Archiv für die Kategorie ‘stadtdesign’


letzte chance: ergebnisse des studentenwettbewerbs “häuser am neuen markt” @ werkbund galerie

Donnerstag, 23. Mai 2013

+++ für schnellentschlossene: noch bis heute abend sind in der werkbund galerie die ergebnisse des architektur-studentenwettbewerbs “häuser am neuen markt” zu sehen! +++

vorwort: wie jeder weiß, ist eines der größten probleme bei architekten, dass sie mehr mit ihrer eigenen geltung beschäftigt sind als mit dem aktuellen projekt. ein gebäude andererseits braucht jedoch notwendigerweise einen hinweis darauf, dass x, y oder z es gebaut hat, anstatt etwas anderes passendes hinzuzufügen. und ja, wir generalisieren.

1984 prägte prinz charles die berühmte phrase vom „monströsen karbunkel“, um die vorgeschlagene erweiterung des sainsbury-flügels der national gallery in london zu beschreiben … und in dem seither abgelaufenen vierteljahrhundert wurde manch’ eine historische stätte durch einen völlig unangemessenen, selbstverherrlichenden karbunkel verschandelt. niemand sagt, dass ein neues gebäude eine kopie dessen sein muss, was es bereits gibt, oder, was das eine oder das andere derzeitige bauprojekt in berlin und brandenburg betrifft, eher dessen, was einmal bestand. das neue gebäude muss schlichtweg respekt für den ort demonstrieren, und für die umliegenden gebäude und auch empfindsamkeiten des projekts. es kann so modern sein, wie es nur will, nur bitte einfach respektvoll.

für den “häuser am neuen markt”-wettbewerb wurden studenten des dritten semesters der architekturschule der fh potsdam und der beuth hochschule für technik berlin gebeten, ein haus für eine parzelle an berlins historischem neuen markt zu kreieren. eine dermaßen historische stätte, dass sie offiziell eigentlich gar nicht mehr existiert … über die jahre hinweg verschlungen von krieg und anderen formen des fortschritts. die ergebnisse der bemühungen der studenten können noch bis heute abend in der werkbund galerie besichtigt werden.

für die heutige finissage der ausstellung ist zudem eine podiumsdiskussion geplant, die sich mit dem wettbewerb an sich und allgemeineren themen beschäftigt, die im zusammenhang mit der errichtung neuer gebäude an historischen orten auftauchen. podiumsteilnehmer sind der architekt bernd albers, der soziologe und stadtplaner herald bodenschatz, der historiker bendikt goebel sowie die politiker stefan evers (cdu) und jan stöß (spd). die moderation hat claudia kromrei. die podiumsdiskussion beginnt um 19 uhr. jeder ist willkommen, der eintritt ist frei! alle einzelheiten findet ihr hier.

finissage “häuser am neuen markt” // 23. mai 2013 um 19 uhr // @ werkbund galerie, goethestraße 13 in 10623 berlin // www.werkbund-berlin.de

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sinnfindung im erbe von mies van der rohe

Samstag, 11. Mai 2013

an der udk könnt ihr momentan eine sehr interessante ausstellung besuchen. “sinnfindung im erbe von mies van der rohe. werk werner blaser – edition löffler” gewährt euch den blick eines zeitzeugen der moderne auf die damalige welt. das erbe von mies van der rohe bildet dabei den rahmen für das fotografische lebenswerk des schweizer architekten und publizisten werner blaser. im mittelpunkt der ausstellung stehen die bauwerke van der rohes sowie klassische japanische architektur. die intensive auseinandersetzung mit dem menschen und dem werk van der rohes spiegelt sich vor allem auch in den eigenen möbelentwürfen blasers wider. die edition löffler zeigt uns seine selbst gefertigten möbel sowie einen dokumentarfilm über den mittlerweile 89-jährigen. ein besuch lohnt sich! der eintritt ist frei.

sinnfindung im erbe von mies van der rohe. werk werner blaser – edition löffler

25. april bis 30. mai 2013, mo bis sa von 10 bis 19 uhr

@ udk berlin, eingangshalle und quergalerie

hardenbergstraße 33  in berlin

http://www.udk-berlin.de/sites/content/themen/aktuelles/index_ger.html?infoID=e209209



berliner designpioniere: peter behrens

Dienstag, 30. April 2013

es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass 99% der berlinbesucher mit einer erinnerung an die arbeiten von peter behrens, einem der ersten und bedeutendsten industriedesigner, nach hause zurückfahren. und es ist ebenso wahr, das 99,9% davon in glückseliger unwissenheit eben dieses umstandes leben. und das passt irgendwie zu dem mann, der sowohl dazu beitrug die hinwendung zum modernismus zu definieren sowie die karrieren vieler der bekanntesten vertreter desselben modernismus ins rollen zu bringen, selbst aber weitgehend unbekannt geblieben ist…

1868 in hamburg geboren, studierte peter behrens zunächst malerei, ehe liebäugeleien mit dem jugendstil ihn zum glas- und keramikdesign sowie verwandten handwerken brachten. 1899 trat peter behrens der darmstädter künstlerkolonie bei, ein schritt, der ihn dazu ermunterte, sein erstes architektonisches projekt in angriff zu nehmen und sich generell weiter von “reiner” zu angewandter kunst hin zu bewegen. 1904 verließ er darmstadt, um einer ernennung zum direktor der kunstgewerbeschule düsseldorf zu folgen, ehe er 1907 in berlin sein eigenes archtitekturbüro gründete. eigentlich war es in neubabelsberg, aber wir wollen, wenn ihr nicht darauf besteht, keine haarspalterei betreiben.

die aeg-turbinenhalle in berlin von peter behrens

ebenfalls im jahre 1907 nahm er die einladung an, als “künstlerischer berater” für den deutschen elektrikwarenhersteller aeg tätig zu werden: eine stelle, die peter behrens nicht nur als einen der ersten industrie- bzw. corporate-designer etablierte, sondern auch den beginn seiner einflussnahme auf die architektur berlins markiert. im sinne eines vorzeitlichen dieter rams war peter behrens bei der aeg für die entwicklung und kontrolle aller aspekte der firmenmarke verantwortlich: von aschenbechern und uhren über logos und werbebroschüren bis hin zu gebäuden – bauten, die heute noch als wunderbare zeugen der menschheit und ihrer ideen in berlin stehen.

angefangen mit der majestätischen turbinenhalle in moabit aus dem jahre 1909, vollendete peter behrens im folgenden jahrzehnt, neben fabrikgebäuden und fertigungshallen, wohnsiedlungen für aeg-arbeiter, zum beispiel in oberschöneweide oder lichtenberg. zwei sehr gut zugängliche beispiele von peter behrens’ zusammenarbeit mit der aeg kann man entlang der linie u8 entdecken. von der aeg 1907 als “gn-linie” geplant, die gesundbrunnen mit neukölln verbinden sollte, wurde die planung und verwirklichung der heute als u8 bekannten u-bahnlinie weitgehend von alfred grenader geleitet, allerdings sind die stationen bernauer straße und moritzplatz werke von peter behrens. sehr typische beispiele übrigens. die arbeiten peter behrens’, eines bekennenden und bekannten bewunderers schinkels, schreien nach der vergangenheit. aber sie schreien im schlichten verständnis des jugendstils. klar, es finden sich säulen und bögen in seinen bauten. aber diese sind – im gegensatz zu den übermütigen dekorationen von ehedem –  nüchterne technische strukturen. insofern bildet peter behrens’ schaffen unbestreitbar eine brücke zwischen neoklassizismus und modernismus. eine brücke, die peter behrens 1930 in voller länge mit seinen monumentalen bauten alexanderhaus und berolinahaus am alexanderpaltz überschritt – zwei der besten beispiele für den späten europäischen modernismus in berlin. und leider auch zwei der am zuverlässigsten übersehenen meisterwerke in der stadt.

alexanderhaus von peter behrens am alexanderplatz

peter behrens’ einfluss auf die entwicklung von design und architektur geht dabei über die von ihm verwirklichten gebäude hinaus. um zum vergleich mit dieter rams zurückzukehren: auch peter behrens hatte bedeutenden einfluss auf folgende generationen von designern und architekten. kurz vor seiner offiziellen anstellung bei der aeg veröffentlichte peter behrens ein essay mit dem titel “kunst und technik”, in dem er zugunsten einer engeren zusammenarbeit der künste mit der industrie argumentierte. es war eine der ersten schriften mit diesem tenor und ein text, in dem zum beispiel viele der grundgedanken des bauhauses zu finden sind. zusätzlich entströmte eine konstante anzahl vielversprechender junger architekten den türen peter behrens’ studios in babelsberg: vielversprechende junge architekten die von einem mann zu lernen hofften, dessen arbeiten sie respektierten und bewunderten. darunter sind le corbusier, mies van der rohe und walter gropius nur drei der klangvollen namen derer, die in den jahren vor dem ersten weltkrieg mit und für peter behrens arbeiteten.

obwohl peter behrens zugegebenermaßen zu anderen städten und regionen engere beziehungen hatte als zu berlin, war die zeit, die er in berlin verbrachte nicht nur für seine eigene karriere entscheidend, sondern vor allem für den erfolg des europäischen modernismus, des bauhauses und dessen, was wir heute unter industriedesign verstehen. und damit gehört peter behrens in das pantheon der berliner designpioniere. wir werden in den nächsten monaten das werk und das erbe peter behrens‘ eingehender betrachten. aber für heute erstmal ein paar fotos einiger seiner berliner arbeiten.

und wo bleibt das eingangs erwähnte allgegenwärtige behrens-andenken? nun, der schriftzug „dem deutschen volke“ am reichstagsgebäude ist in einer speziell für dieses bauprojekt von peter behrens und anne simmons entwickelten schrifttype eingraviert. und welcher tourist macht kein foto vom reichstag?



tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses @ daz

Donnerstag, 25. April 2013

bis zum 31. märz zeigte das deutsche architektur zentrum daz die ausstellung “tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses“. als wir ursprünglich über die ausstellung berichteten, hatten wir sie noch nicht gesehen. nun haben wir es und waren angenehm überrascht. architekturausstellungen haben die angewohnheit, techniklastig oder allzu streng auf das jeweilige objekt bezogen zu sein. “tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses” fokussiert jedoch die folgen der arbeit aus der sicht der nutzer und spiegelt damit ein zentrales anliegen des projektes wieder.

kuratiert von der berliner agentur ilka & andreas ruby, ist “tour bois le prêtre” mehr oder weniger angelegt zu zeigen, wie das interieur einer “standard”-wohnung nach der renovierung im neuen tour bois le prêtre-hochhaus aussieht, einschließlich wirklich entzückender fast antiker möbel. nichts weist darauf hin, weshalb die objekte gezeigt werden oder worum es bei der ganzen ausstellung eigentlich geht. einfach nur möbel, pflanzen und weite aussichten über paris. was wir wirklich toll fanden.

technische und hintergrundinformationen sind dennoch alle da, sie liegen in form von faltblättern und postern bereit. und nach dem genuss der “aussichten” über das 17. arrondissement aus den neugebauten wintergärten will man automatisch ein bisschen mehr erfahren. konzepte zur verbesserung der energieeffizienz des blocks oder was die architekten unter dem “plus-prinzip” verstehen, werden auf klare weise erklärt und es steht jedem besucher frei, so wenig oder so viel zu erfahren, wie es ihm beliebt. ein besonderes glanzlicht für uns war die fotosammlung ausgewählter wohnungseinrichtungen vor den renovierungen. nicht nur weil sie brutal die leistungen des projektes aufzeigen, sondern vielmehr, weil sie mit einer gewissen naivität aufgenommen sind, als eine kurze, unreflektierte antwort auf der architekten geheiß. abgebildet zeigt sich eine äußerst entzückende, voyeuristische sammlung von impressionen aus dem alltäglichen häuslichen chaos. einfach hinreißend.

tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhause

@ deutsches architektur zentrum daz

köpenicker straße 48/49 in 10179 berlin

www.daz.de



städtebau und diktatur anderswo: italien, sowjetunion, spanien, portugal

Dienstag, 23. April 2013

wäre es nach albert speer gegangen, hätte berlin nur noch vereinzelt ähnlichkeit mit der stadt, wie wir sie heute kennen. oder, vielleicht besser gesagt, gerade weil es zeitweise nach albert speer ging, hat berlin eben einige seiner offensichtlichen besonderheiten und probleme. natürlich war speers selbsbewusstes vorantreiben dessen, was einmal die welthauptstadt germania werden sollte, ausgelöst von und inspiriert durch adolf hitler und dessen lebenslänglicher besessenheit vom römisch-griechischen altertum – einer besessenheit, die zu seinen schulzeiten begann und durch die opernwerke richard wagners später verstärkt wurde. aber nicht allein seine faszination von historischer mythologie beeinflusste hitlers architektonische fantasien: wie oft in seiner biografie übte auch hier benito mussolini einen großen einfluss auf ihn aus.

1922 begann mussolini eine der größten und detailliertesten architektur- und stadtplanungsinitiativen. und wegen seines enthusiasmus für griechische und römische mythologie basierten seine initiativen weitgehend auf historischen vorbildern. projekte wie die esposizione universale di roma oder das foro italico sind bestimmt die augenfälligsten monumente jener zeit. mussolini war aber auch verantwortlich für die freilegung vieler heute berühmter römischer ruinen aus verschüttung und verfall, für die der circus maximus und das mausoleum des augustus wohl die besten beispiele sind. zusätzlich beaufsichtigte mussolini den bau ausgedehnter transportnetzwerke innerhalb der stadt und bauprogramme, in deren verlauf tausende von wohnstätten und andere unglücklich gelegene gebäude zerstört wurden. insofern trägt das heutige rom den unverwechselbaren fingerabdruck benito mussolinis.

für hitler und mussolini war der traum, dem altertum ebenbürtige städte zu erschaffen, eng mit einer erhofften assoziation verbunden: wenn sie dem alten rom ähnliche städtische umgebungen schüfen, würde auch ihre macht denen der römischen imperatoren gleich kommen. dennoch ging es den faschisten in ihrer stadtplanung nicht allein darum, ihren platz in der geschichte zu sichern, sondern auch darum, ihre macht zu zementieren. in südtirol zum beispiel initiierte mussolini projekte, die allein die ausmerzung jeglicher spuren „germanischer“ tradition in der region zum ziel hatten. kulturelle säuberung durch architektur, sozusagen. wohl die bekanntesten beispiele hierfür sind das monumento alla vittoria und die piazza della vittoria in bolzano. während die landgewinnungsprojekte in den pontinischen sümpfen südlich von rom genauso der schwächung politischer gegner, wie der schaffung moderner sozialwohnungen galten. natürlich hatten europas faschisten kein monopol auf den einsatz von architektur und stadtplanung zur status- und machtbestätigung, josef stalins bau- und planungsprogramme waren in jeder weise genauso opulent, gründlich … und repressiv.

jedenfalls lud am 7. märz 2013 die werkbund galerie zu einem abend über “diktatorische architektur” unter dem gesichtspunkt, was, warum und wie wir davon lernen können, ein. neben präsentationen über mussolinis italien von daniela spiegel und über stalins sowjetunion von thomas flierl bot der abend auch beiträge über francos spanien von max welch guerra und salazars portugal von christian von oppen. prof. harald bodenschatz eröffnete den abend “städtebau und diktatur anderswo: italien, sowjetunion, spanien, portugal” mit einem allgemeinen überblick über “stadtplanung und diktatoren“.



„da! architektur in und aus berlin” im stilwerk

Montag, 18. März 2013

noch bis zum 23. märz 2013 zeigt die architektenkammer berlin die ausstellung “da! architektur in und aus berlin” im stilwerk berlin. mit 64 zwischen sommer 2011 und sommer 2012 abgeschlossenen architektur-, stadtplanungs- und innenausstattungsprojekten präsentiert “da! architektur in und aus berlin” eine umfassende erkundung der zeitgenössischen berliner architektur- und stadtplanungsszene. dies wurde möglich, weil die gezeigten projekte nicht von einem ehemaligen-klüngel ausgesucht wurden. vielmehr wurden die 64 ausgestellten aus 140 eingesandten projekten von einer unabhängigen spezialisten-jury ausgewählt, der unter anderem vera schmitz, präsidentin des bundes deutscher innenarchitekten, hartmut strube, präsident der architektenkammer thüringen, und dr. annemarie jaeggi, direktorin des bauhaus-archivs berlin, angehörten.

ob die präsentation der projekte auf einer reihe von staffeleien im erdgeschoss des stilwerks das beste ausstellungskonzept darstellt, ist zugegebenmaßen fraglich. zweifellos hingegen ist die bedeutung der präsentation an solch einem öffentlichen ort, und die tatsache, dass damit auf geschickte weise die aktuelle lebendigkeit und kreativität berliner architektur- und stadtplanungsbüros demonstriert wird. keine schlechte leistung angesichts der jüngsten negativen schlagzeilen zum thema architektur in berlin im zusammenhang mit BER und den eher verspäteten versuchen, die letzten meter der berliner mauer einzureißen. die architektenkammer nutzt die austellung “da! architektur in und aus berlin” im stilwerk auch dafür, die jüngsten ergebnisse ihrer “architektur und schule“-initiative vorzustellen – einer initiative, die architektur und stadtplanung an die schulen bringt, um deren rolle und bedeutung in unserer modernen welt vermitteln zu helfen.

“da! architektur in und aus berlin” ist bis zum 23. märz im stilwerk, kantstraße 17, 10623 berlin zu sehen. öffnungszeiten: mo-sa 8:00 – 22:00 uhr und so 11:00 – 22:00 uhr. der eintritt ist frei. wegen einiger “meinungsverschiedenheiten” hinsichtlich einer formellen erlaubnis, die ausstellung zu fotografieren, gibt es leider keine galerie zu diesem artikel. pardon!



@ daz: druot, lacaton & vassal. tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses

Mittwoch, 27. Februar 2013

am 14. februar eröffnete das deutsche architektur zentrum seine jüngste ausstellung „druot, lacaton & vassal: tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses“. kuratiert wird die ausstellung vom berliner duo ilka & andreas ruby in zusammenarbeit mit der berliner architekturpraxis something fantastic. “druot, lacaton & vassal: tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses” wurde zuerst im deutschen architekturmuseum frankfurt dam gezeigt und erzählt die geschichte eines abrissreifen hochhauses im 17. arrondissement von paris.

wir haben das gebäude nie gesehen, aber allen berichten zufolge war der tour bois le prêtre in einem erbärmlichen zustand, seine tage waren gezählt. und wäre es ein hund gewesen, hätte sein besitzer nicht lange gezögert, ihn einschläfern zu lassen. die eigentümer des gebäudes hatten sich zum abriss entschlossen … und zum neubau am selben ort, denn trotz seines traurigen zustandes war der tour bois le prêtre komplett vermietet. da kamen die architekten frédéric druot, anne lacaton und jean-philippe vassal, und mit ihnen der plan, die marode struktur zu renovieren und aufzurüsten. in etwas weniger als zwei jahren und mit der hilfe einer stahlgerüsthülle von episch anmutenden drei metern tiefe wurden alle 97 wohnungen nicht nur renoviert, sondern um wintergärten und balkone erweitert. isolierung und eine neue fassade haben zur senkung der heizkosten um angeblich 60% geführt. folglich ist der tour bois le prêtre das europäische paradebeispiel für renovierung “älterer“ hochhäuser in innenstadtblöcken – als alternative zum abriss.

unter den für den beim tour bois le prêtre verfolgten ansatz sprechenden argumenten ist einerseits, dass kein mieter seine wohnung verlassen musste, wodurch der ärger und die kosten temporärer unterbringung erspart blieben. andererseits war da die reine ökonomie: in einem interview mit dem österreichischen “standard” wird anna lacaton dahingehend zitiert, dass abriss und neubau etwa 150.000 – 180.000 euro pro wohnung gekostet hätten, die renovierungskosten hingegen nur 40.000 – 60.000 pro wohnung betrugen.1. was natürlich recht überzeugende argumente sind. und zudem argumente, die sicherlich auch an anderen orten als paris geltend gemacht werden können, wie beispielsweise in, sagen wir… berlin.

ehrlich gesagt hatten wir vorab keine ahnung, wie die ausstellung organisiert ist und was die besucher erwartet, weil leider weder das daz noch das dam irgendwelche informationen dazu veröffentlicht hatten. aber wir gehen von fotos, zeichnungen, modellen und kurzen texten aus. was wir hingegen schon im voraus wussten, ist, dass neben den kuratoren ilka & andreas ruby auch die projektarchitektin anne lacaton an der eröffnung am 14. februar mit einer kurzen einleitung zum projekt in englischer sprache teilnehmen würde. druot, lacaton & vassal: tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses findet im deutschen architektur zentrum daz, in der köpenicker straße 48/49 aufgang a, in mitte statt. und zwar vom 15. februar bis zum 31. märz 2013. jeder ist willkommen und der eintritt ist frei. na dann!

1. http://www.dam-online.de/download/1076/121020_ein_balkon_fuer_madame.pdf.aspx (06.02.2013)

Deutsches Architektur Zentrum DAZ Berlin. Druot, Lacaton & Vassal Tour Bois le Prêtre Transformation eines Wohnhochhauses

deutsches architektur zentrum daz zeigt “druot, lacaton & vassal: tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses”



ina weber: hier

Sonntag, 27. Januar 2013

ina weber sammelt öffentliche gebäude und verkleinert diese zu architekturplastiken. die bildhauerin greift bauwerke aus dem urbanen raum auf, die für aufbruch, mobilität und modernität stehen: industriearchitektur nach 1890, bauhausarchitektur der 20er Jahre, objekte der 60er jahre in ost und west, plattenbauten, tankstellen, schwimmbäder, casinos, aber auch haltestellen oder fußgängerzonen mit 70er-jahre-mobiliar. ihre arbeiten erscheinen wie modelle und sind doch auf die eigene körpergröße reduzierte plastiken, die nach eigenen photographien entstehen. echt interessant und abgefahren! weitere infos zur ausstellung findet ihr hier.

ina weber: hier. architekturen, erinnerungen, utopien

18. januar bis 1. april 2013, di bis so 11 bis 18 uhr

@ haus am waldsee. internationale gegenwartskunst in berlin

argentinische allee 30 in 14163 Berlin

tel. 8018935

mail info@hausamwaldsee.de

www.hausamwaldsee.de



rückblick: designtage brandenburg 2012-konferenz

Dienstag, 22. Januar 2013

am freitag, den 23. november, begannen die ersten designtage brandenburg mit einer eintägigen konferenz im potsdamer t-werk. das geschehen begann formell mit einer grundsatzrede des gründers und chefs von red dot, peter zec, über den “wert des designs”, eine rede, die wir aus verschiedenen gründen übergehen werden. nichts gegen peter zec oder red dot, aber wir sind einfach keine anhänger von eröffnungsrednern mit großem namen, die über themen reden, die keine besondere relevanz für die eigentliche sache haben. zugegeben, so etwas sieht in den marketing-klappentexten gut aus. ja, es kann sogar interessant sein. aber nein, es hilft der konferenz nicht dabei, ihre angegebenen ziele zu erreichen.

modedesigner marcel lunkwitz @ designtage brandenburg 2012-konferenz

für uns folgte der zentrale und interessanteste teil der konferenz gleich auf die rede von peter zec: fünf präsentationen fünf praktizierender brandenburger designstudios, fünf präsentationen fünf sehr verschiedener brandenburger designstudios, die unterschiedliche aspekte von kreativität in brandenburg beleuchteten – jedoch die gleichen positiven argumente wiederholten: brandenburg bietet platz, eine menge hochqualifizierter partner für kooperationen und für alle aktiven eine andere lebensqualität als berlin. der meinung aller fünf präsentatoren zufolge, eine bessere lebensqualität.

was uns sehr an das erinnerte, was dmy berlins joerg suermann uns einmal über die fehlende honorierung von design in berlin erzählte und daran, wie in berlin der erfolg als designer irgendwie als die antithese zur existenzberechtigung eines designers verstanden wird (vorausgesetzt, dass es eine antithese zu einer existenzberechtigung geben kann…). nicht dass wir uns deshalb an joergs kommentare erinnerten, weil etwa design in brandenburg besser honoriert würde, sondern eher in dem sinne, dass brandenburg einen lebensstil jenseits der design-klischees bietet. oder anders gesagt: man arbeitet in brandenburg nicht als designer, um alle 24 stunden an einer vernissage mit anschließender party teilzunehmen. in brandenburg haben andere dinge vorrang.

am nachmittag wurde die konferenz in zwei gruppendiskussionen aufgeteilt – eine untersuchte das thema kooperative produktionen, die zweite beschäftigte sich mit der organisation von designprozessen. obschon wir uns auch hätten aufteilen können, machen wir das nicht gerne – amöben können sich teilen und wer will schon mit einer amöbe verglichen werden?  also verbrachten wir eine weile bei jeder der zwei gruppen, um anschließend die auf dem markt angebotenen waren zu begutachten.

die “ergebnisse” der diskussion “designprozess” während der designtage brandenburg 2012-konferenz

wie wir schon in einem anderen post sagten, war ein zentrales ziel der designtage brandenburg, design in brandenburg sichtbarer und zugänglicher zu machen. unserer ansicht nach hat die konferenz dies weder geschafft noch hätte sie es schaffen können – was sie aber geschafft hat, war, die aufmerksamkeit auf die pros und contras zu richten, und in weiterführung dessen auf jene aspekte, bei denen brandenburg helfen kann, seine designszenen und designindustrie besser herauszustellen. das wird nicht leicht werden…

zum einen ist der schatten berlins groß. und dann sind da noch die in schlagwörtern wie „studio babelsberg“, „wunderkind-villa“ oder „dieter moor“ manifestierten vorurteile. das ergebnis ist die anonymität der kleinen grass-root-praktiker, zumindest außerhalb der lokalen, derzeit sehr kleinen industrie. hinzu kommen handfeste strukturelle defizite. potsdam bietet zur zeit weder co-working-spaces noch einen funktionierenden markt für shared offices/ateliers, vom übrigen brandenburg ganz zu schweigen. wo also sollten sich existenzgründungswillige talente niederlassen? ein zug pro stunde von potsdam zum flughafen berlin-brandenburg international ist kaum die art von anbindung, die viele internationale designer zu überzeugen vermag, berlin mit seiner s-bahn-verbindung im 10-minuten-takt aufzugeben. im ganzen ist der öffentliche verkehr außerhalb potsdams ein witz, infolgedessen könnten städte wie werder, teltow oder michendorf, die theoretisch für junge designer eine günstige alternative zu potsdam sein könnten, genauso gut südlich der wüste gobi liegen.

und wir wollen auch gar nicht erst von der wahl der möbel des rbb für die radioeins-lounge auf dem markt der designtage anfangen… ein ensemble, das zeigte, dass selbst öffentlich finanzierte institutionen in brandenburg, die der lokalen szene eigentlich hilfestellung bieten sollten, selbst nicht den grips haben, produkte von brandenburger möbeldesignern zu verweden und stattdessen „von klassikern insipirierte“ teile eines schwedischen monolithen bevorzugten. billiger lifestyle-schrott siegt eben über qualitatives möbeldesign. als logische folge ziehen nur sehr wenige berliner designer nach brandenburg um. obwohl es theoretisch viele könnten. und sogar sollten.

die “ergebnisse” der diskussion “kooperative produktion” während der designtage brandenburg 2012-konferenz

die berliner designszene verändert sich, entwickelt sich, wird reifer und professioneller, kriegt kinder und braucht platz, um familien- und arbeitsleben zu vereinen. und wenn es brandenburg gelingt, diejenigen anzusprechen, die nach mehr als “arm, aber sexy” oder “verkatert, aber hip” suchen, hat es sehr gute chancen, um erfolgreiche innovative designstudios herum eine solide basis aufzubauen. und dann ist da noch die in der tat exzellente talentschmiede der fh potsdam. brandenburg muss die potsdamer abgänger der fachhochschule im land halten, wenn es “design-relevanter” werden will. derzeit gehen die meisten von der fh potsdam nach berlin. und bleiben da.

brandenburg wird nie eine designszene haben, die der berliner gewachsen ist. aber es verdient eine, die seinem potential entspricht. und so hoffen wir, dass die designtage brandenburg eine jährliche veranstaltung werden, weil wir glauben, dass man mithilfe solcher plattformen langfristig die bedingungen vor ort verbessern und damit brandenburg zu einem reizvolleren standort für designer machen kann, die ernst genommen werden wollen. insbesondere, wenn sie zukünftig gastredner einladen, die dazu beitragen, die tatsächlichen themen in brandenbrug anzugehen, anstatt eloquent die globale designindustrie im allgemeinen zu beschreiben.

und wenn, entsprechend dem aufruf aus unserem letzten post, die brandenburger designer die gelegenheit nutzten, sich in einer praktiker-geführten körperschaft à la create berlin zu organisieren, die ihnen den aufbau nachhaltiger netzwerke ermöglicht … dann wäre der weg zum erfolg noch kürzer. wir behalten die entwicklungen im auge und euch auf dem laufenden.

designtage brandenburg 2012-konferenz: diskussion “kooperative produktion” mit nils holger moormann

die radioeins-lounge: verachtung für brandenburger design



5. sounddesignforum

Sonntag, 21. Oktober 2012

mitte der woche fand das fünfte sounddesignforum berlin statt. dabei ging es um die harmonische gestaltung akustischer lebenswelten, vor allem in der stadt. mitwirkende stellten integrierte klangkonzepte, innovative module und lösungen sowie positive praxisbeispiele vor. wir sind gespannt auf den output der veranstaltung! diese wird es in kürze auf www.sounddesignforum.de geben.