uns gefällt der gedanke, dass im jahre 2008 jemand von der fakultät für architektur des karlsruher instituts für technologie zu oft “schwarz zu blau” von peter fox hörte und sich irgendwann dachte, dass sie, wenn sie je ein brutalismus-symposium organisieren würden, das unbedingt in berlin machen müssten. wir vermuten mal, dass die geschichte nicht wahr ist, aber wir halten einfach weiterhin daran fest. und was auch immer die veranstalter dazu veranlasste, am 10. und 11. mai findet das symposium nun auf jeden fall tatsächlich in berlin statt, und zwar in der akademie der künste.
als vielschichtige antwort auf die unzufriedenheit mit der moderne, ging die brutalismus-bewegung gewissermaßen aus dem congrès international d’architecture moderne von 1953 in aix-en-provence hervor, als sich das sogenannte team 10 von dem kongress löste, um ein eigenes manifest zu verfolgen. und im kontext des brutalismus halten wir es durchaus für gerechtfertigt den terminus “manifest” zu verwenden, da es beim brutalismus schon immer um mehr ging als nur architektur: im weitesten sinne wird der architekturstil nämlich auch als soziale theorie verstanden, die sich das ziel gesetzt hat, soziale probleme zu lösen – viele davon sind noch heute so relavant wie zur blütezeit der bewegung – und ein wunderbares sowie recht populäres beispiel für den frühen “sozialen brutalismus” findet sich praktischweise mit le corbusiers unité d’habitation alias dem corbusierhaus in berlin.
doch trotz des wesens der bewegung sind die meisten menschen vor allem mit der physischen erscheinung brutalistischer architektur vertraut: wohnstrukturen, die sich wie hefeextrakt ausbreiten und die man nur lieben oder hassen kann – einen mittelweg gibt es da nicht. aber genau das ist es wahrscheinlich, was den brutalismus so attraktiv für moderne architekten macht. vereinfacht, auf das wesentliche reduziert und doch auffällig: die formalen merkmale des brutalismus bieten architekten die möglichkeit umweltgerechte sowie sozialverantwortliche gebäude mit einem relativ geringen budget zu konstruieren; und das mit einem ziemlich sicheren medienecho. das gilt besonders für die kommunikationsbedingungen im internetzeitalter, wo zudem jede aufnahme einer brutalistischen form per se für eine rasend schnelle verbreitung sorgt. doch wie gesagt, ist das hauptsächlich der formgebung und weniger der sozialen komponente zu verdanken.
und was wurde aus den ursprünglichen zielen des brutalismus? sind die überhaupt noch relevant? erreichbar? eigentlich erstrebenswert? hat der brutalismus eine zukunft als überarbeitete massenbewegung und wenn ja, wie könnte die aussehen? diese und andere fragen werden mit ziemlicher sicherheit im symposium besprochen werden. und dafür haben die organisatoren natürlich ein beeindruckendes team internationaler experten zusammengetrommelt. (peter fox ist leider nicht unter ihnen…)
“brutalismus. architekturen zwischen alltag, poesie und theorie – internationales symposium” wird von der wüstenrot stifung in zusammenarbeit mit dem lehrstuhl für architekturtheorie und dem masterstudiengang altbauinstandsetzung des karlsruher instituts für technologie (kit) organisiert und findet in der akademie der künste im hanseatenweg 10, 10557 berlin statt.
mehr infos, anmeldeinformationen und eine liste der sprecher gibt’s unter http://brutalismus.com












