die von euch, die uns schon einmal getroffen haben, werden wissen, dass ein artikel von uns über mode ein bisschen so ist, wie ein kurzer text über menschenrechte und pressefreiheit von alexander lukashenko. aber: anlässlich der verleihung eines preises in der kategorie „produkt“ im rahmen des “bundespreises ecodesign 2012″ für „bis es mir vom leibe fällt“ an das berliner „veränderungsatelier“ nehmen wir die herausforderung gerne an. nicht zuletzt auch, weil wir auf diesem wege fragen können, ob der preis nicht besser für die kategorie “konzept” hätte verliehen werden sollen…
„bis es mir vom leibe fällt“, gegründet 2010, gibt uns die möglichkeit, unsere lieblingsklamotten wiederzubeleben. einerseits bieten die macher, ein einfaches aufmotzen alter, kaputter, überholter stücke an, anderseits auch eine komplette umwandlung von kleidungsstücken. so findet man im shop des labels beispielsweise eine laptop-tasche, die einmal eine barbour-jacke war. oder auch ein jacket, das, wenn wir uns nicht irren, einst ein paar hosen gewesen war. es ist alles so einfach, und naheliegend. und ebenso reizvoll.

bis es mir vom leibe fällt erhalten den bundespreis ecodesign 2012
wir haben erst durch den bundespreis ecodesign von “bis es mir vom leibe fällt” gehört, doch wir finden die idee bestechend. auch, weil sie nicht nur auf mode anwendbar ist, sondern auch auf möbel. nur weil ein stuhl, tisch oder schrank kaputt ist, heißt es noch nicht, dass man einen neuen braucht.
und genauso wichtig: nur weil die hersteller neue produkte herausbringen, heißt das nicht gleich, dass man sie kaufen muss. die bekleidungsindustrie hat einen 6-monate-zyklus neuer “trends” etabliert. „bis es mir vom leibe fällt“ ist letztlich ein protest gegen solche kurzlebigen trends in der modebranche. viele in den billigeren segmenten der möbelindustrie würden gerne die gleichen kurzzeit-trends durchsetzen. man kann nur hoffen, dass sie damit keinen erfolg haben werden. es hängt alles vom käufer ab. also von dir.
ein anderer für uns attraktiver aspekt ist, dass viele open-designer, die wir kennen, erzählen, dass sie regelmäßig aufträge von leuten bekommen, die bestimmte objekte mögen, aber einfach nicht die zeit oder das geschick dazu haben, sie selbst herzustellen. also bezahlen sie den designer, die herstellung für sie zu übernehmen. die idee des designers als dienstleister ist eine vorstellung, mit der zurzeit viele designer gar nicht klarkommen, die aber mehr und mehr zur regel wird. „bis es mir vom leibe fällt“ zeigt, dass es funktionieren kann. wir selbst haben die von „bis es mir vom leibe fällt“ angebotenen dienstleistungen nicht ausprobiert und können also nichts über die qualität sagen. aber die artikel, die wir gesehen haben, gaben uns keinen grund, an der qualität der arbeit zu zweifeln. für uns ist letztlich jedoch die idee wichtig, nicht das ergebnis. deshalb hätte unserer meinung nach „bis es mir vom leibe fällt“ in die kategorie konzept gehört. und natürlich auch der umstand, dass das atelier mitten in den hackeschen höfen liegt… das ist beinahe ironisch. und sicherlich poetisch.

im atelier von bis es mir vom leibe fällt

bis es mir vom leibe fällt in den hackeschen höfen, berlin