatsächlichen themen in brandenbrug anzugehen, anstatt eloquent die globale designindustrie im allgemeinen zu beschreiben.

und wenn, entsprechend dem aufruf aus unserem letzten post, die brandenburger designer die gelegenheit nutzten, sich in einer praktiker-geführten körperschaft à la create berlin zu organisieren, die ihnen den aufbau nachhaltiger netzwerke ermöglicht … dann wäre der weg zum erfolg noch kürzer. wir behalten die entwicklungen im auge und euch auf dem laufenden.

designtage brandenburg 2012-konferenz: diskussion “kooperative produktion” mit nils holger moormann

die radioeins-lounge: verachtung für brandenburger design



rückblende: 40 jahre werkbundarchiv

Montag, 21. Januar 2013

vierzig jahre sind im vergleich zu menschlichen maßstäben kein besonderes alter für ein archiv oder museum. dennoch wagt das 1972 gegründete werkbundarchiv – museum der dinge – einen blick zurück auf 40 jahre institutionelle geschichte. am donnerstag um 19 uhr sind alle herzlich eingeladen, sich inspiriert durch bilder und geschichten an ausgewählte ereignisse und inhaltliche entwicklungen des museums zu erinnern und mit den heutigen akteuren über den stand der dinge des museum der dinge ins gespräch zu kommen… bestimmt sehr interessant!

 

40 jahre werkbundarchiv

24. januar 2013, 19 uhr

@ werkbundarchiv – museum der dinge

oranienstraße 25 in 10999 berlin

tel. 921063-11

www.museumderdinge.de