- prof. axel kufus stellt giulio cappellini vor
die zweite lektion in sachen design, die von idk/prof. axel kufus im zuge der designtransfer an der universität der künste organisiert wurde, erteilte uns der italienische architekt und designer giulio cappellini.
auch wenn sich giulio cappellini selbst gar nicht so sehr als professionellen, sondern eher als eine art “sonntags designer” sieht, hatte er nicht gerade wenige projekte vorzustellen. denn neben seinen sozusagen im hobbykeller designten objekten präsentierte er auch die projekte, die er – höchst professionell – als creative director für firmen, wie das italienische textil unternehmen alcantara, leitete. und daran hatten nicht nur wir unsere freude, sondern auch er, wie er beteuerte.
nach seinem vortrag sprachen wir mit giulio cappellini noch über seine rolle als talent scout für designer, die mailänder design week und eine ziemlich interessant klingende party, die er plant.
minimum: was machen sie zurzeit in berlin?
giulio cappellini: zum einen bin ich wegen des vortrags heute abend hier. ein anderer grund ist ein projekt zwischen alcantara und den studenten hier und wir sind hier, um zu sehen, wie sich das so entwickelt.
minimum: sie haben heute abend gesagt, dass sie axel kufus schon seit 20 jahren kennen. wo haben sie sich kennengelernt?
giulio cappellini: das ist jasper morrison zu verdanken. wir haben damals zusammen ein projekt gemacht, es ist also ziemlich interessant und auch sehr schön durch das projekt mit alcantra einen alten freund wieder zu treffen.
minimum: stichwort jasper morrison. sie werden häufig als der “entdecker” von designern wie morrison, tom dixon, ronan und erwan bouroullec, marcel wanders…. genannt. macht sie sowas stolz oder…?
giulio cappellini: in erster linie bin ich sehr froh darüber, dass sich die designer so gut in der internationalen design szene etablieren konnten, auch weil das natürlich heißt, dass ich ein gutes auge für talentierte jung designer habe (lacht). aber noch wichtiger ist für mich dabei, dass zu den designern immer noch ein enges verhältnis besteht und wir weitere projekte zusammen entwickeln können.
minimum: und gibt es irgendwelche designer, deren aufstieg sie nicht mitbekommen haben?
giulio cappellini: ja, aber das liegt teilweise daran, dass wir mit jungen designern zwar projekte entwickeln, letztendlich aber nicht am fertigen produkt zusammengearbeitet haben. manchmal hatte ich auch die möglichkeit mit einem designer zusammen zu arbeiten, aber nach 2 oder 3 treffen stellte sich heraus, dass die chemie zwischen uns einfach nicht stimmt. also haben wir die zusammenarbeit wieder beendet.
minimum: sie haben heute abend angedeutet, dass sie ein treffen mit allen designer, mit denen sie zusammen gearbeitet haben, veranstalten wollen. das klingt nach einer party!?
giulio cappellini: ja, das gehört zu den dingen, die ich gerne machen würde. ich würde gerne eine veranstaltung ins leben rufen, die nicht wie ein seminar oder so etwas ist, sondern eher wie ein großes wiedersehen, bei dem man über die alten zeiten sprechen kann. aber ich denke, ich brauche mindestens ein jahr, um alle leute überhaupt zu kontaktieren, denn die sind alle so beschäftigt und ständig auf reisen. aber ja, es wäre nett, das in zukunft mal umzusetzen.
minimum: bald ist die mailänder design week. ist dieses festival überhaupt noch von bedeutung oder mittlerweile einfach zu groß?
giulio cappellini: mailand ist sehr wichtig, aber es gilt noch einiges an der qualität zu verbessern – und nicht an der quantität. weltweit ist mailand am wichtigsten. man hat dort die ganzen wichtigen hersteller, die presse, die kunden. aber wir müssen darauf achten, dass wir die situation in mailand unter kontrolle halten, denn wenn das festival zu groß wird, könnte es ein problem werden.
minimum: und nun die traditionelle letzte frage. wenn sie jungen designer einen rat mit auf den weg geben könnten, welcher wäre es?
giulio cappellini: mach wenige sachen, aber mach gute sachen! ich verstehe auch, dass ein junger designer am liebsten heute etwas designen möchte und am nächsten morgen schon das ergebnis haben will. aber die richtige entwicklung eines projekts braucht seine zeit und sie sollten lernen, einen schritt nach dem anderen zu machen.
- giulio cappellini – design’s dream @ designtransfer, udk berlin