Archiv für die Kategorie ‘produktdesign’


berliner designpioniere: peter behrens

Dienstag, 30. April 2013

es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass 99% der berlinbesucher mit einer erinnerung an die arbeiten von peter behrens, einem der ersten und bedeutendsten industriedesigner, nach hause zurückfahren. und es ist ebenso wahr, das 99,9% davon in glückseliger unwissenheit eben dieses umstandes leben. und das passt irgendwie zu dem mann, der sowohl dazu beitrug die hinwendung zum modernismus zu definieren sowie die karrieren vieler der bekanntesten vertreter desselben modernismus ins rollen zu bringen, selbst aber weitgehend unbekannt geblieben ist…

1868 in hamburg geboren, studierte peter behrens zunächst malerei, ehe liebäugeleien mit dem jugendstil ihn zum glas- und keramikdesign sowie verwandten handwerken brachten. 1899 trat peter behrens der darmstädter künstlerkolonie bei, ein schritt, der ihn dazu ermunterte, sein erstes architektonisches projekt in angriff zu nehmen und sich generell weiter von “reiner” zu angewandter kunst hin zu bewegen. 1904 verließ er darmstadt, um einer ernennung zum direktor der kunstgewerbeschule düsseldorf zu folgen, ehe er 1907 in berlin sein eigenes archtitekturbüro gründete. eigentlich war es in neubabelsberg, aber wir wollen, wenn ihr nicht darauf besteht, keine haarspalterei betreiben.

die aeg-turbinenhalle in berlin von peter behrens

ebenfalls im jahre 1907 nahm er die einladung an, als “künstlerischer berater” für den deutschen elektrikwarenhersteller aeg tätig zu werden: eine stelle, die peter behrens nicht nur als einen der ersten industrie- bzw. corporate-designer etablierte, sondern auch den beginn seiner einflussnahme auf die architektur berlins markiert. im sinne eines vorzeitlichen dieter rams war peter behrens bei der aeg für die entwicklung und kontrolle aller aspekte der firmenmarke verantwortlich: von aschenbechern und uhren über logos und werbebroschüren bis hin zu gebäuden – bauten, die heute noch als wunderbare zeugen der menschheit und ihrer ideen in berlin stehen.

angefangen mit der majestätischen turbinenhalle in moabit aus dem jahre 1909, vollendete peter behrens im folgenden jahrzehnt, neben fabrikgebäuden und fertigungshallen, wohnsiedlungen für aeg-arbeiter, zum beispiel in oberschöneweide oder lichtenberg. zwei sehr gut zugängliche beispiele von peter behrens’ zusammenarbeit mit der aeg kann man entlang der linie u8 entdecken. von der aeg 1907 als “gn-linie” geplant, die gesundbrunnen mit neukölln verbinden sollte, wurde die planung und verwirklichung der heute als u8 bekannten u-bahnlinie weitgehend von alfred grenader geleitet, allerdings sind die stationen bernauer straße und moritzplatz werke von peter behrens. sehr typische beispiele übrigens. die arbeiten peter behrens’, eines bekennenden und bekannten bewunderers schinkels, schreien nach der vergangenheit. aber sie schreien im schlichten verständnis des jugendstils. klar, es finden sich säulen und bögen in seinen bauten. aber diese sind – im gegensatz zu den übermütigen dekorationen von ehedem –  nüchterne technische strukturen. insofern bildet peter behrens’ schaffen unbestreitbar eine brücke zwischen neoklassizismus und modernismus. eine brücke, die peter behrens 1930 in voller länge mit seinen monumentalen bauten alexanderhaus und berolinahaus am alexanderpaltz überschritt – zwei der besten beispiele für den späten europäischen modernismus in berlin. und leider auch zwei der am zuverlässigsten übersehenen meisterwerke in der stadt.

alexanderhaus von peter behrens am alexanderplatz

peter behrens’ einfluss auf die entwicklung von design und architektur geht dabei über die von ihm verwirklichten gebäude hinaus. um zum vergleich mit dieter rams zurückzukehren: auch peter behrens hatte bedeutenden einfluss auf folgende generationen von designern und architekten. kurz vor seiner offiziellen anstellung bei der aeg veröffentlichte peter behrens ein essay mit dem titel “kunst und technik”, in dem er zugunsten einer engeren zusammenarbeit der künste mit der industrie argumentierte. es war eine der ersten schriften mit diesem tenor und ein text, in dem zum beispiel viele der grundgedanken des bauhauses zu finden sind. zusätzlich entströmte eine konstante anzahl vielversprechender junger architekten den türen peter behrens’ studios in babelsberg: vielversprechende junge architekten die von einem mann zu lernen hofften, dessen arbeiten sie respektierten und bewunderten. darunter sind le corbusier, mies van der rohe und walter gropius nur drei der klangvollen namen derer, die in den jahren vor dem ersten weltkrieg mit und für peter behrens arbeiteten.

obwohl peter behrens zugegebenermaßen zu anderen städten und regionen engere beziehungen hatte als zu berlin, war die zeit, die er in berlin verbrachte nicht nur für seine eigene karriere entscheidend, sondern vor allem für den erfolg des europäischen modernismus, des bauhauses und dessen, was wir heute unter industriedesign verstehen. und damit gehört peter behrens in das pantheon der berliner designpioniere. wir werden in den nächsten monaten das werk und das erbe peter behrens‘ eingehender betrachten. aber für heute erstmal ein paar fotos einiger seiner berliner arbeiten.

und wo bleibt das eingangs erwähnte allgegenwärtige behrens-andenken? nun, der schriftzug „dem deutschen volke“ am reichstagsgebäude ist in einer speziell für dieses bauprojekt von peter behrens und anne simmons entwickelten schrifttype eingraviert. und welcher tourist macht kein foto vom reichstag?



mit der trendmafia in den frühling

Dienstag, 30. April 2013

am kommenden wochen ende ist der beliebte designermarkt trendmafia wieder für uns da: in der »dear factory«, einem ehemaligen supermarkt in neukölln, haben ca. 60 berliner kreative erneut die chance, ihre handgemachten ideen und produkte vorzustellen und an den mann und die frau zu bringen. man könnte ja mal seine frühjahrsgarderobe überdenken… ein besuch lohnt sich allemal! am 4. und 5. mai 2013, jeweils ab 13 uhr. weitere infos gibt es hier.

http://www.trendmafia.de



new order von böttcher+henssler: “best of the best” red dot-designpreis 2013

Montag, 29. April 2013

wir bemerkten in unserem post zum designpreis der bundesrepublik deutschland 2012: “wir würden normalerweise einer solchen veranstaltung nicht mehr als eine kurze fußnote widmen, nichts gegen preise generell, aber es gibt so viele designpreise und die mehrzahl von ihnen ist … nun, eher profitorientiert aus organisatorensicht als wirklich irgendwie hilfreich für den fortschritt von design.” empfindungen, zu denen wir stehen.”

dennoch fühlen wir uns mehr als nur ein bisschen verpflichtet, zu berichten, dass das berliner designstudio böttcher+henssler für new order (das für den trenntmöbel gesucht!-wettbewerb 2011 der bsr entwickelte und seit dezember 1012 im handel erhältliche haushaltsmüllsystem) einen „best of the best“ bei der red dot-preisverleihung 2013 erhalten hat. „verpflichtet” nicht im sinne von “wir müssen, leider, keine andere wahl…”, sondern wie in “…wenn es ein produkt gibt, das die rolle des heutigen produktdesigns verkörpert und die entsprechende anerkennung verdient … und wir sind hocherfreut, dass es diese bekommen hat, und wollen es der ganzen welt erzählen…“.

red dot-gründer und -vorstand peter zec war vor kurzem gastredner auf der designtage brandenburg-konferenz. unter den interessanteren punkten seiner rede war ein vergleich zwischen “designgeführten” und “profitgeführten“ marken. auch wenn die wahl seiner beispiele reichlich diskussionswürdig war, blieb es unbestritten, dass firmen, deren produktentwicklung von design bestimmt ist, höherwertige produkte herstellen: nicht nur von höherem finanziellen wert, sondern auch höherwertig beispielsweise hinsichtlich verbrauchererfahrung, produktlebensdauer oder hinsichtlich des langfristigen beitrages zum betreffenden industriesektor durch diese produkte. bei new order von böttcher+henssler besteht der höhere wert nicht allein in der tatsache, dass es mit ansprechender optik und vertrauter formaler sprache die teutonischste aller haushaltsaufgaben in etwas begehrenswertes verwandelt. durch seine kombinierte gebrauchsmöglichkeit als einkaufstasche und müllbehälter personifiziert new order letztlich den konsumzyklus und hilft uns so, etwas zu verstehen und, hoffentlich, unser verhalten anzupassen. all diese aspekte wurden von der internationalen red dot-jury bei der entscheidung, new order mit dem “best of the best”-preis auszuzeichnen, berücksichtigt.

also herzlichen glückwunsch unsererseits an moritz böttcher und sören henssler! nicht zu vergessen clémentine caurier, die ebenfalls zur ursprünglichen produktentwicklung beigetragen hat. und für alle, die ein preisgekröntes mehrzweckhaushaltsmülltrennsystem suchen: weitere details und bestellinformationen gibt es unter www.bsr.de/trenntset.php

new order von böttcher+henssler

new order von böttcher+henssler



innovatives schweden @ felleshus berlin

Freitag, 26. April 2013

berlin ist die kreative hauptstadt europas, wenn nicht gar der welt. nicht allein im design, sondern auch hinsichtlich innovation und technologie. und natürlich ist es auch ein brutkasten für start-ups. jeder weiß das. weil es jeder irgendwo liest. folglich mag es überraschend sein, zu erfahren, dass innovative kreativität auch in anderen ländern und städten zu finden ist. nein, jetzt mal echt. bis zum 3. mai 2013 präsentiert das fellushus berlin eine jungen, innovativen schwedischen start-ups gewidmete ausstellung. innovatives schweden, kuratiert vom schwedischen institut, präsentiert 20 projekte – von berührungsloser interface-technology über brennstoff-ladegräte bis hin zu tragbaren wegwerftoiletten.

aber weit mehr als eine einfache vorstellung der projekte ist “innovatives schweden” als wanderausstellung auch eine einladung an lokale kreative, ideen und erfahrungen mit ihren schwedischen kollegen auszutauschen. also hat das schwedische institut zusätzlich zur ausstellung ein programm an diskussionen und symposien organisiert, um mögliche deutsch-schwedische kooperationen zu erforschen. all das begann am 12. märz mit einer eintätgigen konferenz unter dem titel “innovation und unternehmertum: die ansätze in schweden und deutschland”. in den kommenden wochen werden ähnliche veranstaltungen zu kunst, energie und gesundheit stattfinden.

auf unserem spaziergang durch das felleshus erinnerten wir uns beim betrachten der projekte an die ausstellung “industriedesign made in berlin” aus dem jahr 2011, eine wanderausstellung des berliner senats und der ihk zur promotion berliner designs. damals schrieben wir: “…aber wenn die vorstellung des berliner senats davon, berlins ruf als designstadt zu stärken, darin besteht, die welt mit einem preisgekrönten bürostuhl zu bereisen, der schon seit 2009 auf dem markt ist”, dann wird es uns, wenn ihr gestattet, nicht den atem verschlagen“. “innovatives schweden” hingegen liefert ein wunderbares beispiel, was mit ein bisschen vorstellungskraft erreicht werden kann. oder mit ein bisschen kreativität, könnte man auch sagen, aber das klänge läppisch.

“innovatives schweden” läuft im felleshus, nordische botschaften, rauchstrasse 1 in 10787 berlin, noch bis zum 3. mai 2013. die projekte werden auf deutsch und englisch vorgestellt. weitere details und das veranstaltungsprogramm findet ihr unter: http://www.nordischebotschaften.org



design souvenir preis 2013: deine idee für berlin!

Mittwoch, 24. April 2013

im vergangenen jahr organisierte die kroatische designergesellschaft eine ausstellungstour mit dem titel “croatian holidays 2012”. mit arbeiten von zwei dutzend jungen kroatischen designern war/ist “croatian holiday 2012” eine sammlung zeitgenössischer interpretationen touristischer andenken, eine untersuchung des souvernirs als etwas jenseits traditioneller klischees und vorurteile. vor allem aber stellt croatian holiday nicht nur eine erkundung dar, wie kroatisches design und der kroatische tourismus sich gegenseitig stimulieren, sondern wie sie auch global für eine moderne, realistische kroatische identität werben können. “croatian holiday 2012″ wurde in mailand, wien, paris, sofia etc. gezeigt…

jetzt müssen wir sehr vorsichtig sein. sehr, sehr vorsichtig. berlins stadtmarketing-agentur berlin partner gmbh hat einen design-wettbewerb für objekte ausgerufen, die als souvenir verkauft werden können. die hoffnung dabei ist, dass man durch einen designergeführten “relaunch” des souvenirmarktes, durch erweiterung von touristenandenken jenseits traditioneller stereotypen und klischees, besuchern “einzigartige erinnerungsstücke” an die stadt  anbieten kann und somit ein neues realistisches, modernes globales berlinbild fördert. der windzug, den ihr gerade verspürt, rührt von unserem ungläubigen kopfschütteln.

am ende ihres einführungsstatements sagen die organisatoren eine zukunft voraus, in der “…berliner bären, fernsehtürme und ampelmännchen die gesellschaft aufregender neuer kreationen von mitgliedern der berliner kreativszene bekommen”. matt von llot llov. miss monnipenni von adam + harborth. hammer von jung porzellan. spar von ulrich merz. beton lampe von komat. mr moustache mobile von jäll und tofta. lemontile von dörte ahlgrimm. ad infinitum. ad abundantiam. ad lucem… in berlin kann man sich vor lauter authentischer, origineller beispiele der vitalität der kreativszenen der stadt kaum bewegen. “einzigartige erinnerungsstücke” für jeden geschmack und jedes portemonnaie. der pariser galerist serge bensimon kam nach berlin und brachte die ausstellung berlin 2.0 im gepäck mit nach hause. viele berliner produktdesigner haben zur eigenproduktion zumindest kleinerer artikel gewechselt oder sie sind dabei, es zu tun. modefirmen sind seit langer zeit ansässig. nicht zu vergessen die vielen originellen und anspruchsvollen fotografen, grafikdesigner und verleger überall in den bezirken. und hat da jemand gerade „schmuck“ gesagt?

wenn es denn nur in berlin eine art von einrichtung für ökonomische entwicklung und standortmarketing gäbe, die sich interessante und kreative wege ausdenken würde, wie man es den berlinbesuchern schmackhaft machen könnte, die kreativszenen der stadt zu erkunden, praktizierende designer kennen zu lernen, wie man die vielfalt und eigenart jenseits der reizlosen touristenfallen fördert – oder einfach nur shops an wichtigen ecken der stadt einrichten würde, die sachen „made in berlin by berlin designers“ verkaufen… zugegeben, die sachen in solchen läden würde vielleicht kein niedliches „sei berlin“-logo auf der verpackung haben. aber sie würden der kreativen gemeinschaft bedeutend mehr nützen als noch ein designwettbewerb.

croatian holiday 2012, hier bei der vienna design week 2012.

“croatian holiday 2012″ gelang als projekt, weil es nicht die realisierung kommerzieller produkte zum ziel hatte, sondern vielmehr das verhältnis zwischen der landesidentität im verständnis seiner bewohner und jener im verständnis seiner besucher erforschen wollte. das eine oder andere kommerzielle produkt wird hoffentlich aus dem projekt resultieren – aber wird es nicht in irgendwelche touristenläden schaffen. weil touristen designobjekte gleichgültig sind. touristen wollen berliner bären, ampelmännchen-t-shirts, fernsehtürme und mauerstücke. jüngere touristen wollen drei tage lang im berghain tanzen und dann hoffen sie, eine club-mate-flasche am zoll in schönefeld vorbei nach hause schmuggeln zu können. touristen wollen stereotypen. seit die ersten viktorianischen engländer aufbrachen, um die erhabenheit der schweizer alpen zu bewundern, war ein teil der gesamten daseinsberechtigung des tourismus, einem vorgegebenen archetypus zu entsprechen. touristen müssen souvenirs nach hause mitbringen, die andere als bestätigung des erlebten anerkennen. und der hässliche rechtsstreit über die rechte am ampelmännchen belegt die profitabilität der touristischen stereotypen. man kann nicht, nur weil man ein paar objekte von einem designer hat, den souvernirmarkt relaunchen.

was man hingegen tun kann ist, sicher zu stellen, dass diejenigen besucher, die an der aktuellen kultur der stadt interessiert sind, über die faden “insider-tipps” in ihren reiseführern hinausgelangen und jene orte, designer, produzenten – und produkte – finden, die sie interessieren und inspirieren. nicht zuletzt weil man dann nicht nur das potenzial hat, langfristige stammkunden-beziehungen zu schaffen, sondern auch werbung durch mundpropaganda. und das erreicht man nicht durch einen designwettbewerb. und bestimmt nicht durch einen designwettbewerb, der in keinen größeren, zusammenhängenden plan eingebunden ist. allein schon der umstand, dass es keine feste zusage gibt, die gewinnerdesigns in produktion zu bringen, zeigt die täuschung im manöver. denn wenn die gewinnerdesigns nicht produziert werden, nicht zum verkauf angeboten und nicht gekauft werden – dann ist das ganze projekt ein schuss in den ofen. da sein bekundetes ziel ist, besuchern designobjekte anzubieten.

und angesichts der expertenkompetenz, die berlin partner um sich versammelt hat, um den wettbewerb zu unterstützen, fragt man sich wirklich, wieso es der gmbh eigentlich am mut gebricht, den gewinnern produktion und vertrieb zu garantieren – und anschließend alle im ärmel befindlichen ässe auszuspielen, den produkten zum erfolg zu verhelfen. wie es die toten hosen zweifellos formulieren würden, nur zur klärung und damit wir uns richtig verstehen: wir wissen, dass die berlin partner eine menge gute sachen macht. und wir stellen keinesfalls die organisation als solche in frage. lediglich die entscheidnug, einen designwettbewerb zu veranstalten, der, soweit wir sehen können, keinerlei funktion hat, und bei dem die möglichen langfristigen vorteile der finanziellen und materiellen investitionen bestenfalls unklar sind.

der “trenntmöbel gesucht!”-wettbewerb von 2011 beispielsweise war in zwei wesentlichen punkten anders. erstens wurden die teilnehmenden designstudios für die entwicklung ihrer projekte bezahlt, zumindest in der zweiten phase. bei „deine idee für berlin“ arbeiten die kreativen bei der ideenentwicklung auf eigene kosten in der hoffnung, unter die drei glücklichen bargeldpreisträger zu kommen. oder dass zumindest jemand die objekte in der austellung sieht und in produktion bringt. und zweitens ging es bei “trenntmöbel gesucht!” genau so sehr um die förderung der privaten mülltrennung wie um die suche nach einem produkt. der wettbewerb diente als vehikel, ein ansonsten banales thema interessant zu machen. dass ein hübsches und kommerziell sinnvolles produkt wie new order dabei herauskam, ist fantastisch, war aber keine voraussetzung für den gesamterfolg der initiative.

bei “deine idee für berlin” erwarten wir viel trara um die für september geplante ausstellung und wir stellen uns auf fotos der „verrückteren“ projekte in unzähligen blogs ein. „typisch berlin!” werden die blogger kommentieren, oder “immer provokativ und unkonventionell. gibt es eine kreativere stadt in europa?”… und das wird dann als beleg für den erfolg des wettbewerbs präsentiert werden. aber wie gesagt, ist das bekundete ziel, produkte wirklich an die touristen zu bringen. und dafür muss man erst einmal etwas herstellen. und dann vertreiben. und vermarkten. wenn man hingegen einfach flächendeckende pr für die berliner designszene machen will, ist ein souvenir-design-wettbewerb nicht der beste ansatz.

die ehemalige dmy galerie im stilwerk berlin. ein hervorragendes beispiel dafür, wie schwer es ein kann, berliner designobjekte zu verkaufen.

jüngste zahlen zeigen, dass berlin im jahr 2012 etwa 11 millionen besucher hatte. es wäre natürlich fantastisch, wenn selbst nur ein paar prozent davon ihr geld für berliner design ausgeben und damit nicht nur lokale designer unterstützen, sondern auch die botschaft von berlins kreativpotenzial verbreiten würden. es gibt mehr als genug punkte, an denen eine kampagne anknüpfen könnte. reiseveranstalter könnten dazu ermutigt werden, ihren besuchern die lange nacht der designstudios zu zeigen, museen dazu, ausstattungen und inventar von berliner designern zu verwenden, hotels dazu, informationen zu ateliers und werkstätten in ihrer nähe anzubieten und die durch das internet eröffneten möglichkeiten des guerilla-marketings sind fast zu viele, um sie aufzuzählen…

man könnte auch in die offensive gehen. 1995 gründete z.b. die wiener handelskammer das unternehmen „wien products“, das jedes jahr mit ausgewählten wiener herstellern zusammenarbeitet, um eine serie von produkten von in der stadt ansässigen designern herzustellen. die gesamte serie wird anschließend von der wiener tourismusbehörde tatkräftig beworben und ist überall erhältlich, wo man touristen treffen kann. jawohl, mehr als nur ein hauch von exklusivität umgibt die produzenten, und nein, die sachen haben keine preise, die sich jedermann leisten kann – aber die designer sehen, dass ihre produkte verwirklicht werden, die hersteller werden unterstützt und wiens kreativität erhält eine sichtbare kommerzielle bühne. letzlich kann die förderung von kreativität durch tourismus immer nur teil einer größeren strategie sein, ist aber definitiv ein erforschungswerter zweig. um erfolg zu haben, müssen die angestoßenen projekte allerdings innovativ sein, also kreativ. sei berlin. sozusagen.

näheres zu “deine idee für berlin” gibt’s unter: www.be.berlin.de/designcompetition

berlin design souvenir preis 2013: deine idee für berlin



ausflug: stockholm furniture fair mit hopf, nordin

Freitag, 01. März 2013

wir haben es dieses jahr leider nicht auf die jährliche möbelmesse und designwoche in stockholm geschafft. “leider” nicht nur im sinne von “weil ein paar tage stockholm im februar ein perfekter kurzurlaub sind…“, sondern vielmehr weil das stockholmer event zu den besseren im internationalen designzirkus gehört. obschon die stockholmer messe immer noch weitgehend ein schaufenster für skandinavische hersteller ist, entdecken immer mehr nicht-skandinavier die messe als ernstzunehmende alternative zu den sponsorenbestimmten massenmarktaufläufen in mailand, köln oder london. die quantität der ausgestellten projekte ist mit der an anderen orten nicht vergleichbar, die qualität hingegen auf jeden fall. und das beste dabei ist, dass man die zeit hat, das gezeigte zu genießen und aufzunehmen. insofern ist es eine veranstaltung, die jederzeit einen besuch wert ist. was wir, wie gesagt, dieses jahr nicht geschafft haben.

zufällig war das berliner/stockholmer designstudio hopf, nordin auf der messe und hat sich freundlicherweise bereit erklärt, uns mit ein paar eindrücken zu versorgen. bei ihrem zweiten auftritt in stockholm stellten hopf, nordin ihre astrahedra-lampen als teil des sogenannten “greenhouse” aus, dem jüngeren designstudios und universitäten gewidmeten bereich der stockholm furniture fair. auf der position stellarer objekte basierend, verkörpern die astrahedra-lampen die, zwischen sternen existierende, dunkle materie und verwandeln dieses nichts in die basis für licht. und wenngleich, irgendwie naheliegend, je nach ihrem jeweiligen sternvorbild jede lampe einzigartig ist, ist das ergebnis eine familie von lampen, die alle eine unverwechselbare formelle klarheit und einen visuellen glanz gemein haben.

andreas hopf und axel nordin präsentierten aber nicht nur die früchte ihrer eigenen arbeit, sie fanden auch gelegenheit, andere im „greenhouse“ ausgestellte projekte zu begutachten. ein paar beispiele dafür, was ihre aufmerksamkeit erregt hat, sind unten abgebildet. als wir ihre fotos sahen, war das erste, was uns auffiel, dass – ganz abgesehen von dem geld, das wir sparen, wenn wir nicht selbst zu veranstaltungen fahren – wir einmal eine andere als unsere eigene, verbitterte sichtweise auf so ein event präsentieren können, wenn wir jemand anderen die fotos machen lassen. und es gibt einige auf den fotos gezeigte projekte, die wir selbst nicht fotografiert hätten. und natürlich auch einige, die wir auf jeden fall fotografiert hätten, und wo wir es echt bedauern, sie nicht selbst gesehen zu haben. besonders traurig sind wir, „from linear to cyclic“ von der lund university und „spot on“ von den studenten der kunsthögskolen in oslo verpasst zu haben – beides vorzeigeprojekte, die wahrlich faszinierend aussehen und die hoffentlich in nicht allzu ferner zukunft anderswo gezeigt werden. aber seht selbst!

nochmals herzlichen dank an andreas hopf und axel nordin für die großartige laufarbeit!



ausflug: meet/design @ domotex 2013

Mittwoch, 20. Februar 2013

wir haben mitte januar nicht nur berlin 2.0 in der galerie s. bensimon in paris verpasst, wir hatten auch keine gelegenheit, die “ausstellung in einer ausstellung” namens meet/design zu besuchen, die im rahmen der teppich- und bodenbelagsmesse domotex stattfand. einfach weil wir auf der imm in köln waren und leider keine zeit fanden nach hannover zu fahren. und trotz unserer bemühungen niemanden finden konnten, der für uns von der domotex berichten könnte. leider. ehrlich gesagt galt unser hauptinteresse weniger den vorgestellten herstellern  – obgleich ein paar sehr interessante dabei waren  – als vielmehr den organisatoren: tempo berlin, einer firma, die mehr oder weniger und im großen und ganzen von nahezu dem gleichen personal betrieben wird wie die qubique organisiert wird.

wie treue blogleser sich vermutlich erinnern werden können, hatten wir so unsere probleme mit der qubique 2011, sind aber nach wie vor der ansicht, dass es definitiv einen platz für eine messe wie diese gibt. unserer ansicht nach allerdings mit ein paar konzeptionellen änderungen und einer engeren zusammenarbeit mit dem dmy berlin. bekanntermaßen fand die qubique 2012 nie statt und offiziell arbeiten die organisatoren an den plänen für eine qubique 2013. in köln nutzten wir die gelegenheit, mit manchen, die auf der qubique 2011 ausgestellt hatten, und einigen, die nicht ausgestellt hatten, aber deren profil zur qubique passen würde, darüber zu sprechen, was sie über das dachten, was geschehen war und geschehen sollte.

was uns an hannover interessierte, war, inwieweit die saat der qubique 2013 bei der meet/design sichtbar sein würde. zum beispiel waren dort einige der aussteller und hersteller, von denen wir wissen, dass die qubique viel investiert hat, um sie nach berlin zu locken. aber auch das ausstellungskonzept mit verschiedenen „räumen“ klang sehr vielversprechend. und seit dem besuch von „isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” im makk wissen wir, dass so etwas sehr gut funktionieren kann. aber wie gesagt, leider haben wir meet/design nicht zu gesicht bekommen, können also nichts darüber sagen. wir werden allerdings die zukünftigen projekte von tempo berlin im auge behalten, und natürlich auch die entwicklungen im qubique-lager. den raum beobachten, sozusagen.

im folgenden findet ihr eine auswahl an offiziellen pressephotos von der meet/design 2013. alle photos, wie es die urheberrechtsregeln von uns verlangen zu sagen, stammen von christina nath für meet/design, werden hiermit journalistisch genutzt und haben alle die urheberrechtserwähnung und den bezug auf www.meetdesign.de bzw. meet/design.

meet/design @ domotex 2013

meet/design @ domotex 2013

meet/design @ domotex 2013

und damit es auch dem letzten klar ist: diese pressephotos sind nicht von uns aufgenommen worden. „alle photos sind von christina nath für meet/design. bilder für journalistische berichterstattung. urheberrechtserwähnung und bezug auf www.meetdesign.de / meet/design ist für alle verwendeten photos erforderlich.”



paperworld 2013: adam+harborth für e+m holzprodukte

Samstag, 02. Februar 2013

2003 führte das münchner/berliner designstudio adam+harborth ein studienprojekt durch, das die ergonomie von „optical pens“ hinsichtlich der verwendung beweglicher schreibgeräte untersuchte. soweit wir wissen, zeigte das studienprojekt keine konkreten ergebnisse, wahrscheinlich weil es von anfang an nur als studie gedacht war, aber wahrscheinlich auch aufgrund des den kunden umgebenden chaos und dessen späterer erzwungener „reorganisation“. deshalb amüsiert es uns über die maßen zu entdecken, dass jörg adam und dominik harborth pünktlich zur messe paperworld 2013 in frankfurt neue produkte für e+m holzprodukte  – einen der ältesten deutschen hersteller von federhaltern – herausbringen.

wir vertreten seit langem die überzeugung, dass die zukunft analog ist. langsam, aber sicher, beginnt die welt zu erkennen, dass wir recht haben… zugegeben, rein technisch gesehen sind federhalter nicht mehr das rückgrat des portfolios von e+m holzprodukte. aber nach angaben der firma exportierte sie zu beginn des 20. jahrhunderts ihre federhalter in über 10.00 farben und formen in alle ecken der welt, was einfach nach einem absolut phänomenalen geschäftsaufkommen klingt. jedoch war es irgendwie vorhersehbar, dass mit den tagen, da man eine gans fangen musste, um einen brief zu schreiben, auch der einträchtige handel mit federhaltern zu einer erinnerung wurde… eine situation, die zusammen mit im zweiten weltkrieg entstandenen schäden, die firma dazu veranlasste, sich auf andere geschäftsfelder zu konzentrieren. 1983 kam dann neues blut in die firma, und mit ihm die rückkehr zu den schreibinstrumenten. und in den vergangenen 30 jahren entwickelte e+m holzprodukte eine faszinierende sammlung von füllern, kugelschreibern, tunkfederhaltern und allgemeinem bürobedarf. alles “made in germany” und größtenteils, wenn auch nicht ausschließlich, aus heimischem holz gefertigt.

auf der paperworld 2013 wird e+m holzprodukte adam+harborths holzkugelschreiber king und bow vorstellen, sowie king cuio, einen in lederstreifen gehüllten kugelschreiber. die kugelschreiber ergänzen die 2012 von e+m holzprodukte herausgegebene adam+harborth brixxs-kollektion von schreibtischsets, eine produktfamilie, die viele der markenzeichen des ansatzes von adam+harborth für organisation und ablage aufweist. wenn man in solch’ einem zusammenhang von markenzeichen sprechen kann. was man kann, denken wir. vollständige details zu king, bow, king cuio und brixxs findet ihr hier: http://adamharborth.com

king, bow & king cuio von adam+harborth für e+m holzprodukte

brixxs von adam+harborth für e+m holzprodukte



imm cologne 2013: spree trifft rhein

Donnerstag, 31. Januar 2013

wie eh und je konnten berliner designtalente in den hallen der imm köln entdeckt werden. nicht allein in gestalt von herstellern oder von herstellern präsentierten designern. ein paar berliner designer waren darüber hinaus ganz „anonym” mit accessoires auf ständen von herstellern präsent, mit denen sie sonst keinerlei verbindung haben. man muss nur wissen, wo man suchen muss … und das haben wir. weiter unten findet ihr eine liste von berliner designern, herstellern und designs, die wir auf der imm köln 2013 entdeckt haben. und, wie immer, entschuldigung an alle, die wir übersehen haben. nehmt es nicht persönlich, es lag schlichtweg an einem mangel an augen und zeit!

klickt einfach auf ein bild, um es zu vergrößern oder, so vorhanden, den betreffenden post dazu zu lesen. viel spaß!

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Tam Tam Fabien Dumastam tam 3+5 von fabien dumas für marset, gesehen @ kettal

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Workframe Michael Hilgers Müller Möbelwerkstattworkframe von michael hilgers für müller möbelwerkstätten

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Ficelle Osko + Deichmann Lignet Rosetficelle von osko + deichmann für ligne roset

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein And A And Be And Not Camilla Richterand a and be and Not von camilla richter

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein llot llov Lucillelucille von llot llov, gesehen @ piure

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Rupert Kopp Roxxane Nimbusroxxane von rupert kopp für nimbus

IMM Cologne 2013 Coordinationcoordination

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Roomsafariroomsafari

atelier haußmann

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Werener Aisslinger DS 144 de sededs 144 von werner aisslinger für de sede

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Egon Eiermann Richard Lampertegon eiermann regalsystem bei lampert

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Workframe Delphin Design Müller Möbelfabrikationdelphin design für müller möbelfabrikation



isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation

Dienstag, 29. Januar 2013

mit der eröffnung einer neuen designorientierten ausstellung, die jährlich, im rahmen der imm cologne, im januar stattfindet, beweist das museum für angewandte kunst köln (makk) eine voraussicht, derer die meisten museen nicht fähig sind. es klingt eigentlich nach einer einfachen und naheliegenden entscheidung, aber ihr würdet euch wundern, wie viele museen diesem beispiel nicht folgen können bzw. wollen. die 2013er ausstellung heißt “isn‘t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ und unternimmt eine untersuchung der romantik im zeitgenössischen design.

kuratiert von tulga beyerle, der direktorin der vienna design week, präsentiert “isn‘t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ mit arbeiten 40 internationaler designstudios einen breiten querschnitt sowohl kommerzieller produkte als auch eher konzeptioneller designprojekte, die nach einschätzung der kuratoren auf irgendeine weise den geist der romantischen epoche repräsentieren – zum beispiel durch materialien, muster, aber auch durch den gebrauch kreativer techniken und vorstellungen, wie sie im frühen 19. jahrhundert populär waren, darunter poesie und ironie. wir wissen, dass sich die ausstellung mehr um das konzept als um die objekte dreht. dennoch vorab: unter den arbeiten, die uns besonders gefielen, waren die lampe binic von ionna vautrin aus paris und patricia urquiolas bad für vieques – ein produkt, das eine dekadenz ausströmt, die unserer ansicht nach vielleicht keine romantischen kriterien erfüllen mag, aber das man einfach lieben muss. und es war schön, led zeppelin von bertjam pot wieder zu begegnen, einem objekt, das wir erstmals als teil der totem & taboo auf der vienna design week 2011 gesehen haben.

berlin war einerseits direkt durch hermann august weizzenegger und seinen monumentalen teppich “ocean” vertreten, einer arbeit, die 2012 in wien ihre premiere hatte und die ihr unbedingt sehen müsst, falls ihr es nicht schon getan habt. geht um ihn herum – das ist das geheimnis. außerdem durch hella jongerius mit einer auswahl von porzellan aus ihren four-seasons- und non-temporary-projekten sowie mit ihren ikea ps-wandbehängen. andererseits war berlin indirekt durch die galerie helmrinderknecht präsent, die eine auswahl von arbeiten von frédéric dedelly aus zürich präsentierte: „objets mélancholiques“, mit ihrer durch einen kurzlebigen guss geschaffenen zufälligen strukturen, die eine ablehnung dauerhaft standardisierter formen und das zelebrieren der individualität und der spontaneität reflektieren. hingegen beschäftigt sich memento mori mit einem lieblingsthema der romatiker, dem tod. normalerweise lebte ein romantischer künstler, wenn er nicht gerade am sterben war, in der angst oder der verherrlichung des unvermeidlichen umstandes, dass er es bald sein würde.

objets melancoliques von frederic dedelley in der ausstellung “isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” im museum für angewandte kunst köln

obwohl wir die ausstellung wirklich genossen haben und von ganzem herzen empfehlen können, sind wir zugegebenermaßen nicht sicher, ob sie ihre gesteckten ziele erreicht hat. „romantik“ ist ein dermaßen großes themenfeld, dass so ziemlich alles als “romantisch” bezeichnet werden kann. praktisch jeder kann seine eigene pointe hinzufügen. in ihrem essay für den ausstellungskatalog schreibt tulga beyerle nicht nur klug und überzeugend über die zentralen motive der romantik, sondern auch darüber, wie sich diese seit dem frühen 19. jahrhundert entwickelt haben. so recht sie fraglos hat, hätte sie allerdings – meinen wir zumindest – einen derartigen text in mehr oder weniger jedem jahrzehnt seit 1900 geschrieben haben können und immer gleichermaßen recht gehabt. bewegungen wie die romantik verschwinden nicht. leute suchen einfach nicht immer nach ihnen. und manchmal wird die romantik eben von bewegungen überschattet, die lauter schreien, quasi eine „bessere presse haben“. also überrascht es uns keineswegs, dass im zeitgenössischen design beispiele romantischer tendenzen zu finden sind. andererseits, so wie eine, zwei oder gar drei schwalben noch keinen sommer machen, so deutet es nicht auf eine allgemeine rückkehr zur romantik unter zeitgenössischen europäischen designern hin, wenn max lamb einen zinnhocker in einem rudimentären loch am strand giesst statt in einem städtischen atelier. zumindest nicht für uns.

wie gesagt, “isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” ist in jedem fall einen besuch wert. also machen wir es uns leicht und überlassen euch die entscheidung, wie überzeugend die ausgestellten objekte das anliegen der kuratoren tatsächlich darstellen. die eine große enttäuschung der ausstellung, also etwas, das wir einfach loswerden müssen, ist, dass das makk sich genötigt sah, einen „trend-vorhersager“ in das rahmenprogramm einzubauen. nicht genug, dass es trends im design gar nicht gibt, die medizinmänner und -frauen, die das gegenteil behaupten, sollten sich erst recht nicht einem museum nähern dürfen. es sei denn, es handle sich um ein designtrend-musuem, das natürlich komplett voller trend-vorhersager wäre, die sich gegenseitig ermahnten, so mittelmäßig wie möglich zu sein. wenn es etwas gibt, das innovation erstickt, dann leute, die dafür bezahlt werden, firmen zu erzählen, was sie verkaufen, und kunden, was sie kaufen sollen.

und wenn es tatsächlich so ist wie die ausstellung argumentiert, dass die aktuelle neigung zur romantik zum teil dem verlangen geschuldet sei, den festgelegten grenzen von moderne und massenproduktion durch hinwendung zum vergänglichen und individuellen zu entfliehen – dann ist mit sicherheit das erste, das wir tun sollten, keine trend-vorhersager mehr zur kenntnis zu nehmen, deren existenzberechtigung es ist nämlich, uns zu sklaven der ideen anderer zu machen. wie es die alte snowboarder-weisheit sagt: ausgetretene pfade sind für ausgelutschte leute. was natürlich auch von einem romantischen dichter hätte stammen können. wir haben keine ahnung, wieso das makk es für nötig befunden hat, eine hervorragend erdachte und kuratierte ausstellung mit einem derart geschmacklosen nebeneffekt zu verbinden, dessen einziger sinn darin liegt, von den stärken der einzelnen ausgestellten objekte abzulenken. oder, ist das vielleicht die “provokation” aus dem ausstellungstitel? falls ja, hat sie bombig eingeschlagen!

“isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ läuft im museum für angewandte kunst köln noch bis zum 21. april 2013. alle details findet ihr unter www.makk.de und hier ein paar eindrücke von der ausstellung: