Archiv für die Kategorie ‘industriedesign’


sinnfindung im erbe von mies van der rohe

Samstag, 11. Mai 2013

an der udk könnt ihr momentan eine sehr interessante ausstellung besuchen. “sinnfindung im erbe von mies van der rohe. werk werner blaser – edition löffler” gewährt euch den blick eines zeitzeugen der moderne auf die damalige welt. das erbe von mies van der rohe bildet dabei den rahmen für das fotografische lebenswerk des schweizer architekten und publizisten werner blaser. im mittelpunkt der ausstellung stehen die bauwerke van der rohes sowie klassische japanische architektur. die intensive auseinandersetzung mit dem menschen und dem werk van der rohes spiegelt sich vor allem auch in den eigenen möbelentwürfen blasers wider. die edition löffler zeigt uns seine selbst gefertigten möbel sowie einen dokumentarfilm über den mittlerweile 89-jährigen. ein besuch lohnt sich! der eintritt ist frei.

sinnfindung im erbe von mies van der rohe. werk werner blaser – edition löffler

25. april bis 30. mai 2013, mo bis sa von 10 bis 19 uhr

@ udk berlin, eingangshalle und quergalerie

hardenbergstraße 33  in berlin

http://www.udk-berlin.de/sites/content/themen/aktuelles/index_ger.html?infoID=e209209



berliner designpioniere: peter behrens

Dienstag, 30. April 2013

es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass 99% der berlinbesucher mit einer erinnerung an die arbeiten von peter behrens, einem der ersten und bedeutendsten industriedesigner, nach hause zurückfahren. und es ist ebenso wahr, das 99,9% davon in glückseliger unwissenheit eben dieses umstandes leben. und das passt irgendwie zu dem mann, der sowohl dazu beitrug die hinwendung zum modernismus zu definieren sowie die karrieren vieler der bekanntesten vertreter desselben modernismus ins rollen zu bringen, selbst aber weitgehend unbekannt geblieben ist…

1868 in hamburg geboren, studierte peter behrens zunächst malerei, ehe liebäugeleien mit dem jugendstil ihn zum glas- und keramikdesign sowie verwandten handwerken brachten. 1899 trat peter behrens der darmstädter künstlerkolonie bei, ein schritt, der ihn dazu ermunterte, sein erstes architektonisches projekt in angriff zu nehmen und sich generell weiter von “reiner” zu angewandter kunst hin zu bewegen. 1904 verließ er darmstadt, um einer ernennung zum direktor der kunstgewerbeschule düsseldorf zu folgen, ehe er 1907 in berlin sein eigenes archtitekturbüro gründete. eigentlich war es in neubabelsberg, aber wir wollen, wenn ihr nicht darauf besteht, keine haarspalterei betreiben.

die aeg-turbinenhalle in berlin von peter behrens

ebenfalls im jahre 1907 nahm er die einladung an, als “künstlerischer berater” für den deutschen elektrikwarenhersteller aeg tätig zu werden: eine stelle, die peter behrens nicht nur als einen der ersten industrie- bzw. corporate-designer etablierte, sondern auch den beginn seiner einflussnahme auf die architektur berlins markiert. im sinne eines vorzeitlichen dieter rams war peter behrens bei der aeg für die entwicklung und kontrolle aller aspekte der firmenmarke verantwortlich: von aschenbechern und uhren über logos und werbebroschüren bis hin zu gebäuden – bauten, die heute noch als wunderbare zeugen der menschheit und ihrer ideen in berlin stehen.

angefangen mit der majestätischen turbinenhalle in moabit aus dem jahre 1909, vollendete peter behrens im folgenden jahrzehnt, neben fabrikgebäuden und fertigungshallen, wohnsiedlungen für aeg-arbeiter, zum beispiel in oberschöneweide oder lichtenberg. zwei sehr gut zugängliche beispiele von peter behrens’ zusammenarbeit mit der aeg kann man entlang der linie u8 entdecken. von der aeg 1907 als “gn-linie” geplant, die gesundbrunnen mit neukölln verbinden sollte, wurde die planung und verwirklichung der heute als u8 bekannten u-bahnlinie weitgehend von alfred grenader geleitet, allerdings sind die stationen bernauer straße und moritzplatz werke von peter behrens. sehr typische beispiele übrigens. die arbeiten peter behrens’, eines bekennenden und bekannten bewunderers schinkels, schreien nach der vergangenheit. aber sie schreien im schlichten verständnis des jugendstils. klar, es finden sich säulen und bögen in seinen bauten. aber diese sind – im gegensatz zu den übermütigen dekorationen von ehedem –  nüchterne technische strukturen. insofern bildet peter behrens’ schaffen unbestreitbar eine brücke zwischen neoklassizismus und modernismus. eine brücke, die peter behrens 1930 in voller länge mit seinen monumentalen bauten alexanderhaus und berolinahaus am alexanderpaltz überschritt – zwei der besten beispiele für den späten europäischen modernismus in berlin. und leider auch zwei der am zuverlässigsten übersehenen meisterwerke in der stadt.

alexanderhaus von peter behrens am alexanderplatz

peter behrens’ einfluss auf die entwicklung von design und architektur geht dabei über die von ihm verwirklichten gebäude hinaus. um zum vergleich mit dieter rams zurückzukehren: auch peter behrens hatte bedeutenden einfluss auf folgende generationen von designern und architekten. kurz vor seiner offiziellen anstellung bei der aeg veröffentlichte peter behrens ein essay mit dem titel “kunst und technik”, in dem er zugunsten einer engeren zusammenarbeit der künste mit der industrie argumentierte. es war eine der ersten schriften mit diesem tenor und ein text, in dem zum beispiel viele der grundgedanken des bauhauses zu finden sind. zusätzlich entströmte eine konstante anzahl vielversprechender junger architekten den türen peter behrens’ studios in babelsberg: vielversprechende junge architekten die von einem mann zu lernen hofften, dessen arbeiten sie respektierten und bewunderten. darunter sind le corbusier, mies van der rohe und walter gropius nur drei der klangvollen namen derer, die in den jahren vor dem ersten weltkrieg mit und für peter behrens arbeiteten.

obwohl peter behrens zugegebenermaßen zu anderen städten und regionen engere beziehungen hatte als zu berlin, war die zeit, die er in berlin verbrachte nicht nur für seine eigene karriere entscheidend, sondern vor allem für den erfolg des europäischen modernismus, des bauhauses und dessen, was wir heute unter industriedesign verstehen. und damit gehört peter behrens in das pantheon der berliner designpioniere. wir werden in den nächsten monaten das werk und das erbe peter behrens‘ eingehender betrachten. aber für heute erstmal ein paar fotos einiger seiner berliner arbeiten.

und wo bleibt das eingangs erwähnte allgegenwärtige behrens-andenken? nun, der schriftzug „dem deutschen volke“ am reichstagsgebäude ist in einer speziell für dieses bauprojekt von peter behrens und anne simmons entwickelten schrifttype eingraviert. und welcher tourist macht kein foto vom reichstag?



innovatives schweden @ felleshus berlin

Freitag, 26. April 2013

berlin ist die kreative hauptstadt europas, wenn nicht gar der welt. nicht allein im design, sondern auch hinsichtlich innovation und technologie. und natürlich ist es auch ein brutkasten für start-ups. jeder weiß das. weil es jeder irgendwo liest. folglich mag es überraschend sein, zu erfahren, dass innovative kreativität auch in anderen ländern und städten zu finden ist. nein, jetzt mal echt. bis zum 3. mai 2013 präsentiert das fellushus berlin eine jungen, innovativen schwedischen start-ups gewidmete ausstellung. innovatives schweden, kuratiert vom schwedischen institut, präsentiert 20 projekte – von berührungsloser interface-technology über brennstoff-ladegräte bis hin zu tragbaren wegwerftoiletten.

aber weit mehr als eine einfache vorstellung der projekte ist “innovatives schweden” als wanderausstellung auch eine einladung an lokale kreative, ideen und erfahrungen mit ihren schwedischen kollegen auszutauschen. also hat das schwedische institut zusätzlich zur ausstellung ein programm an diskussionen und symposien organisiert, um mögliche deutsch-schwedische kooperationen zu erforschen. all das begann am 12. märz mit einer eintätgigen konferenz unter dem titel “innovation und unternehmertum: die ansätze in schweden und deutschland”. in den kommenden wochen werden ähnliche veranstaltungen zu kunst, energie und gesundheit stattfinden.

auf unserem spaziergang durch das felleshus erinnerten wir uns beim betrachten der projekte an die ausstellung “industriedesign made in berlin” aus dem jahr 2011, eine wanderausstellung des berliner senats und der ihk zur promotion berliner designs. damals schrieben wir: “…aber wenn die vorstellung des berliner senats davon, berlins ruf als designstadt zu stärken, darin besteht, die welt mit einem preisgekrönten bürostuhl zu bereisen, der schon seit 2009 auf dem markt ist”, dann wird es uns, wenn ihr gestattet, nicht den atem verschlagen“. “innovatives schweden” hingegen liefert ein wunderbares beispiel, was mit ein bisschen vorstellungskraft erreicht werden kann. oder mit ein bisschen kreativität, könnte man auch sagen, aber das klänge läppisch.

“innovatives schweden” läuft im felleshus, nordische botschaften, rauchstrasse 1 in 10787 berlin, noch bis zum 3. mai 2013. die projekte werden auf deutsch und englisch vorgestellt. weitere details und das veranstaltungsprogramm findet ihr unter: http://www.nordischebotschaften.org



der handlebar table von jasper morrison

Montag, 25. Februar 2013

in unserem post über das projekt “kaufhaus des ostens” von 1984 der udk berlin haben wir ausführlich jasper morrisons essay im austellungskatalog, “the poet will not polish”, zitiert, in welchem er neue denkweisen im design diskutiert, insbesondere: “als marcel breuer eine fahrradlenkerstange sah, beschloss er, stühle mit demselben industriellen verfahren herzustellen. der neue welt-konstrukteur beschließt, die lenkerstange so zu verwenden, wie sie ist, und sich die mühe und kosten zu sparen, sie selbst zurechtzubiegen.“ handfeste beweise für das, was er damit meinte, sind jetzt in der neuen dauerausstellung “extraordinary stories about ordinary things” der sammlung des design museums london zu sehen.

handlebar table von jasper morrison in “extraordinary stories about ordinary things”, design museum london

den “handlebar table” hat morrison 1983 noch während seiner studienzeit an der kingston polytechnic entworfen und war nach morrisons eigenen Angaben sein erstes “kommerzielles” produkt.1. 10 stück wurden produziert und der junge morrison verdiente stolze 80 pfund pro verkauftem tisch. was vermutlich mehr pro stück ist, als er an vielen seiner jüngeren produkten verdiente – die inflation nicht berücksichtigt. gefertigt aus buche, glas und aluminium, ist der handlebar table einerseits ein typisches produkt seiner zeit, zu der junge designer versuchten, mit etablierten normen zu brechen und eine rolle für den neuen beruf des industriellen produktdesigners zu definieren. aber es ist gleichermaßen nach wie vor eine bezaubernde arbeit, und wenn man davorsteht – wie wir es in london das erste mal taten – erkennt man, wie maßgebend es bis heute ist. bezüglich des berliner designs zeigt der handlebar table, warum sich morrison so leicht in die entstehende “neue deutsche design”-bewegung um leute wie joachim stanitzek, andreas brandolini und axel kufus integrieren und so dazu beitragen konnte, dass das „kaufhaus des ostens“ ein so faszinierendes und bedeutendes projekt wurde.

“extraordinary stories about ordinary things” im design museum london

 2015 wird das london design museum umziehen und die ausstellung “extraordinary stories about ordinary things” repräsentiert auf vielfältige weise den offiziellen beginn dieses prozesses. nach dem umzug sieht die planung eine erweiterung der ständigen sammlung auf basis von “extraordinary stories about ordinary things” vor. und die, mit dieser ausstellung geschaffene basis verheißt einen späteren erfolg. mit den sechs in sich geschlossenen installationen zur erläuterung von design ist “extraordinary stories about ordinary things” wahrscheinlich nicht die vollständigste ausstellung, die man sich vorstellen kann, aber sie bietet ein amüsantes herumtoben durch’s design und nebenbei die ein oder andere neue erkenntnis. sowie eine wirklich faszinierende mischung von ausstellungsstücken.

außer dem handlebar table besteht eine beziehung zum berliner design auch durch jerszy symours gießkanne “pipe dreams” für magis aus dem jahr 2000 – ein objekt, das brillanter weiser, wirklich absolut brillant, neben jonathan ive und seinem mac ausgestellt wird – sowie durch das etwas ältere “hallesche service” von marguerite friedlaender für die königliche porzellan-manufaktur berlin – ein erfreulich reduziertes kaffeeservice aus keramik, das den weg für die moderne in sachen wohnaccessoires ebnete.

“extraordinary stories about ordinary things” im design museum london ist während der normalen öffnungszeiten des museums zu besichtigen. wir können jedem, der in london ist, einen besuch von ganzem herzen empfehlen. und dies nicht allein wegen des handlebar tables von jasper morrison. obwohl es das großartigste und exquisiteste stück der ganzen ausstellung ist.

1. http://designmuseum.org/media/item/79665/4636/jasper-morrison-handlebar-table-final-1.pdf. accessed 30.01.2013

farbenfroh, plastik, kindisch. pipe dreams von jerszy seymour für magis. und der erste imac.

Extraordinary Stories About Ordinary Things Design Museum London Hallesche Service Marguerite Friedlaender Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin Marcel Breuer

hallesche service von marguerite friedlaender für die königliche-porzellan manufaktur berlin in einem regal und über marcel breuer stühlen

extraordinary stories about ordinary things @ design museum london

handlebar table von jasper morrison



willkommen im kaufhaus des ostens

Samstag, 01. Dezember 2012

als wir neulich vor dem regen in den bücherbogen am savignyplatz flohen, stolperten wir über eine seltene kostbarkeit: eine wiederauflage des 1984er kataloges zum projekt und der ausstellung „kaufhaus des ostens“ der hochschule der künste. ehrlich gesagt wissen wir nicht, wer den katalog wann und warum neu aufgelegt hat. wir haben einfach ein exemplar gekauft und seitdem unsere freude daran.

unter der leitung von andreas brandolini und joachim stanitzek, zwei führenden vertretern  der „neues deutsches design”-bewegung, zusammen mit dem jungen jasper morrison, war und ist „kaufhaus des ostens” eine der ersten öffentlichen belege der unter jungen deutschen designern in den frühen 80ern vorherrschenden neuen denkart. diese generation war der seinerzeit im design dominanten und massgeblichen „guten form“ und des bauhaus-inspirierten nachkriegsfunktionalismus müde. das projekt war ebenso eine erkundung der beziehungen zwischen designern und der industrie, oder, wie axel stumpf es im vorwort zum katalog ausdrückte: „die großindustrie ist das betätigungsfeld des industriedesigners. aber die industrie hat kaum bedarf an noch mehr designern. also kann der designer sich nicht einbringen – so einfach ist das”. dieser subtext wird auch in der verdrehung der abkürzung wiedergespiegelt: „kaufhaus des ostens – kdo– kampf der ohnmacht”.  die antwort der berliner designer war, objekte aus dem zu schaffen, was die industrie bereits produziert hatte oder anderweitig fertig zur verfügung stellte. dies war insofern rebellisch, als sie den beabsichtigten zweck eines produktes änderten, dessen hersteller-industrie einem sagte, sie würde einen nicht brauchen.

oder wie es jasper morrison so schön formulierte: „als marcel breuer einen fahrradlenker sah, beschloss er, stühle unter der verwendung desselben industriellen verfahrens zu bauen. wenn der neue-welt-konstrukteur einen fahrradlenker sieht, beschließt er, sie so zu verwenden wie sie sind, und sich die mühe und die kosten des rohrbiegens zu sparen“. das bringt uns bei jedem lesen erneut zum lachen. der katalog ist eine wahre fundgrube von aus zweckentfremdeten konsumgütern und industrieprodukten kreierten möbeln. möbel aus alltagsgegenständen mögen heutzutage ein fester bestandteil aller studentischen ausstellugen und messen für junge designer sein – nicht zuletzt aufgrund des einflusses der upcycling-bewegung, aber in den früheren 80ern war derartiges alles andere als normal. es war fast subversiv. und sicherlich unbedacht.

trotz des radikalen charakters darf man sagen, dass “kaufhaus des ostens” die welt nicht verändert hat, und dass deutsches design immer noch weitgehend als eine dieter-rams-traumwelt klarer, linearer formen vermarktet wird. aber kdo hinterließ einen deutlichen fußabdruck: sowohl in der entwicklung des zeitgenössischen deutschen designs als auch in der methode des designunterrichts an der udk, und stellt damit ein wichtiges moment für die geschichte des designs in berlin dar. und dies nicht allein wegen jasper morrisons poetischer beschreibung dessen, was ein junger industriedesigner in betracht ziehen wollte, wenn er an einem morgen durch berlin reist…

* alle zitatat und bilder sind aus dem verkaufskatalog “kaufhaus des ostens”, hochschule der künste. berlin, 1984.

Kaufhaus des Ostens

kaufhaus des ostens

Kaufhaus des Ostens stiletto

consumer’s rest by stiletto. 1984 teil von kaufhaus des ostens – 2012 teil zahlreicher dauerausstellungen, wie dem v&a london, dem vitra design museum weil am rhein und dem cooper-hewitt national design museum new york.

Kaufhaus des Ostens Inge Sommer

die notorious collection “zusammengestellt” von inge sommer. oder prof. inge sommer wie sie mittlerweile an der udk berlin bekannt ist.



im inneren der apparate

Mittwoch, 28. November 2012

die aktuelle ausstellung im werkbundarchiv – museum der dinge beschäftigt sich mit dem inneren verschiedenster gebrauchtgegenstände. matias bechtolds “im inneren der apparate” macht auf besondere eigenschaften technischer gehäuse aufmerksam, indem das innere von apparaten als lebensraum umgedeutet wird. wo dieser innenraum dem normalen nutzer nur von der funktion des jeweiligen gerätes bestimmt zu sein scheint, zeigt matias bechtold andere welten. so sieht der betrachter auf einmal nicht mehr eine tv-rückwand, sondern eine technoide architektur oder gar ein cockpit – aus einem handstaubsauger wird ein raumschiff. sehr raffiniert!

im inneren der apparate. objekte von matias bechtold und dinge aus den sammlungen des museums

17.11.2012 – 18.02.2013

@ werkbundarchiv – museum der dinge

oranienstraße 25 in 10999 berlin

tel 921063-11

http://www.museumderdinge.de/programm/ausstellungen/



gesundheit & design

Freitag, 09. November 2012

die preisträger des wettbewerbs „design & gesundheitswirtschaft” stehen fest! zu den glücklichen gewinnern zählen das architekturbüro graft, art+com, die charité berlin, die designer anne geier und simon bredt, das designbüro ion design sowie somatex medical technologies. der kreativwettbewerb wurde von den ländern berlin und brandenburg ausgelobt und war mit insgesamt € 60.000 dotiert. ziel der ausschreibung war es, zusätzliche impulse für innovationskooperationen zwischen der kreativbranche und der gesundheitswirtschaft in der hauptstadtregion zu geben. details zu den projekten findet ihr hier.



handmade in germany

Dienstag, 23. Oktober 2012

die aktuelle ausstellung im direktorenhaus “handmade in germany” zeigt neueste produkte von 30 design-meistern, innovativen herstellern und experimentellen designern. sie ist quasi eine verkürzte auflistung von objekten der aktuellen deutschen designszene und stellt uns interessante möbel, musikinstrumente, geschirr, inneneinrichtungen und vieles andere vor. und: sie belegt einmal mehr die qualitative design-ästhetik unseres landes. nach der exzessiven produktion des letzten jahrtausends, gibt es nun eine deutliche nachfrage nach begrenzt verfügbaren, qualitativ hochwertigen und einzigartigen produkten. “handmade in germany” vertritt eine auswahl von deutschen designern und manufakturen -  vom hoch spezialisierten handwerker bis hin zur fabrik. allen gemeinsam ist jedoch die qualität der arbeiten und die liebe zum detail…

handmade in germany

27. oktober bis zum 14. november 2012

direktorenhaus, ℅ illustrative e.v.

am krögel 2 in 10179 berlin

tel.  27595587

http://www.direktorenhaus.com/handmade_2012



spot on materials!

Freitag, 31. August 2012

am 19. september lädt die innotrans 2012 zum internationalen designforum “spot on materials – design and material creativity” ein. design und mobilität sind eng miteinander verknüpft. mobilität neu zu denken und zukunftssicher zu gestalten, ist eine der grundlegenden herausforderungen unserer zeit. das internationale designforum setzt einen inhaltlichen schwerpunkt auf die designrelevanten bereiche der messe. zwei expertenvorträge und eine podiumsdiskussion zeigen uns aktuelle schnittstellen zwischen design, material und innenausstattung von fahrzeugen des öffentlichen personenverkehrs auf. zudem gibt es eine ausstellung zu innovativen materialien der zuggestaltung. weitere infos zum event findet ihr hier.

internationales designforum “spot on materials – design and material creativity”

19. september 2012 von 13 bis 18 uhr

@ innotrans 2012, messe berlin, pti-hallenforum, halle 6.1

http://www.innotrans.de/EventsEventDB/EventDetails/index.jsp?eventDateId=223310



berliner designpioniere: herbert hirche bei braun

Freitag, 03. August 2012

jeder kennt ja die braun-story: dieter rams begann minimalistische, reduzierte produkte zu entwerfen, das ganze artete immer weiter aus und jetzt haben wir apple.

doch schon bevor dieter rams zu braun kam, arbeitete das unternehmen mit einigen designern, die in verbindung zum bauhaus und der neu gegründeten hochschule für gestaltung ulm standen, zusammen an projekten, die allesamt einer neugestaltung der audiovisuellen produkte aus dem firmenrepertoire galten. es waren auch die früchte ebendieser zusammenarbeit mit designern wie hans gugelot, wilhelm wagenfeld und herbert hirche, die bei der funkausstellung 1955 in düsseldorf kritisch gewürdigt wurden und die die neue richtung von braun bestimmen sollten. dieter rams beitrag bestand dann vor allem darin, diesen ansatz weiterzuführen – ähnlich wie carl lewis bei den olympischen sommerspielen 1984. hans gugelot, wilhelm wagenfeld und herbert hirche haben dabei eine ähnliche rolle wie die fast vergessenen staffelläufer ron brown, sam graddy und calvin smith, die zur historischen vierten goldmedaille beigetragen haben. so erhielt vor allem herbert hirche öffentliche anerkennung für seinen beitrag zur architektur und zum design im deutschland des 20. jahrhunderts.

HM 5 Herbert Hirche Braun Interbau Berlin, 1957

ein hm 5 von herbert hirche für braun in hirches wohnung im günther gottwald haus bei der interbau 1957 in berlin

herbert hirches wichtigsten beiträge zum braun produktkatalog sind u.a. die hm musiktruhenserie und der fernseher hf1.

die musiktruhen der hm-serie erinnern, quadratisch und hölzern wie sie sind, noch stark an ihre vorfahren aus der vorkriegszeit, doch sie bewegten sich schon in richtung der formalistischen designsprache, die später mit den rams-klassikern assoziiert werden sollte und waren, was für braun besonders wichtig war, ein allgegenwärtiger bestandteil der ausstellungswohnungen bei der interbau 57 in berlin. so wurden die jungen, finanziell unabhängigen interbau-besucher damals also in die zukunft des home-entertainments eingeführt.

der hf1-fernseher stellt dagegen einen weitaus radikaleren bruch mit den fernsehdesigns jener zeit dar; nicht zuletzt aufgrund des verzichts auf holz, seine neutrale, fast schon montotone optik und das fehlen von sichtbaren knöpfen bis auf den an/aus-schalter. damit unterstrich hirche perfekt brauns absichten. neben kommerziell erfolgreichen produkten entwarf herbert hirche außerdem ein transportables ausstellungskonzept für braun, was durchaus dazu beitrug, die neue generation von braun-produkten einem weltweiten publikum vorzustellen, so den ruf des unternehmens zu festigen und schließlich die deutsche “gute form” als einen weltweit anerkannten designstandard zu etablieren.

doch neben der produktentwicklung erinnert sich firmeninhaber erwin braun an eine weitere wichtige rolle herbert hirches in diesen übergangsjahren von braun. in der einleitung zum ausstellungskatalog für eine retrospektive von hirches arbeit 1978 schrieb braun: “sie haben sehr geholfen, unsere älteren mitarbeiter nach und nach zu überzeugen, daß unser neuer weg in eine gute richtung führte.”1 uns gefällt besonders dieses “nach und nach”. er verstand die persönliche verbindung der mitarbeiter mit dem unternehmen und gab ihnen die zeit, die sie brauchten, um sich in einem adäquaten tempo an die veränderungen zu gewöhnen. und nicht nach dem motto: “hier ist mein produkt. wo bleibt mein scheck?”

abgesehen von seiner zentralen rolle in der entwicklung brauns von einem provinziellen elektronikersteller zu einem weltweiten synonym für qualität und innovation, gehört die tatsache, dass er ursprünglich von der firma angestellt wurde, zu diesen tollen, herzerwärmenden schicksalswenden. laut erwin brauns eigener aussage, hörte er 1954 einen vortrag von wilhelm wagenfeld über dieses neumodische industriedesign, war sehr angetan und beauftragte daraufhin wagenfeld mit der entwicklung einiger neuer designkonzepte für fernseher. im zuge der damit verbundenen marktforschung organisierte braun eine studie zur aktuellen situation der deutschen wohnungseinrichtung und stellte schnell fest, dass die möbel, die ihn auf messen und in katalogen am meisten ansprachen und die am meisten den konzepten entsprachen, die sie gerade selbst entwickelten, arbeiten von herbert hirche waren. bald wurden sie auf seine enge beziehung zu mies van der rohe aufmerksam. der rest ist geschichte.

als sich die 1950er jahre dem ende zuneigten, endete auch hirches zusammenarbeit mit braun. doch bis dahin hat hirche seinen teil an der vorbereitung für dieter rams minimalistische, reduzierte produkte und den anschließenden wahnsinn, mehr als erfüllt.

und jetzt haben wir apple.

1. “architektur, innenraum, design : 1945 – 1978″, verlag gerd hatje, stuttgart, 1978

Herbert Hirche Braun HF1

der hf1-fernseher von herbert hirche für braun (1958)