jeder kennt ja die braun-story: dieter rams begann minimalistische, reduzierte produkte zu entwerfen, das ganze artete immer weiter aus und jetzt haben wir apple.
doch schon bevor dieter rams zu braun kam, arbeitete das unternehmen mit einigen designern, die in verbindung zum bauhaus und der neu gegründeten hochschule für gestaltung ulm standen, zusammen an projekten, die allesamt einer neugestaltung der audiovisuellen produkte aus dem firmenrepertoire galten. es waren auch die früchte ebendieser zusammenarbeit mit designern wie hans gugelot, wilhelm wagenfeld und herbert hirche, die bei der funkausstellung 1955 in düsseldorf kritisch gewürdigt wurden und die die neue richtung von braun bestimmen sollten. dieter rams beitrag bestand dann vor allem darin, diesen ansatz weiterzuführen – ähnlich wie carl lewis bei den olympischen sommerspielen 1984. hans gugelot, wilhelm wagenfeld und herbert hirche haben dabei eine ähnliche rolle wie die fast vergessenen staffelläufer ron brown, sam graddy und calvin smith, die zur historischen vierten goldmedaille beigetragen haben. so erhielt vor allem herbert hirche öffentliche anerkennung für seinen beitrag zur architektur und zum design im deutschland des 20. jahrhunderts.

ein hm 5 von herbert hirche für braun in hirches wohnung im günther gottwald haus bei der interbau 1957 in berlin
herbert hirches wichtigsten beiträge zum braun produktkatalog sind u.a. die hm musiktruhenserie und der fernseher hf1.
die musiktruhen der hm-serie erinnern, quadratisch und hölzern wie sie sind, noch stark an ihre vorfahren aus der vorkriegszeit, doch sie bewegten sich schon in richtung der formalistischen designsprache, die später mit den rams-klassikern assoziiert werden sollte und waren, was für braun besonders wichtig war, ein allgegenwärtiger bestandteil der ausstellungswohnungen bei der interbau 57 in berlin. so wurden die jungen, finanziell unabhängigen interbau-besucher damals also in die zukunft des home-entertainments eingeführt.
der hf1-fernseher stellt dagegen einen weitaus radikaleren bruch mit den fernsehdesigns jener zeit dar; nicht zuletzt aufgrund des verzichts auf holz, seine neutrale, fast schon montotone optik und das fehlen von sichtbaren knöpfen bis auf den an/aus-schalter. damit unterstrich hirche perfekt brauns absichten. neben kommerziell erfolgreichen produkten entwarf herbert hirche außerdem ein transportables ausstellungskonzept für braun, was durchaus dazu beitrug, die neue generation von braun-produkten einem weltweiten publikum vorzustellen, so den ruf des unternehmens zu festigen und schließlich die deutsche “gute form” als einen weltweit anerkannten designstandard zu etablieren.
doch neben der produktentwicklung erinnert sich firmeninhaber erwin braun an eine weitere wichtige rolle herbert hirches in diesen übergangsjahren von braun. in der einleitung zum ausstellungskatalog für eine retrospektive von hirches arbeit 1978 schrieb braun: “sie haben sehr geholfen, unsere älteren mitarbeiter nach und nach zu überzeugen, daß unser neuer weg in eine gute richtung führte.”1 uns gefällt besonders dieses “nach und nach”. er verstand die persönliche verbindung der mitarbeiter mit dem unternehmen und gab ihnen die zeit, die sie brauchten, um sich in einem adäquaten tempo an die veränderungen zu gewöhnen. und nicht nach dem motto: “hier ist mein produkt. wo bleibt mein scheck?”
abgesehen von seiner zentralen rolle in der entwicklung brauns von einem provinziellen elektronikersteller zu einem weltweiten synonym für qualität und innovation, gehört die tatsache, dass er ursprünglich von der firma angestellt wurde, zu diesen tollen, herzerwärmenden schicksalswenden. laut erwin brauns eigener aussage, hörte er 1954 einen vortrag von wilhelm wagenfeld über dieses neumodische industriedesign, war sehr angetan und beauftragte daraufhin wagenfeld mit der entwicklung einiger neuer designkonzepte für fernseher. im zuge der damit verbundenen marktforschung organisierte braun eine studie zur aktuellen situation der deutschen wohnungseinrichtung und stellte schnell fest, dass die möbel, die ihn auf messen und in katalogen am meisten ansprachen und die am meisten den konzepten entsprachen, die sie gerade selbst entwickelten, arbeiten von herbert hirche waren. bald wurden sie auf seine enge beziehung zu mies van der rohe aufmerksam. der rest ist geschichte.
als sich die 1950er jahre dem ende zuneigten, endete auch hirches zusammenarbeit mit braun. doch bis dahin hat hirche seinen teil an der vorbereitung für dieter rams minimalistische, reduzierte produkte und den anschließenden wahnsinn, mehr als erfüllt.
und jetzt haben wir apple.
1. “architektur, innenraum, design : 1945 – 1978″, verlag gerd hatje, stuttgart, 1978

der hf1-fernseher von herbert hirche für braun (1958)