die nach fleisch aussehenden, bunten deform sitzmöbel von milena krais waren ein wohltuender farbtupfer auf dem dmy. die neu-hamburger designerin überzeugte uns mit ihren außergewöhnlichen ideen und ihrem fröhlichen gemüt.

minimum-redaktion: wie bist du zum design als beruf(ung) gekommen?
milena: um weit auszuholen… in meiner familie wurde schon immer sehr viel selbst gemacht. meine großmutter hat unsere kinderklamotten gestrickt und meine mutter hat mir und meiner schwester noch in den 90ern die leggins selbst genäht. ich habe dann mit puppenkleidernähen angefangen und knöpfe gesammelt. mich interessieren stoffe und andere oberflächen, strukturen und matrialien und muster. mit 16 habe ich eine sehr handwerkliche ausbildung zur modedesignerin angefangen. drei jahre habe ich vom entwurf über den schnitt bis zur fertigung alles gelernt. danach habe ich mich entschieden nach hamburg zu gehen um dort produktdesign textil zu studieren. im märz dieses jahres habe ich mit deform, meiner diplomarbeit, abgeschlossen.
minimum-redaktion: wie ist die idee für deine witzigen, bunten stühle entstanden?
milena: die idee hinter deform ist das fokusieren des unperfekten. auch vermeintlich hässliche sachen können schön sein, wobei sich nie richtig definieren lässt, was schönheit überhaupt ist. deform soll also die grenzen zwischen schönheit und hässlichkeit vermischen und dazu anregen sich vom schönheitszwang bzw. -kult zu lösen. in deform spiegeln sich unsere unperfekten körper. so soll der allgemeine mainstreamgeschmack provoziert werden.
minimum-redaktion: wo kann man deine sitzmöbel bestellen? hast du sie vorrätig? oder werden sie als unikate gefertigt?
milena: deform sitzmöbel kann man direkt über meine homepage www.milenakrais.de ordern und kaufen. jeder stuhl bleibt jedoch einzigartig und ist ein einzelstück wie unsere eigenen körper. da der stoff von mir mit einer heimstrickmaschine selbst gestrickt wird und alles von hand genäht ist, gibt es eine produktionszeit von ca. drei wochen. im moment stehe ich in verhandlungen mit verschiedenen internationalen galerien, wo man dann auch bald deform sitzmöbel kaufen kann.
minimum-redaktion: wenn geld gar keine rolle spielte, was würdest du momentan am liebsten designen?
milena: ich habe einen großen gerechtigkeitssinn. am liebsten würde ich etwas entwerfen, was die umverteilung der gelder in der welt hervorruft, also etwa aus dem müll der slums in indien diamanten pressen, welche dann für viel geld im westen verkauft würden. ich möchte am liebsten sachen machen, die nicht nur hübsch ausschauen und in der ecke rumstehen, sonden unsere gesellschaft spiegeln, kombiniert mit dem versuch, unsere welt ein mini-mini-bisschen besser zu machen.
minimum-redaktion: wie fandest du das diesjährige dmy?
milena: das dmy in berlin war für mich die erste öffentliche show, die ich mit deform gemacht habe. es war für mich eine super erfahrung, mich dort zu präsentieren. ich habe viele wichtige kontakte zu galeristen, journalisten und anderen designern gemacht, die man als berufseinsteiger wirklich braucht und ohne die es nicht geht. eine super sache.



kontakt:
milena krais
geschwister-scholl-str. 91 in 20251 hamburg
tel. 0176 26565389
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www.milenakrais.de