Archiv für die Kategorie ‘möbelklassiker’


sinnfindung im erbe von mies van der rohe

Samstag, 11. Mai 2013

an der udk könnt ihr momentan eine sehr interessante ausstellung besuchen. “sinnfindung im erbe von mies van der rohe. werk werner blaser – edition löffler” gewährt euch den blick eines zeitzeugen der moderne auf die damalige welt. das erbe von mies van der rohe bildet dabei den rahmen für das fotografische lebenswerk des schweizer architekten und publizisten werner blaser. im mittelpunkt der ausstellung stehen die bauwerke van der rohes sowie klassische japanische architektur. die intensive auseinandersetzung mit dem menschen und dem werk van der rohes spiegelt sich vor allem auch in den eigenen möbelentwürfen blasers wider. die edition löffler zeigt uns seine selbst gefertigten möbel sowie einen dokumentarfilm über den mittlerweile 89-jährigen. ein besuch lohnt sich! der eintritt ist frei.

sinnfindung im erbe von mies van der rohe. werk werner blaser – edition löffler

25. april bis 30. mai 2013, mo bis sa von 10 bis 19 uhr

@ udk berlin, eingangshalle und quergalerie

hardenbergstraße 33  in berlin

http://www.udk-berlin.de/sites/content/themen/aktuelles/index_ger.html?infoID=e209209



tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses @ daz

Donnerstag, 25. April 2013

bis zum 31. märz zeigte das deutsche architektur zentrum daz die ausstellung “tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses“. als wir ursprünglich über die ausstellung berichteten, hatten wir sie noch nicht gesehen. nun haben wir es und waren angenehm überrascht. architekturausstellungen haben die angewohnheit, techniklastig oder allzu streng auf das jeweilige objekt bezogen zu sein. “tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhauses” fokussiert jedoch die folgen der arbeit aus der sicht der nutzer und spiegelt damit ein zentrales anliegen des projektes wieder.

kuratiert von der berliner agentur ilka & andreas ruby, ist “tour bois le prêtre” mehr oder weniger angelegt zu zeigen, wie das interieur einer “standard”-wohnung nach der renovierung im neuen tour bois le prêtre-hochhaus aussieht, einschließlich wirklich entzückender fast antiker möbel. nichts weist darauf hin, weshalb die objekte gezeigt werden oder worum es bei der ganzen ausstellung eigentlich geht. einfach nur möbel, pflanzen und weite aussichten über paris. was wir wirklich toll fanden.

technische und hintergrundinformationen sind dennoch alle da, sie liegen in form von faltblättern und postern bereit. und nach dem genuss der “aussichten” über das 17. arrondissement aus den neugebauten wintergärten will man automatisch ein bisschen mehr erfahren. konzepte zur verbesserung der energieeffizienz des blocks oder was die architekten unter dem “plus-prinzip” verstehen, werden auf klare weise erklärt und es steht jedem besucher frei, so wenig oder so viel zu erfahren, wie es ihm beliebt. ein besonderes glanzlicht für uns war die fotosammlung ausgewählter wohnungseinrichtungen vor den renovierungen. nicht nur weil sie brutal die leistungen des projektes aufzeigen, sondern vielmehr, weil sie mit einer gewissen naivität aufgenommen sind, als eine kurze, unreflektierte antwort auf der architekten geheiß. abgebildet zeigt sich eine äußerst entzückende, voyeuristische sammlung von impressionen aus dem alltäglichen häuslichen chaos. einfach hinreißend.

tour bois le prêtre – transformation eines wohnhochhause

@ deutsches architektur zentrum daz

köpenicker straße 48/49 in 10179 berlin

www.daz.de



der handlebar table von jasper morrison

Montag, 25. Februar 2013

in unserem post über das projekt “kaufhaus des ostens” von 1984 der udk berlin haben wir ausführlich jasper morrisons essay im austellungskatalog, “the poet will not polish”, zitiert, in welchem er neue denkweisen im design diskutiert, insbesondere: “als marcel breuer eine fahrradlenkerstange sah, beschloss er, stühle mit demselben industriellen verfahren herzustellen. der neue welt-konstrukteur beschließt, die lenkerstange so zu verwenden, wie sie ist, und sich die mühe und kosten zu sparen, sie selbst zurechtzubiegen.“ handfeste beweise für das, was er damit meinte, sind jetzt in der neuen dauerausstellung “extraordinary stories about ordinary things” der sammlung des design museums london zu sehen.

handlebar table von jasper morrison in “extraordinary stories about ordinary things”, design museum london

den “handlebar table” hat morrison 1983 noch während seiner studienzeit an der kingston polytechnic entworfen und war nach morrisons eigenen Angaben sein erstes “kommerzielles” produkt.1. 10 stück wurden produziert und der junge morrison verdiente stolze 80 pfund pro verkauftem tisch. was vermutlich mehr pro stück ist, als er an vielen seiner jüngeren produkten verdiente – die inflation nicht berücksichtigt. gefertigt aus buche, glas und aluminium, ist der handlebar table einerseits ein typisches produkt seiner zeit, zu der junge designer versuchten, mit etablierten normen zu brechen und eine rolle für den neuen beruf des industriellen produktdesigners zu definieren. aber es ist gleichermaßen nach wie vor eine bezaubernde arbeit, und wenn man davorsteht – wie wir es in london das erste mal taten – erkennt man, wie maßgebend es bis heute ist. bezüglich des berliner designs zeigt der handlebar table, warum sich morrison so leicht in die entstehende “neue deutsche design”-bewegung um leute wie joachim stanitzek, andreas brandolini und axel kufus integrieren und so dazu beitragen konnte, dass das „kaufhaus des ostens“ ein so faszinierendes und bedeutendes projekt wurde.

“extraordinary stories about ordinary things” im design museum london

 2015 wird das london design museum umziehen und die ausstellung “extraordinary stories about ordinary things” repräsentiert auf vielfältige weise den offiziellen beginn dieses prozesses. nach dem umzug sieht die planung eine erweiterung der ständigen sammlung auf basis von “extraordinary stories about ordinary things” vor. und die, mit dieser ausstellung geschaffene basis verheißt einen späteren erfolg. mit den sechs in sich geschlossenen installationen zur erläuterung von design ist “extraordinary stories about ordinary things” wahrscheinlich nicht die vollständigste ausstellung, die man sich vorstellen kann, aber sie bietet ein amüsantes herumtoben durch’s design und nebenbei die ein oder andere neue erkenntnis. sowie eine wirklich faszinierende mischung von ausstellungsstücken.

außer dem handlebar table besteht eine beziehung zum berliner design auch durch jerszy symours gießkanne “pipe dreams” für magis aus dem jahr 2000 – ein objekt, das brillanter weiser, wirklich absolut brillant, neben jonathan ive und seinem mac ausgestellt wird – sowie durch das etwas ältere “hallesche service” von marguerite friedlaender für die königliche porzellan-manufaktur berlin – ein erfreulich reduziertes kaffeeservice aus keramik, das den weg für die moderne in sachen wohnaccessoires ebnete.

“extraordinary stories about ordinary things” im design museum london ist während der normalen öffnungszeiten des museums zu besichtigen. wir können jedem, der in london ist, einen besuch von ganzem herzen empfehlen. und dies nicht allein wegen des handlebar tables von jasper morrison. obwohl es das großartigste und exquisiteste stück der ganzen ausstellung ist.

1. http://designmuseum.org/media/item/79665/4636/jasper-morrison-handlebar-table-final-1.pdf. accessed 30.01.2013

farbenfroh, plastik, kindisch. pipe dreams von jerszy seymour für magis. und der erste imac.

Extraordinary Stories About Ordinary Things Design Museum London Hallesche Service Marguerite Friedlaender Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin Marcel Breuer

hallesche service von marguerite friedlaender für die königliche-porzellan manufaktur berlin in einem regal und über marcel breuer stühlen

extraordinary stories about ordinary things @ design museum london

handlebar table von jasper morrison



imm cologne 2013: spree trifft rhein

Donnerstag, 31. Januar 2013

wie eh und je konnten berliner designtalente in den hallen der imm köln entdeckt werden. nicht allein in gestalt von herstellern oder von herstellern präsentierten designern. ein paar berliner designer waren darüber hinaus ganz „anonym” mit accessoires auf ständen von herstellern präsent, mit denen sie sonst keinerlei verbindung haben. man muss nur wissen, wo man suchen muss … und das haben wir. weiter unten findet ihr eine liste von berliner designern, herstellern und designs, die wir auf der imm köln 2013 entdeckt haben. und, wie immer, entschuldigung an alle, die wir übersehen haben. nehmt es nicht persönlich, es lag schlichtweg an einem mangel an augen und zeit!

klickt einfach auf ein bild, um es zu vergrößern oder, so vorhanden, den betreffenden post dazu zu lesen. viel spaß!

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Tam Tam Fabien Dumastam tam 3+5 von fabien dumas für marset, gesehen @ kettal

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Workframe Michael Hilgers Müller Möbelwerkstattworkframe von michael hilgers für müller möbelwerkstätten

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Ficelle Osko + Deichmann Lignet Rosetficelle von osko + deichmann für ligne roset

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein And A And Be And Not Camilla Richterand a and be and Not von camilla richter

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein llot llov Lucillelucille von llot llov, gesehen @ piure

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Rupert Kopp Roxxane Nimbusroxxane von rupert kopp für nimbus

IMM Cologne 2013 Coordinationcoordination

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Roomsafariroomsafari

atelier haußmann

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Werener Aisslinger DS 144 de sededs 144 von werner aisslinger für de sede

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Egon Eiermann Richard Lampertegon eiermann regalsystem bei lampert

IMM Cologne 2013 Spree meets Rhein Workframe Delphin Design Müller Möbelfabrikationdelphin design für müller möbelfabrikation



galerie erstererster: die komplexität des einfachen

Montag, 28. Januar 2013

am ersten wochenende des februars 2013 wird es in der berliner galerie erstererster das erste event des jahres geben. unter dem titel “die komplexität des einfachen” haben benedikt gnadt und christof flötotto eine ausstellung kuratiert, welche die entwicklung eines modernen stuhls aus 100% holz untersucht. „wie bitte?” hören wir euch schreien. „was?” was ist komplex daran, ein paar holzstücke zusammenzufügen? das machen wir doch seit jahrtausenden! es geht ja hier nicht etwa um die entwicklung neuer materialien oder den versuch…

am beispiel des rip chair des berliner designstudios läufer + keichel für den berliner hersteller schneiderschram zielt “die komplexität des einfachen” darauf ab, zu erläutern, wie viel arbeit, überlegung, diskussion, blut, schweiß, tränen und letztendlich design eigentlich notwendig sind, um ein scheinbar einfaches und naheliegendes objekt zu erschaffen. und dennoch: ein scheinbar einfaches und naheliegendes objekt, welches das holzstuhl-“genre” erneuert und dabei hilft, es voranzubringen, indem es uns darüber belehrt, was eigentlich möglich ist und wie. einfach zwei holzstücke zusammenzufügen, lieber leser, hat nie und wird niemals irgendetwas anderes hervorbringen als zwei zusammengefügte holzstücke … einzelstücke auf golgotha ausgenommen.

desinger und hersteller werden der vernissage am donnerstag, den 31. januar, beiwohnen und auch der finissage am 3. februar. julia läufer und marcus keichel werden ein gespräch über das “making of the rip chair” moderieren. die vernissage am 31.1. und die finissage am 3.2. beginnen jeweils um 19 uhr. das gespräch am 3.2. folgt um 20 uhr. vollständige ausstellungsdetails gibt es unter http://www.erstererster.de.

„die komplexität des einfachen“

31. januar bis 3. februar 2013

@ galerie erstererster

pappelallee 69 in 10437 berlin

http://www.erstererster.de

rip chair von läufer + keichel für schneiderschram

das ist ganz ehrlich das erste, woran wir denken, wann immer wir “vernissage in der galerie erstererster berlin” hören…



willkommen im kaufhaus des ostens

Samstag, 01. Dezember 2012

als wir neulich vor dem regen in den bücherbogen am savignyplatz flohen, stolperten wir über eine seltene kostbarkeit: eine wiederauflage des 1984er kataloges zum projekt und der ausstellung „kaufhaus des ostens“ der hochschule der künste. ehrlich gesagt wissen wir nicht, wer den katalog wann und warum neu aufgelegt hat. wir haben einfach ein exemplar gekauft und seitdem unsere freude daran.

unter der leitung von andreas brandolini und joachim stanitzek, zwei führenden vertretern  der „neues deutsches design”-bewegung, zusammen mit dem jungen jasper morrison, war und ist „kaufhaus des ostens” eine der ersten öffentlichen belege der unter jungen deutschen designern in den frühen 80ern vorherrschenden neuen denkart. diese generation war der seinerzeit im design dominanten und massgeblichen „guten form“ und des bauhaus-inspirierten nachkriegsfunktionalismus müde. das projekt war ebenso eine erkundung der beziehungen zwischen designern und der industrie, oder, wie axel stumpf es im vorwort zum katalog ausdrückte: „die großindustrie ist das betätigungsfeld des industriedesigners. aber die industrie hat kaum bedarf an noch mehr designern. also kann der designer sich nicht einbringen – so einfach ist das”. dieser subtext wird auch in der verdrehung der abkürzung wiedergespiegelt: „kaufhaus des ostens – kdo– kampf der ohnmacht”.  die antwort der berliner designer war, objekte aus dem zu schaffen, was die industrie bereits produziert hatte oder anderweitig fertig zur verfügung stellte. dies war insofern rebellisch, als sie den beabsichtigten zweck eines produktes änderten, dessen hersteller-industrie einem sagte, sie würde einen nicht brauchen.

oder wie es jasper morrison so schön formulierte: „als marcel breuer einen fahrradlenker sah, beschloss er, stühle unter der verwendung desselben industriellen verfahrens zu bauen. wenn der neue-welt-konstrukteur einen fahrradlenker sieht, beschließt er, sie so zu verwenden wie sie sind, und sich die mühe und die kosten des rohrbiegens zu sparen“. das bringt uns bei jedem lesen erneut zum lachen. der katalog ist eine wahre fundgrube von aus zweckentfremdeten konsumgütern und industrieprodukten kreierten möbeln. möbel aus alltagsgegenständen mögen heutzutage ein fester bestandteil aller studentischen ausstellugen und messen für junge designer sein – nicht zuletzt aufgrund des einflusses der upcycling-bewegung, aber in den früheren 80ern war derartiges alles andere als normal. es war fast subversiv. und sicherlich unbedacht.

trotz des radikalen charakters darf man sagen, dass “kaufhaus des ostens” die welt nicht verändert hat, und dass deutsches design immer noch weitgehend als eine dieter-rams-traumwelt klarer, linearer formen vermarktet wird. aber kdo hinterließ einen deutlichen fußabdruck: sowohl in der entwicklung des zeitgenössischen deutschen designs als auch in der methode des designunterrichts an der udk, und stellt damit ein wichtiges moment für die geschichte des designs in berlin dar. und dies nicht allein wegen jasper morrisons poetischer beschreibung dessen, was ein junger industriedesigner in betracht ziehen wollte, wenn er an einem morgen durch berlin reist…

* alle zitatat und bilder sind aus dem verkaufskatalog “kaufhaus des ostens”, hochschule der künste. berlin, 1984.

Kaufhaus des Ostens

kaufhaus des ostens

Kaufhaus des Ostens stiletto

consumer’s rest by stiletto. 1984 teil von kaufhaus des ostens – 2012 teil zahlreicher dauerausstellungen, wie dem v&a london, dem vitra design museum weil am rhein und dem cooper-hewitt national design museum new york.

Kaufhaus des Ostens Inge Sommer

die notorious collection “zusammengestellt” von inge sommer. oder prof. inge sommer wie sie mittlerweile an der udk berlin bekannt ist.



eames by vitra im stilwerk

Sonntag, 25. November 2012

bis mitte november hatten alle in oder um berlin die möglichkeit, die ausstellung “eames by vitra” im stilwerk zu besuchen und somit die nahezu komplette sammlung von charles und ray eames’ kreationen für vitra zu bewundern. die exponate wurden durch videos, photos und texte ergänzt, welche die entstehung der objekte erläuterten. es war nichts besonders neues oder revolutionäres als solches, das zusammentragen der objekte an einen ort bot jedoch eine wunderbare gelegenheit, zwei der wichtigsten protagonisten in der möbeldesigngeschichte des 20. jahrhunderts kennenzulernen und ein gefühl für die entwicklung ihrer projekte zu bekommen.

für alle, die nicht vorbei kommen konnten, hier ein paar impressionen:

    
    
    
    
    


ausflug: herbstfarben mit thonet

Montag, 12. November 2012

thonet hatte wohl beschlossen, in diesem herbst noch zusätzlich farbe in unser leben zu bringen. jedenfalls hatten wir diesen eindruck auf der orgatec 2012. als fortsetzung der einführung von farbe in ihrer 404/5/6-serie von stefan dietz und bei mart stams klassiker s 43 präsentierte thonet in köln die brandneue 330-kollektion von läufer & keichel aus berlin. inspiriert vom „ambiente der theaterbühnen, literaturcafés und künstlerateliers“, bilden die 330er eine entzückende familie von holzstühlen, weitgehend im einklang mit der thonet-tradition, deren farben in jeder hinsicht so eindrucksvoll sind wie die reduzierte gestalt und ergonomische form. obwohl er uns auf der orgatec vorgestellt wurde, finden wir, dass der 330 kein bürostuhl im engeren sinn ist, sondern sich sehr für den hausgebrauch oder auch die gastronomie empfiehlt. auf der orgatec avancierte der 330 zu einem echten schmuckstück und passte auch perfekt in das herbstliche ambiente.

außer angenehmen farben präsentierte thonet das neue s 180-programm des berliner designstudios delphin design – eine erweiterung und weiterentwicklung der bestehenden programme s 160 und s 170. weiterhin konnten wir den stuhl s 774 bewundern, auf den die firma – zu recht – sehr stolz sein kann. der in zusammenarbeit mit kegelmann technik entwickelte s 774 ist eine neuinterpreatation von eddie harlis’ 1954er holzstuhl s 664. er kombiniert die werkstoffe kohlenstofffaser, plastik und epoxidharz unter verwendung der harzspritzpresstechnologie, die eigentlich für die automobilindustrie typisch ist. als erster mit diesem verfahren hergestellter stuhl bietet der s 774 nicht nur eine bestechende “hinter-glas”-optik, sondern verbessert auch den komfort und die haltbarkeit des ursprünglichen designs von harlis. ein stuhl und ein verfahren, auf die wir vermutlich regelmäßig zurückkommen werden…



neues berlin-designbuch

Donnerstag, 08. November 2012

das neue zitty-designbuch ist da! sein schwerpunkt liegt diesmal auf dem thema arbeit. es geht dabei unter anderem um die ausgestaltung von arbeitsplätzen. wie sah ein arbeitsplatz gestern aus? und wie gestaltet er sich in der zukunft? auch möbeldesign spielt eine große rolle. klassiker aus dem bauhaus archiv werden vorgestellt. erzählt wird zum beispiel die geschichte des berühmten bürostuhls mirra. der leser bekommt zudem interessante einblicke in verschiedene berliner büros, vom finanzministerium bis zum kreativhauptquartier von dawanda. ein serviceteil bietet rund 300 berliner design(er)adressen. weitere infos über das designbuch findet ihr hier. das zweisprachige “zitty spezial: designbuch 2012/2013″ ist für € 12,50 zu haben. und bestellen könnt ihr es hier!



ausflug: der herbst wird bunt!

Dienstag, 23. Oktober 2012

rechtzeitig zur zeitumstellung, drehen auch zwei deutsche museen die uhr zurück und zeigen kunterbunte ausstellungen, um unseren dunklen, beinah winterlichen alltag zu erhellen: das museum für kunst und gewerbe der stadt hamburg beherbergt seit samstag die ehemalige kantine des spiegel-verlags, designt von verner panton. und das vitra design museum in weil am rhein zeigt noch bis ende februar 2013 “pop art design”.

das museum für kunst und gewerbe hamburg landete mit der panton-kantine einen wahrhaftigen coup. 1969 wurde verner panton beauftragt, verschiedene räume des damals neuen gebäudes des spiegel-verlags in hamburg zu gestalten, inklusive eines prächtigen schwimmbads! brände und andere katastrophen führten im laufe der jahre dazu, dass leider nur die kantine bis ins 21. jahrhundert überlebte. während sich die meisten menschen vorstellen, wo raoul duke und seinesgleichen essen durften, konzentrieren wir uns lieber auf die designdetails: die pantonsche spiegel-kantine kann wohl neben der visiona 2-installation von 1970 als die vollendung der farbforschung und -nutzung in innenräumen schlechthin gesehen werden. panton mag zwar nach 1970 noch weitere objekte geschaffen haben, ob diese besser waren bleibt aber zu diskutieren. als der spiegel entschied, seinen firmensitz zu verlegen, kam natürlich die frage auf, was mit der “panton-kantine” in all ihrer fluoreszierenden herrlichkeit geschehen soll. anstatt diese im neuen spiegel-zuhause wieder aufzubauen, wurde die entscheidung getroffen, sie dem städtischen museum für kunst und gewerbe zu übergeben, wo sie nicht nur von besuchern bestaunt, sondern auch als ultimative hamburger event-location vermietet werden kann. wir haben die installation noch nicht gesehen, werden euch aber wissen lassen, sobald wir dies tun.

gemeinsam mit dem louisiana museum of modern art in kopenhagen und dem moderna museet stockholm präsentiert das vitra design museum in weil am rhein die ausstellung „pop art design“ – mit rund 140 objekten. ausgehend von den objekten – zur hälfte kunst, zur hälfte design – wird der dialog zwischen kunst und design während der 50er bis 70er jahre erforscht und erklärt. mit werken von andy warhol, george nelson, roy lichtenstein, charles und ray eames, claes oldenburg und achille castiglioni, geht die ausstellung der frage, wo denn nun grenze zwischen kunst und design liegt, tiefer auf den grund, als wir es je erlebt haben. leider beantwortet auch diese ausstellung die frage nicht … lässt aber die möglichkeit aufkommen, dass es höchstwahrscheinlich keine grenze gibt.

die ausstellung beleuchtet zunächst entwicklungen und menschen, welche die pop art-bewegung begründet oder geprägt haben. danach widmet sie sich einer reihe ausstellungsrelevanter themen, die alle anhand von werken und objekten belegt oder diskutiert werden. die ausstellung veranschaulicht wunderbar, wie ähnlich pop art der nachkriegskunst und dem damaligen design war und welches wechselspiel zwischen den beiden richtungen existiert. jedoch zeigt sie den besuchern auch auf, wie bedeutend pop art selbst heute noch immer in der zeitgenössischen kunst und im design ist. die besucher können herbert hirches hf 1-fernsehstehgerät gleich neben andy warhols brillo box bewundern. vielleicht ein moment, der uns denken lässt, dass pop art uns das iphone gebracht hat … wenn auch über eine lange und zusammengereimte kette von ereignissen.

die spiegel-kantine kann im museum für kunst und gewerbe hamburg während der üblichen öffnungszeiten besichtigt werden. „pop art design“ im vitra design museum läuft bis zum 3. februar 2013. die ausstellung wird von einem rahmenprogramm mit vorträgen, führungen und anderen tollen ereignissen begleitet. beide ausstellungen halten, wir brauchen es eigentlich nicht zu erwähnen, genug farbe bereit, um selbst den dunkelsten wintertag zu erhellen…