Archiv für die Kategorie ‘preisverleihungen’


new order von böttcher+henssler: “best of the best” red dot-designpreis 2013

Montag, 29. April 2013

wir bemerkten in unserem post zum designpreis der bundesrepublik deutschland 2012: “wir würden normalerweise einer solchen veranstaltung nicht mehr als eine kurze fußnote widmen, nichts gegen preise generell, aber es gibt so viele designpreise und die mehrzahl von ihnen ist … nun, eher profitorientiert aus organisatorensicht als wirklich irgendwie hilfreich für den fortschritt von design.” empfindungen, zu denen wir stehen.”

dennoch fühlen wir uns mehr als nur ein bisschen verpflichtet, zu berichten, dass das berliner designstudio böttcher+henssler für new order (das für den trenntmöbel gesucht!-wettbewerb 2011 der bsr entwickelte und seit dezember 1012 im handel erhältliche haushaltsmüllsystem) einen „best of the best“ bei der red dot-preisverleihung 2013 erhalten hat. „verpflichtet” nicht im sinne von “wir müssen, leider, keine andere wahl…”, sondern wie in “…wenn es ein produkt gibt, das die rolle des heutigen produktdesigns verkörpert und die entsprechende anerkennung verdient … und wir sind hocherfreut, dass es diese bekommen hat, und wollen es der ganzen welt erzählen…“.

red dot-gründer und -vorstand peter zec war vor kurzem gastredner auf der designtage brandenburg-konferenz. unter den interessanteren punkten seiner rede war ein vergleich zwischen “designgeführten” und “profitgeführten“ marken. auch wenn die wahl seiner beispiele reichlich diskussionswürdig war, blieb es unbestritten, dass firmen, deren produktentwicklung von design bestimmt ist, höherwertige produkte herstellen: nicht nur von höherem finanziellen wert, sondern auch höherwertig beispielsweise hinsichtlich verbrauchererfahrung, produktlebensdauer oder hinsichtlich des langfristigen beitrages zum betreffenden industriesektor durch diese produkte. bei new order von böttcher+henssler besteht der höhere wert nicht allein in der tatsache, dass es mit ansprechender optik und vertrauter formaler sprache die teutonischste aller haushaltsaufgaben in etwas begehrenswertes verwandelt. durch seine kombinierte gebrauchsmöglichkeit als einkaufstasche und müllbehälter personifiziert new order letztlich den konsumzyklus und hilft uns so, etwas zu verstehen und, hoffentlich, unser verhalten anzupassen. all diese aspekte wurden von der internationalen red dot-jury bei der entscheidung, new order mit dem “best of the best”-preis auszuzeichnen, berücksichtigt.

also herzlichen glückwunsch unsererseits an moritz böttcher und sören henssler! nicht zu vergessen clémentine caurier, die ebenfalls zur ursprünglichen produktentwicklung beigetragen hat. und für alle, die ein preisgekröntes mehrzweckhaushaltsmülltrennsystem suchen: weitere details und bestellinformationen gibt es unter www.bsr.de/trenntset.php

new order von böttcher+henssler

new order von böttcher+henssler



design souvenir preis 2013: deine idee für berlin!

Mittwoch, 24. April 2013

im vergangenen jahr organisierte die kroatische designergesellschaft eine ausstellungstour mit dem titel “croatian holidays 2012”. mit arbeiten von zwei dutzend jungen kroatischen designern war/ist “croatian holiday 2012” eine sammlung zeitgenössischer interpretationen touristischer andenken, eine untersuchung des souvernirs als etwas jenseits traditioneller klischees und vorurteile. vor allem aber stellt croatian holiday nicht nur eine erkundung dar, wie kroatisches design und der kroatische tourismus sich gegenseitig stimulieren, sondern wie sie auch global für eine moderne, realistische kroatische identität werben können. “croatian holiday 2012″ wurde in mailand, wien, paris, sofia etc. gezeigt…

jetzt müssen wir sehr vorsichtig sein. sehr, sehr vorsichtig. berlins stadtmarketing-agentur berlin partner gmbh hat einen design-wettbewerb für objekte ausgerufen, die als souvenir verkauft werden können. die hoffnung dabei ist, dass man durch einen designergeführten “relaunch” des souvenirmarktes, durch erweiterung von touristenandenken jenseits traditioneller stereotypen und klischees, besuchern “einzigartige erinnerungsstücke” an die stadt  anbieten kann und somit ein neues realistisches, modernes globales berlinbild fördert. der windzug, den ihr gerade verspürt, rührt von unserem ungläubigen kopfschütteln.

am ende ihres einführungsstatements sagen die organisatoren eine zukunft voraus, in der “…berliner bären, fernsehtürme und ampelmännchen die gesellschaft aufregender neuer kreationen von mitgliedern der berliner kreativszene bekommen”. matt von llot llov. miss monnipenni von adam + harborth. hammer von jung porzellan. spar von ulrich merz. beton lampe von komat. mr moustache mobile von jäll und tofta. lemontile von dörte ahlgrimm. ad infinitum. ad abundantiam. ad lucem… in berlin kann man sich vor lauter authentischer, origineller beispiele der vitalität der kreativszenen der stadt kaum bewegen. “einzigartige erinnerungsstücke” für jeden geschmack und jedes portemonnaie. der pariser galerist serge bensimon kam nach berlin und brachte die ausstellung berlin 2.0 im gepäck mit nach hause. viele berliner produktdesigner haben zur eigenproduktion zumindest kleinerer artikel gewechselt oder sie sind dabei, es zu tun. modefirmen sind seit langer zeit ansässig. nicht zu vergessen die vielen originellen und anspruchsvollen fotografen, grafikdesigner und verleger überall in den bezirken. und hat da jemand gerade „schmuck“ gesagt?

wenn es denn nur in berlin eine art von einrichtung für ökonomische entwicklung und standortmarketing gäbe, die sich interessante und kreative wege ausdenken würde, wie man es den berlinbesuchern schmackhaft machen könnte, die kreativszenen der stadt zu erkunden, praktizierende designer kennen zu lernen, wie man die vielfalt und eigenart jenseits der reizlosen touristenfallen fördert – oder einfach nur shops an wichtigen ecken der stadt einrichten würde, die sachen „made in berlin by berlin designers“ verkaufen… zugegeben, die sachen in solchen läden würde vielleicht kein niedliches „sei berlin“-logo auf der verpackung haben. aber sie würden der kreativen gemeinschaft bedeutend mehr nützen als noch ein designwettbewerb.

croatian holiday 2012, hier bei der vienna design week 2012.

“croatian holiday 2012″ gelang als projekt, weil es nicht die realisierung kommerzieller produkte zum ziel hatte, sondern vielmehr das verhältnis zwischen der landesidentität im verständnis seiner bewohner und jener im verständnis seiner besucher erforschen wollte. das eine oder andere kommerzielle produkt wird hoffentlich aus dem projekt resultieren – aber wird es nicht in irgendwelche touristenläden schaffen. weil touristen designobjekte gleichgültig sind. touristen wollen berliner bären, ampelmännchen-t-shirts, fernsehtürme und mauerstücke. jüngere touristen wollen drei tage lang im berghain tanzen und dann hoffen sie, eine club-mate-flasche am zoll in schönefeld vorbei nach hause schmuggeln zu können. touristen wollen stereotypen. seit die ersten viktorianischen engländer aufbrachen, um die erhabenheit der schweizer alpen zu bewundern, war ein teil der gesamten daseinsberechtigung des tourismus, einem vorgegebenen archetypus zu entsprechen. touristen müssen souvenirs nach hause mitbringen, die andere als bestätigung des erlebten anerkennen. und der hässliche rechtsstreit über die rechte am ampelmännchen belegt die profitabilität der touristischen stereotypen. man kann nicht, nur weil man ein paar objekte von einem designer hat, den souvernirmarkt relaunchen.

was man hingegen tun kann ist, sicher zu stellen, dass diejenigen besucher, die an der aktuellen kultur der stadt interessiert sind, über die faden “insider-tipps” in ihren reiseführern hinausgelangen und jene orte, designer, produzenten – und produkte – finden, die sie interessieren und inspirieren. nicht zuletzt weil man dann nicht nur das potenzial hat, langfristige stammkunden-beziehungen zu schaffen, sondern auch werbung durch mundpropaganda. und das erreicht man nicht durch einen designwettbewerb. und bestimmt nicht durch einen designwettbewerb, der in keinen größeren, zusammenhängenden plan eingebunden ist. allein schon der umstand, dass es keine feste zusage gibt, die gewinnerdesigns in produktion zu bringen, zeigt die täuschung im manöver. denn wenn die gewinnerdesigns nicht produziert werden, nicht zum verkauf angeboten und nicht gekauft werden – dann ist das ganze projekt ein schuss in den ofen. da sein bekundetes ziel ist, besuchern designobjekte anzubieten.

und angesichts der expertenkompetenz, die berlin partner um sich versammelt hat, um den wettbewerb zu unterstützen, fragt man sich wirklich, wieso es der gmbh eigentlich am mut gebricht, den gewinnern produktion und vertrieb zu garantieren – und anschließend alle im ärmel befindlichen ässe auszuspielen, den produkten zum erfolg zu verhelfen. wie es die toten hosen zweifellos formulieren würden, nur zur klärung und damit wir uns richtig verstehen: wir wissen, dass die berlin partner eine menge gute sachen macht. und wir stellen keinesfalls die organisation als solche in frage. lediglich die entscheidnug, einen designwettbewerb zu veranstalten, der, soweit wir sehen können, keinerlei funktion hat, und bei dem die möglichen langfristigen vorteile der finanziellen und materiellen investitionen bestenfalls unklar sind.

der “trenntmöbel gesucht!”-wettbewerb von 2011 beispielsweise war in zwei wesentlichen punkten anders. erstens wurden die teilnehmenden designstudios für die entwicklung ihrer projekte bezahlt, zumindest in der zweiten phase. bei „deine idee für berlin“ arbeiten die kreativen bei der ideenentwicklung auf eigene kosten in der hoffnung, unter die drei glücklichen bargeldpreisträger zu kommen. oder dass zumindest jemand die objekte in der austellung sieht und in produktion bringt. und zweitens ging es bei “trenntmöbel gesucht!” genau so sehr um die förderung der privaten mülltrennung wie um die suche nach einem produkt. der wettbewerb diente als vehikel, ein ansonsten banales thema interessant zu machen. dass ein hübsches und kommerziell sinnvolles produkt wie new order dabei herauskam, ist fantastisch, war aber keine voraussetzung für den gesamterfolg der initiative.

bei “deine idee für berlin” erwarten wir viel trara um die für september geplante ausstellung und wir stellen uns auf fotos der „verrückteren“ projekte in unzähligen blogs ein. „typisch berlin!” werden die blogger kommentieren, oder “immer provokativ und unkonventionell. gibt es eine kreativere stadt in europa?”… und das wird dann als beleg für den erfolg des wettbewerbs präsentiert werden. aber wie gesagt, ist das bekundete ziel, produkte wirklich an die touristen zu bringen. und dafür muss man erst einmal etwas herstellen. und dann vertreiben. und vermarkten. wenn man hingegen einfach flächendeckende pr für die berliner designszene machen will, ist ein souvenir-design-wettbewerb nicht der beste ansatz.

die ehemalige dmy galerie im stilwerk berlin. ein hervorragendes beispiel dafür, wie schwer es ein kann, berliner designobjekte zu verkaufen.

jüngste zahlen zeigen, dass berlin im jahr 2012 etwa 11 millionen besucher hatte. es wäre natürlich fantastisch, wenn selbst nur ein paar prozent davon ihr geld für berliner design ausgeben und damit nicht nur lokale designer unterstützen, sondern auch die botschaft von berlins kreativpotenzial verbreiten würden. es gibt mehr als genug punkte, an denen eine kampagne anknüpfen könnte. reiseveranstalter könnten dazu ermutigt werden, ihren besuchern die lange nacht der designstudios zu zeigen, museen dazu, ausstattungen und inventar von berliner designern zu verwenden, hotels dazu, informationen zu ateliers und werkstätten in ihrer nähe anzubieten und die durch das internet eröffneten möglichkeiten des guerilla-marketings sind fast zu viele, um sie aufzuzählen…

man könnte auch in die offensive gehen. 1995 gründete z.b. die wiener handelskammer das unternehmen „wien products“, das jedes jahr mit ausgewählten wiener herstellern zusammenarbeitet, um eine serie von produkten von in der stadt ansässigen designern herzustellen. die gesamte serie wird anschließend von der wiener tourismusbehörde tatkräftig beworben und ist überall erhältlich, wo man touristen treffen kann. jawohl, mehr als nur ein hauch von exklusivität umgibt die produzenten, und nein, die sachen haben keine preise, die sich jedermann leisten kann – aber die designer sehen, dass ihre produkte verwirklicht werden, die hersteller werden unterstützt und wiens kreativität erhält eine sichtbare kommerzielle bühne. letzlich kann die förderung von kreativität durch tourismus immer nur teil einer größeren strategie sein, ist aber definitiv ein erforschungswerter zweig. um erfolg zu haben, müssen die angestoßenen projekte allerdings innovativ sein, also kreativ. sei berlin. sozusagen.

näheres zu “deine idee für berlin” gibt’s unter: www.be.berlin.de/designcompetition

berlin design souvenir preis 2013: deine idee für berlin



ein wirklich ziviler preis!

Samstag, 29. Dezember 2012

ja, an design-preisen herrscht nun wirklich kein mangel. üblicherweise bejubelt und belohnt sich die branche gegenseitig. doch dieser preis ist anders und soll ausdrücklich ein gegenentwurf zu den landläufigen preisen sein: die gestalterin juli gudehus startete eine ungewöhnliche bürgerinitiative und rief den »ehrenpreis für gestaltung« ins leben. sie möchte damit in den kommenden jahren einen wesentlichen beitrag zur förderung des ansehens von gestaltern in deutschland leisten. das konzept ist einfach und zugleich interessant. denn der preis richtet sich ausdrücklich an jene, für die gestaltet wird: die nutzer. und so muss sich der gestalter, dem größten, denkbaren forum überhaupt stellen – dem täglichen anwender seiner objekte.

jedermann ist also eingeladen, bis zum 28. februar 2013 unter www.der-ehrenpreis.de vorschäge einzureichen und in den sieben preiskategorien, die auch etwas anders als die üblichen sind, mitzubestimmen. “jeder bürger kann gelungenes vorschlagen, alle können darüber diskutieren und durch ihre bewertungen zur auszeichnung der besten arbeiten beitragen”, so juli gudehus, initiatorin des ehrenpreises. “dieser dialog von gestaltern und nutzern ist mindestens so wichtig wie die auszeichnung selbst”, so gudehus weiter. na das klingt doch mal spannend! wenn das konzept aufgeht, wäre uns das sehr willkommen. also gleich mitmachen, frei nach dem motto des preises: sehen und ernten!

gleich mitklicken: www.der-ehrenpreis.de



bundespreis ecodesign 2012: die gewinner

Dienstag, 04. Dezember 2012

am abend des 22. novembers wurden im rahmen einer zeremonie im bundesumweltministerium (bmu) die gewinner des ersten “bundespreises ecodesign” samt ihren auszeichnungen vorgestellt. der “bundespreis ecodesign”, unter der schirmherrschaft des bmu und des umweltbundesamtes (uba), hat die anerkennung, auszeichnung und förderung besonders umweltverantwortlichen designs zum ziel.

die gewinner des bundespreises ecodesign 2012

dies waren die gewinner. unsere glückwünsche gehen an:

kategorie produkt

bis es mir vom leibe fällt – atelier für änderung und wiederbelebung alter und beschädigter kleidung

trockenstaubsauger t 12/1 eco!efficiency von alfred kärcher gmbh & co. kg

rx 70 hybrid gabelstapler mit blue-q von teams design gmbh für still gmbh

on von wiege design für wilkhahn wilkening + hahne gmbh & co.kg

firetube ofenbaukasten von firetube gmbh

nachbarschaftsauto – internetplattform von nachbarschaftsauto pcs gmbh

wilo-geniax – dezentrales pumpsystem von mehnert corporate design gmbh & co. kg für wilo se

wdvs weber.therm a200 mit pas.top von saint-gobain weber gmbh

kategorie konzept

velux lichtaktiv haus von velux deutschland gmbh

coboc – muscle synchronized eycles von coboc ecycles

kategorie junge designer

.eco von christian ehni und timo j. schillings (duale hochschule baden-württemberg ravensburg)

besondere würdigung

best before … von dane smith-horn, viola wengler, vasiliki corakas (hochschule für gestaltung offenbach)

pfandring von paul ketz (ecosign akademie für gestaltung)

pullover juri und walentina von recyclist_workshop, valentin schmitt, lars nüthen (bauhaus universität weimar)



brd-designpreis: über gewinner und verlierer

Dienstag, 27. November 2012

es ist schon eine weile her, aber wir wollen trotzdem noch ein paar worte über den designpreis der bundesrepublik deutschland 2012 verlieren. am 25. oktober erhielten die award-gewinner ihre preise während einer feierlichen zeremonie im kino international. erst einmal allen einen herzlichen glückwunsch und weiterhin viel erfolg!

Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 Awards Ceremony

designpreis der bundesrepublik deutschland 2012

normalerweise würden wir diesem event nicht viel mehr als eine schnelle fußnote widmen – nichts gegen preisverleihungen an sich, aber es gibt so viele „design awards“ und die meisten sind leider eher am gewinn des organisators interessiert, als tatsächlich zu helfen, design in irgendeiner weise zu fördern und voranzutreiben. allerdings sind in diesem jahr die änderungen zur durchführung des designpreises der bundesrepublik deutschland – dem offiziellen design-award unseres landes – fast so interessant wie die nominierten projekte. deshalb rechtfertigen sie sicherlich einen genaueren blick auf das, was aus der ursprünglichen förderung des nachwuchses und der award-idee wurde und schlicht in einem franchise mündete. nicht zuletzt wegen der entscheidung, die preisverleihung über eine gästeliste laufen zu lassen, natürlich mit freigetränken. wirklich enttäuschend, sehr enttäuschend.

seit der auftaktpressekonferenz wurde laut verkündet, dass das dmy berlin die verantwortung für die organisation des wettbewerbs übernimmt und alle beteiligten haben bis zur erschöpfung wiederholt, dass eines der neuen ziele ist, den designpreis zugänglicher, demokratischer, offen für alle zu gestalten, eben nicht nur für die großen firmen mit taschen, tief genug für die obligatorischen “nachsiegsgebühren” zur lizenzierung und bewerbung der projekte. dieser plan ging zweifellos bei der einreichung der projekte auf – und sicherlich wäre das eine oder andere projekt unter dem alten regime nicht nominiert worden, jedoch haben wir kaum junge unterernährte designer die gesellige gastfreundschaft im kino international genießen sehen. dafür gab es massen an leuten in angenehmen anzügen mit tiefen taschen, die aussahen, als ob sie regelmäßig zu solchen veranstaltungen eingeladen werden würden. nichts gegen leute in adretten anzügen mit tiefen taschen. sie waren ja auch ohne frage interessiert, kenntnisreich und kultiviert … trotzdem immer noch eingeladen. wir vermuten, dass wir deshalb kein großes gefühl der aufregung oder spannung unter den versammelten gästen bemerkt haben.

alles fühlte sich wie eine weitere gelegenheit zum networken an, so über dem einen oder anderen kostenlosen bier. oder lasst es uns anders ausdrücken: es lag keine britzelnde spannung im raum, die man hätte mit einem messer durchschneiden könnnen, eher eine, die wir dann mit einem schwamm aufsaugen mussten… die chance, eine angemessene stimmung zu erzeugen, wurde auch durch den versuch der organisatoren zerschlagen, sich an ein minutiös geplantes protokoll zu halten, aber auch durch die roten teppiche und kamerateams, die alles einfingen und auf die kinoleinwand direkt hinter dem protagonisten übertrugen. die organisatoren strebten offensichtlich eine hohe wirkung, eine enge choreographie und ein multi-media-ereignis an. glitzernd, professionell, haarscharf kalkuliert – emotionslos, leblos, glitzernd. und so dasitzend, gewann man den eindruck, dass diese show nicht für das publikum vor ort veranstaltet wurde, sondern für ein größeres, außenstehendes publikum … ein publikum, das natürlich nicht da war.

unser wunsch an die organisatoren für das nächste jahr ist, auf den unnötigen billigen promi-rummel zu verzichten und die preisverleihung der öffentlichkeit zugänglich zu machen, von uns aus auch mit einer bar, mit angemessen preisen – und auf diese weise ein wenig mehr spannung und leben unter die zuschauer zu bringen, diejenigen, die wirklich da sein möchten, anstatt eines publikums, das anwesend ist, weil sich der termin an diesem abend zufällig mit keinem anderen überschnitten hat.

trotz gegenteiliger auftritte wurde ein design-, kein theaterpreis verliehen.

und nun noch zum thema billiger promi-rummel. der preis für das lebenswerk. wir müssen jetzt hier ganz vorsichtig sein, damit uns jeder richtig versteht. deshalb wollen wir eins klarstellen: wir haben nichts gegen den gewinner, unser problem ist die kategorie an sich. sicherlich glucksten wir vergnügt bei dem gedanken daran, dass ein modedesigner den preis für sein lebenswerk erhält, obwohl es bei dem wettbewerb im übrigen keine modekategorie oder nominierung im bereich fashion gibt. es ist einfach die perversion der realität, die uns immer wieder zum schmunzeln bringt… das eigentliche problem ist vielmehr das konzept der rubriken „preis für das lebenswerk“ und „design-persönlichkeit“. ja, der alte designpreis der bundesrepublik deutschland hatte eine „design-persönlichkeit“-kategorie … aber brauchen wir die wirklich?

brauchen wir design-persönlichkeiten? was ist eine design-persönlichkeit? zahlen diese ihren praktikanten mehr als andere designer? gehen sie in ihren projekten besonders umsichtig mit den sozialen und ökologischen rahmenbedingungen unseres modernen zeitalters um? wollen wir überhaupt promi-designer? wir haben doch schon promi-köche. ist das nicht strafe genug? haben wir nicht aus solchem kulturellen greuel gelernt? zu viele menschen verwechseln design immer noch mit „lifestyle“, „lebensart“ oder – gott möge uns vergeben – „trend“. so wie dieser offizielle deutsche, vom staat gesponserte design-preis die feuer der falschinformationen nährte, indem er genau diese künstlichen szenarien auf dem roten teppich hat abspielen lassen, um die ansprüche der massenmedien zu befriedigen, die nach schnellen, glitzerbildern für den promi-report am nächsten tag lechzen. dies hat sicherlich keinerlei bezug zu den siegerprojekten von 2012 und zur vielen arbeit, die daran hängt. es ist einfach falsch. haltet den preis seriös und ernsthafte medien werden angemessen darüber berichten, so wie es der preis eigentlich verdient. haltet den preis auf einem frivolen niveau und ihr reduziert ihn auf etwas, das harald glööckler macht. und er macht seine sache gut.

Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012 Awards Ceremony

designpreis der bundesrepublik deutschland 2012

all das sollte nicht als fundamentalkritik an der veranstaltung gewertet werden, es geht eher um ein paar irritationen, die bei uns im laufe des wettbewerbs auftraten. irritationen, denen wir ausdruck verleihen mussten. der irritationen ungeachtet, war das im kino international präsentierte mit sicherheit einer preisverleihung vorzuziehen, die an einem freitagnachmittag auf der messe für wohnaccessoires in frankfurt stattgefunden hätte. auch das gesamtkonzept und die organisation des preises zeigten unserer meinung nach in 2012 eine verbesserung gegenüber den letzten jahren. die reduzierten eintrittspreise und die bessere sicht waren für alle positive und willkommene veränderungen, die aber zugegebenermaßen den organisatoren nicht die besucherzahlen einbrachten, auf die sie gehofft und für die sie geplant hatten. die gründe für den vergleichsweise schwachen besucherstrom sind ein thema, dass in der vorbereitung der veranstaltung für 2013 unbedingt angesprochen werden muss. wir vermuten, einen grund für den schwachen zulauf ermittelt zu haben, aber dazu später mehr.

wer uns kennt, weiß, dass wir das dmy sehr schätzen. er weiß auch, dass wir leute kennen, die diese dinge anders sehen, aber wir mögen, was die dmy-organisatoren machen und wünschen ihnen auch den besten erfolg für den designpreis, ein preis, der unserer ansicht nach auf jeden fall einer renovierung bedarf, um ihn aus der großen masse der konkurrenz von kurpfuschern herauszuheben und damit endlich eine bühne zu schaffen, die zeitgenössisches deutsches design global repräsentieren kann. wir glauben, dass das dmy auf dem richigen weg ist, aber um im wettbewerb zu bestehen, bedarf es ein wenig mehr phantasie und unabhängigen denkens. aber weshalb sollte sich letztlich überhaupt jemand bemühen, einen preis zu managen, der konservativen normen und der wahrgenommenen notwendigkeit entspricht, die erwartungen einer mythischen zielgruppe zu erfüllen – wenn selbst wirtschaftsminister philipp rösler keine zeit in seinem terminkalender findet, der verleihung eines preises beizuwohnen, den sein eigenes amt finanziert? gebt uns lieber einen wettbewerb und verleihungszeremonien, die dem geist der aktuellen deutschen designwelt entsprechen. politiker und beamte werden sich schon daran gewöhnen. und deutsches design wird davon profitieren. außer meckernden journalisten waren natürlich auch ein paar preisträger bei der zeremonie. wir werden in den kommenden wochen noch über das eine oder andere ausgezeichnete projekt berichten, an dieser stelle aber schon einmal eine liste aller gewinner. und nochmals glückwunsch an alle:

produkt design

gold:
- the cave: ein zelt von frackenpohl poulheim, heimplanet entwicklungs gmbh

silber:
- aufbewahrungssystem konnex von florian gross, müller werkstätten gmbh
- axor bouroullec concept von ronan & erwan bouroullec für hansgrohe se

kommunikationsdesign

gold:
- decodeunicode: the world’s writing systems von johannes bergerhausen, siri poarangan, ilka helmig / verlag hermann schmidt mainz
- the electric hotel: kommunikationsplattform, die regenerative energien nutzt, von sebastian fleiter, atelier fleiter

silber:
- der wedding. magazin für alltagskultur von axel völcker
- messeauftritt brunner –  salone internazionale del mobile 2011 von peter ippolito, gunter fleitz, jörg schmitt, tilla goldberg, bartek pluskota, tanja ziegler, philip kottlorz, axel knapp, kirsten wagenbrenner-ziegler, ippolito fleitz group gmbh

nachwuchspreis
- geschäftsbericht: „aufschwung durch ableben“ von martina morth
- tischfußsystem „tick“ von jakob schenk

preis für das lebenswerk
- wolfgang joop

anne ruth herkes übergibt peter ippolito und gunter fleitz ihren preis



designpreis-verleihung

Freitag, 26. Oktober 2012

gestern abend fand im kino international die verleihung des designpreises der bundesrepublik deutschland 2012 statt. die gewinner der jeweiligen kategorien findet ihr hier. wir gratulieren! erste impressionen vom gestrigen abend findet ihr bereits auf unserer facebookseite.

http://www.bundesdesignpreis.de/



dmy awards & jury selection 2012 im bauhaus-archiv berlin

Mittwoch, 12. September 2012

wir haben neulich festgestellt, dass uns der herbst unmittelbar bevorsteht. das gute daran ist aber, dass unsere angenehmste erinnerung an die nicht immer ganz so goldene jahreszeit zu neuem leben erwacht ist: die jährliche dmy awards & jury selection ausstellung im bauhaus-archiv berlin ist eröffnet.

2009 initiiert, dient die ausstellung oberflächlich betrachtet dazu, die 10 nominierungen für den jährlichen dmy award zu ehren. vor allem tut sie aber eins, nämlich die projekte in verbindung zueinander zu bringen, mit denen man im laufe des jahres schon sehr viel zeit verbracht hat. sie sind alle da: andrea brena und seine “knitted army”, agri-expo yunlin mit ihrer “farmer’s creativity“, der “gravity stool” von jólan van der wiel… sogar atelier yea-yea, die wir in tempelhof leider nicht finden konnten. obwohl uns dieses zusammenkommen daran erinnert, dass der sommer vorbei und es wieder an der zeit ist, zurück an die arbeit zu gehen, finden wir es jedes jahr doch auch immer wieder schön, fast schon beruhigend.

der spezielle ausstellungsraum im bauhaus-archiv ist zwar nicht der größte – das war er noch nie und wird es wohl nie sein können -, aber kurator ake rudolf und sein team haben ein kleines wunder vollbracht: es scheint fast so als hätten sie die größe des raums verdoppelt. wir haben auf jeden fall noch nie eine sonderausstellung im bauhaus-archiv erlebt, die dem besucher so viel bewegungsfreiheit bietet – sowohl physisch als auch philosophisch. dieser freiraum wird noch durch den intelligenten einsatz von videos und infobroschüren erweitert, die jedes projekt für sich sehr verständlich vorstellen. man muss aber nach wie vor selbst denken, man wird sogar dazu ermutigt, womit sich das kuratorenteam unserer ansicht nach den zweiten goldenen stern verdient hat.

neben der schönen ausstellung selbst bietet auch das begleitprogramm eine reihe wahrer herbstjuwele, darunter ein workshop zur nutzung von magnetismus im design mit jólan van der wiel am 11. oktober und eine podiumsdiskussion am 20. september zum thema “von kreation zu kreativität – kopieren und teilen als designstrategie” mit beiträgen von frederike wanstrath, johanna keimeyer, ronen kadushin und van bo le-mentzel. die diskussion wird von lucas “berlins härtester moderator” verweij moderiert.

die dmy awards & jury selection 2012 ausstellung kann noch bis zum 15. oktober 2012 im bauhaus-archiv berlin besucht werden.

mehr infos dazu und zum begleitprogramm gibt’s unter www.bauhaus.de.



werkbundarchiv – museum der dinge “to go or not to go”

Freitag, 07. September 2012

obwohl wir in diesem jahr zugegebenermaßen nicht durch fallende temperaturen und weniger sonnenstunden daran erinnert werden, dass uns der herbst bevorsteht, so haben wir dafür immer noch die jahreszeitlich bedingte flut an ausstellungseröffnungen.

neben “karl friedrich schinkel. geschichte und poesie” und “building blocks – kinder als bauherren”, findet am mittwoch auch die eröffnung der jährlichen ausstellung “junges design im bauhaus-archiv” des bauhaus-archivs berlin statt, wo alle 10 nominierungen für den dmy award 2012 gezeigt werden. und am freitag, den 7. september, eröffnet das werkbundarchiv – museum der dinge seine neueste ausstellung “to go or not to go”.

von studenten des studiengangs “produktdesign-assistent” der marcel-breuer-schule berlin präsentiert, wird bei “to go or not to go” moderne esskultur im kontext der historischen objekte beleuchtet, die in der sammlung des museums zu finden sind. die sammlung beinhaltet natürlich auch die frankfurter küche – fraglos eine der berühmtesten und kulturell wichtigsten projekte zur neugestaltung unserer beziehung zu essen und ernährung. nicht, dass wir die studenten irgendwie unter druck setzen wollen…

“to go or not to go” ist das ergebnis einer sechsmonatigen recherche, wo neue ansätze für essmöbel gezeigt werden sollen, die zu unserer mobilen, urbanen gesellschaft passen.

“to go or not to go” wird am freitag, den 7. september, um 19 uhr eröffnet und läuft bis zum 15. oktober.

Werkbundarchiv – Museum der Dinge



wilhelm braun-feldweg-förderpreis für designkritische texte. preisverleihung 2012

Freitag, 17. August 2012

obwohl wir den inkohärenten und unlogischen aufbau unserer texte steif und fest mit der notwendigkeit rechtfertigen, unter 1000 wörtern bleiben zu müssen, ist es nun mal fakt, dass man entweder gute designkritische texte schreiben kann oder eben nicht. der wilhelm braun-feldweg förderpreis für designkritische texte würdigt ebensolche designstudenten, die das können.

2003 ins leben gerufen, soll der wilhelm braun-feldweg-förderpreis designabsolventen dazu ermutigen, ihren beruf und ihre eigene rolle in der gesellschaft kritisch zu analysieren. das ist wirklich wichtig, wenn man designstudenten davon abhalten will, nur produkte herzustellen, um geld zu verdienen, und unsere welt mit noch mehr dingen zu füllen, die kein mensch braucht.

der diesjährige gewinner ist moritz grund, absolvent der universität der künste berlin, und sein text “einhundert. der designer und die dinge – ein selbstversuch”. wir haben ihn zwar noch nicht gelesen, aber er wird als ein autobiografischer, designkritischer text beschrieben, in dem moritz mithilfe von beobachtungen, gedanken und anekdoten sein sieben jahre dauerndes experiment dokumentiert, bei dem er seinen persönlichen besitz radikal reduziert und so die art unserer beziehung zu den dingen hinterfragt hat. der titel bezieht sich auf die subfrage der arbeit: kann man mit nur 100 dingen leben? moritz hat das versucht. im text wird das ganze erläutert.

am montag, den 17. september, erhält moritz grund seinen preis in einer verleihungszeremonie überreicht, die unter anderem beiträge von prof. anna berkenbusch und prof. thomas wagner umfasst. die laudatio wird von lucas verweij gehalten, der auch die einleitung zum text geschrieben hat. er wird vom niggli verlag bei der preisverleihung offiziell veröffentlicht.

die verleihungszeremonie des wilhelm braun-feldweg-förderpreises für designkritische texte 2012 findet am 17.09.2012 um 19 uhr in der akademie der künste am pariser platz 4 in 10117 berlin statt. es sind alle willkommen und der eintritt ist frei.

Moritz Grund Einhundert. Der Designer und die Dinge - ein Selbstversuch Niggli

moritz grund "einhundert. der designer und die dinge - ein selbstversuch"



der clip award geht in die verlängerung

Donnerstag, 09. August 2012

“table tales: liebe geht durch den magen” – so das thema des clip award 2012. der internationale kurzfilmwettbewerb geht in die verlängerung. noch bis zum 15. august könnt ihr audiovisuelle beiträge zum eben genannten thema von 20 bis 120 sekunden länge einreichen. dokumentarisch, fiktiv oder animiert – das entscheidet ihr! der neue wettbewerb richtet sich vor allem an studenten filmwissenschaftlicher und gestalterischer studiengänge sowie absolventen, die innerhalb der vergangenen zwei jahren ihren abschluss gemacht haben. alle infos zur ausschreibung gibt es hier. und wir drücken die daumen…