auch wenn es eigentlich unseren vorstellungen vom seriösen bloggen widerspricht, texte erst zu posten, wenn das thema, über das berichtet wird, schon längst von gestern ist, können wir beim fensterschau-projekt einfach nicht anders. aufgrund anderweitiger verpflichtungen in einem fernen, exotischen land namens sachsen haben wir es erst kurz vor ende zum projekt “fensterschau – alles muss raus?” von alex kufus’ studenten der projektgruppe idk geschafft und seitdem viel zu viel in der analogen welt zu tun gehabt. deshalb: entschuldigung an alle beteiligten für den späten bericht.
aufgabe der 14 projektteilnehmer von “fensterschau – alles muss raus?” war es, ladenbesitzer dazu zu überreden, ein schaufenster für sie entwerfen zu dürfen – was sie dann natürlich auch taten. die ergebnisse waren vom 13. bis zum 24. februar in der ganzen stadt zu begutachten.

lindt second hand. eine der locations für "fensterschau - alles muss raus?"
das fensterschaukonzept hat etwas geschafft, das wir bisher nur von der vienna design week kannten, aber bei allen anderen festivals vermisst haben. in wien werden designer dazu ermutigt (im grunde haben sie gar keine andere wahl) mit lokalen unternehmen zusammenzuarbeiten. zwangsläufig müssen sich also auch die besucher der design week in stadtteile wagen, in die sie normalerweise nicht vordringen würden, und geschäfte betreten, in die sie normalerweise keinen fuß setzen würden. durch passionswege, bezirk focus, carte blance etc. haben wir so nicht nur fantastisches, originelles design gesehen, sondern auch mehr in wien erlebt als jeder durchschnittstouri. außerdem haben wir einige tolle “heurige” entdeckt…
so eine “stadtsafari” quer durch unergründete winkel der stadt gab es dank der fensterschau nun auch in berlin.
wir vermuten, dass die meisten studenten bei einem laden in ihrer nähe angefragt haben, denn die locations konzentrierten sich auf einer relativ geraden linie vom mehringdamm zum rathaus neukölln. doch trotz der relativen geografischen homogenität landeten wir doch ab und zu in straßen, die wir noch nicht kannten. das kam meist dadurch, dass wir in die falsche richtung gelaufen sind… aber das macht ja auch den spaß solcher touren aus.

eine detailansicht von karoline haasters schaufenster für lux optik
obwohl primär als ein projekt konzipiert, das die schaufensterkultur wiederbeleben sollte, war “fensterschau – alles muss raus?” praktisch auch ein streetart-projekt, das die straße aufgewertet und die läden besser in ihre umgebung integriert hat. daher war es toll zu sehen, dass einige der schaufenster die passanten wirklich interessiert und amüsiert haben. besonders bei den arbeiten von dirk biotto “asa 90 der fotoladen” und christopher supardjos “shopquarium” für das aquarium mayer haben wir sehr positive reaktionen beobachtet. für uns zeigt sich darin sowohl der wert des projektes selbst als auch die gelungene umsetzung der aufgabe durch die studenten.
wir haben mit keinem der beteiligten ladenbesitzer über ihre erfahrung mit dem projekt gesprochen, weil die fensterschau für uns ein zeitlich und örtlich begrenztes projekt für die studenten war – und nicht etwa eine langzeitmaßnahme zur stadtsanierung oder verbesserung der strukturen im kiez. wäre es darum gegangen, hätte die sicht der ladenbesitzer natürlich im vordergrund gestanden. so aber ging es vordergründig um den prozess, den die studenten während des projekts durchlebt haben – was sie im projekt erfahren und gelernt haben. es ging um das aufeinandertreffen von designstudenten und menschen, die feranb der “designszene” leben und in deren kosmos talent und können nicht mit der größe von brillen oder wollmützen zusammenhängt.
in zukunft wird es unausweichlich dazu kommen, dass mehr designer mit kleinen, lokalen geschäften zusammenarbeiten, um neue produkte und prozesse zu entwickeln. wir finden das sehr erstrebenswert und halten das auf jeden fall für einen weitaus nachhaltigeren und sanfteren ansatz als die massenweise herstellung von produkten, die sich doch nicht verkaufen. deshalb kann es nicht schaden, wenn mehr studenten schon mal an das zusammenarbeiten mit geschäften, die normalerweise nie an einen designer herantreten würden, vorbereitet werden.

christopher supardjos "shopquarium" für aquarium meyer
uns wurde auf unserer tour leider schnell klar, dass mehrere schaufenster so konzipiert waren, dass die installation nur bei dunkelheit sichtbar war; und leider nicht an einem hellen, wenn auch bewölkten mittwochnachmittag. logisch: nächtlich erleuchtete schaufenster sind natürlich bessere plattformen als so ein fenster bei tage. und viel einfacher zu fotografieren! wir finden nur, dass die studenten das auf ihrer website und den flyern einen tick besser hätten kommunizieren können. dann hätten wir sie uns bei dunkelheit angesehen… wir werden das nächste mal einfach besser aufpassen.
wir hoffen, es gibt ein nächstes mal! die udk kann jedenfalls auf eine ansehnliche erfolgsgeschichte mit ähnlichen kooperationsprojekten blicken und für uns tragen solche projekte maßgeblich dazu bei, zu zeigen, dass design nicht so etwas furchterregend geistreiches wie kunst, sondern etwas alltägliches für jedermann ist.
auf der “interaktiven karte” unten haben wir die einzelnen projekte verlinkt. klickt einfach auf die initialien der designer und ihr werdet auf eine seite mit einem kurzen text, ein paar fotos und einem link zur homepage des projektes weitergeleitet. jaaa, es hat viel zeit gekostet, das zu basteln. doch weil wir mit unserem bericht so spät dran sind, war es uns wert, diesen preis zu zahlen.
