am 3. und 4. mai findet in berlin die sechste jahrestagung der gesellschaft für designgeschichte statt, diesmal in zusammenarbeit mit dem werkbundarchiv – museum der dinge und dem bauhaus-archiv. aus designgeschichtlicher perspektive wird dabei der frage nachgegangen, was genau man sammelt, wenn man design sammelt. verschiedene museumsmitarbeiter und fachhistoriker werden zu wort kommen, um das thema danach ausgiebig diskutieren zu können. weitere infos und das programm findet ihr hier.
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berliner designpioniere: peter behrens
Dienstag, 30. April 2013es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass 99% der berlinbesucher mit einer erinnerung an die arbeiten von peter behrens, einem der ersten und bedeutendsten industriedesigner, nach hause zurückfahren. und es ist ebenso wahr, das 99,9% davon in glückseliger unwissenheit eben dieses umstandes leben. und das passt irgendwie zu dem mann, der sowohl dazu beitrug die hinwendung zum modernismus zu definieren sowie die karrieren vieler der bekanntesten vertreter desselben modernismus ins rollen zu bringen, selbst aber weitgehend unbekannt geblieben ist…
1868 in hamburg geboren, studierte peter behrens zunächst malerei, ehe liebäugeleien mit dem jugendstil ihn zum glas- und keramikdesign sowie verwandten handwerken brachten. 1899 trat peter behrens der darmstädter künstlerkolonie bei, ein schritt, der ihn dazu ermunterte, sein erstes architektonisches projekt in angriff zu nehmen und sich generell weiter von “reiner” zu angewandter kunst hin zu bewegen. 1904 verließ er darmstadt, um einer ernennung zum direktor der kunstgewerbeschule düsseldorf zu folgen, ehe er 1907 in berlin sein eigenes archtitekturbüro gründete. eigentlich war es in neubabelsberg, aber wir wollen, wenn ihr nicht darauf besteht, keine haarspalterei betreiben.
ebenfalls im jahre 1907 nahm er die einladung an, als “künstlerischer berater” für den deutschen elektrikwarenhersteller aeg tätig zu werden: eine stelle, die peter behrens nicht nur als einen der ersten industrie- bzw. corporate-designer etablierte, sondern auch den beginn seiner einflussnahme auf die architektur berlins markiert. im sinne eines vorzeitlichen dieter rams war peter behrens bei der aeg für die entwicklung und kontrolle aller aspekte der firmenmarke verantwortlich: von aschenbechern und uhren über logos und werbebroschüren bis hin zu gebäuden – bauten, die heute noch als wunderbare zeugen der menschheit und ihrer ideen in berlin stehen.
angefangen mit der majestätischen turbinenhalle in moabit aus dem jahre 1909, vollendete peter behrens im folgenden jahrzehnt, neben fabrikgebäuden und fertigungshallen, wohnsiedlungen für aeg-arbeiter, zum beispiel in oberschöneweide oder lichtenberg. zwei sehr gut zugängliche beispiele von peter behrens’ zusammenarbeit mit der aeg kann man entlang der linie u8 entdecken. von der aeg 1907 als “gn-linie” geplant, die gesundbrunnen mit neukölln verbinden sollte, wurde die planung und verwirklichung der heute als u8 bekannten u-bahnlinie weitgehend von alfred grenader geleitet, allerdings sind die stationen bernauer straße und moritzplatz werke von peter behrens. sehr typische beispiele übrigens. die arbeiten peter behrens’, eines bekennenden und bekannten bewunderers schinkels, schreien nach der vergangenheit. aber sie schreien im schlichten verständnis des jugendstils. klar, es finden sich säulen und bögen in seinen bauten. aber diese sind – im gegensatz zu den übermütigen dekorationen von ehedem – nüchterne technische strukturen. insofern bildet peter behrens’ schaffen unbestreitbar eine brücke zwischen neoklassizismus und modernismus. eine brücke, die peter behrens 1930 in voller länge mit seinen monumentalen bauten alexanderhaus und berolinahaus am alexanderpaltz überschritt – zwei der besten beispiele für den späten europäischen modernismus in berlin. und leider auch zwei der am zuverlässigsten übersehenen meisterwerke in der stadt.
peter behrens’ einfluss auf die entwicklung von design und architektur geht dabei über die von ihm verwirklichten gebäude hinaus. um zum vergleich mit dieter rams zurückzukehren: auch peter behrens hatte bedeutenden einfluss auf folgende generationen von designern und architekten. kurz vor seiner offiziellen anstellung bei der aeg veröffentlichte peter behrens ein essay mit dem titel “kunst und technik”, in dem er zugunsten einer engeren zusammenarbeit der künste mit der industrie argumentierte. es war eine der ersten schriften mit diesem tenor und ein text, in dem zum beispiel viele der grundgedanken des bauhauses zu finden sind. zusätzlich entströmte eine konstante anzahl vielversprechender junger architekten den türen peter behrens’ studios in babelsberg: vielversprechende junge architekten die von einem mann zu lernen hofften, dessen arbeiten sie respektierten und bewunderten. darunter sind le corbusier, mies van der rohe und walter gropius nur drei der klangvollen namen derer, die in den jahren vor dem ersten weltkrieg mit und für peter behrens arbeiteten.
obwohl peter behrens zugegebenermaßen zu anderen städten und regionen engere beziehungen hatte als zu berlin, war die zeit, die er in berlin verbrachte nicht nur für seine eigene karriere entscheidend, sondern vor allem für den erfolg des europäischen modernismus, des bauhauses und dessen, was wir heute unter industriedesign verstehen. und damit gehört peter behrens in das pantheon der berliner designpioniere. wir werden in den nächsten monaten das werk und das erbe peter behrens‘ eingehender betrachten. aber für heute erstmal ein paar fotos einiger seiner berliner arbeiten.
und wo bleibt das eingangs erwähnte allgegenwärtige behrens-andenken? nun, der schriftzug „dem deutschen volke“ am reichstagsgebäude ist in einer speziell für dieses bauprojekt von peter behrens und anne simmons entwickelten schrifttype eingraviert. und welcher tourist macht kein foto vom reichstag?
isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation
Dienstag, 29. Januar 2013mit der eröffnung einer neuen designorientierten ausstellung, die jährlich, im rahmen der imm cologne, im januar stattfindet, beweist das museum für angewandte kunst köln (makk) eine voraussicht, derer die meisten museen nicht fähig sind. es klingt eigentlich nach einer einfachen und naheliegenden entscheidung, aber ihr würdet euch wundern, wie viele museen diesem beispiel nicht folgen können bzw. wollen. die 2013er ausstellung heißt “isn‘t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ und unternimmt eine untersuchung der romantik im zeitgenössischen design.
kuratiert von tulga beyerle, der direktorin der vienna design week, präsentiert “isn‘t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ mit arbeiten 40 internationaler designstudios einen breiten querschnitt sowohl kommerzieller produkte als auch eher konzeptioneller designprojekte, die nach einschätzung der kuratoren auf irgendeine weise den geist der romantischen epoche repräsentieren – zum beispiel durch materialien, muster, aber auch durch den gebrauch kreativer techniken und vorstellungen, wie sie im frühen 19. jahrhundert populär waren, darunter poesie und ironie. wir wissen, dass sich die ausstellung mehr um das konzept als um die objekte dreht. dennoch vorab: unter den arbeiten, die uns besonders gefielen, waren die lampe binic von ionna vautrin aus paris und patricia urquiolas bad für vieques – ein produkt, das eine dekadenz ausströmt, die unserer ansicht nach vielleicht keine romantischen kriterien erfüllen mag, aber das man einfach lieben muss. und es war schön, led zeppelin von bertjam pot wieder zu begegnen, einem objekt, das wir erstmals als teil der totem & taboo auf der vienna design week 2011 gesehen haben.
berlin war einerseits direkt durch hermann august weizzenegger und seinen monumentalen teppich “ocean” vertreten, einer arbeit, die 2012 in wien ihre premiere hatte und die ihr unbedingt sehen müsst, falls ihr es nicht schon getan habt. geht um ihn herum – das ist das geheimnis. außerdem durch hella jongerius mit einer auswahl von porzellan aus ihren four-seasons- und non-temporary-projekten sowie mit ihren ikea ps-wandbehängen. andererseits war berlin indirekt durch die galerie helmrinderknecht präsent, die eine auswahl von arbeiten von frédéric dedelly aus zürich präsentierte: „objets mélancholiques“, mit ihrer durch einen kurzlebigen guss geschaffenen zufälligen strukturen, die eine ablehnung dauerhaft standardisierter formen und das zelebrieren der individualität und der spontaneität reflektieren. hingegen beschäftigt sich memento mori mit einem lieblingsthema der romatiker, dem tod. normalerweise lebte ein romantischer künstler, wenn er nicht gerade am sterben war, in der angst oder der verherrlichung des unvermeidlichen umstandes, dass er es bald sein würde.

objets melancoliques von frederic dedelley in der ausstellung “isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” im museum für angewandte kunst köln
obwohl wir die ausstellung wirklich genossen haben und von ganzem herzen empfehlen können, sind wir zugegebenermaßen nicht sicher, ob sie ihre gesteckten ziele erreicht hat. „romantik“ ist ein dermaßen großes themenfeld, dass so ziemlich alles als “romantisch” bezeichnet werden kann. praktisch jeder kann seine eigene pointe hinzufügen. in ihrem essay für den ausstellungskatalog schreibt tulga beyerle nicht nur klug und überzeugend über die zentralen motive der romantik, sondern auch darüber, wie sich diese seit dem frühen 19. jahrhundert entwickelt haben. so recht sie fraglos hat, hätte sie allerdings – meinen wir zumindest – einen derartigen text in mehr oder weniger jedem jahrzehnt seit 1900 geschrieben haben können und immer gleichermaßen recht gehabt. bewegungen wie die romantik verschwinden nicht. leute suchen einfach nicht immer nach ihnen. und manchmal wird die romantik eben von bewegungen überschattet, die lauter schreien, quasi eine „bessere presse haben“. also überrascht es uns keineswegs, dass im zeitgenössischen design beispiele romantischer tendenzen zu finden sind. andererseits, so wie eine, zwei oder gar drei schwalben noch keinen sommer machen, so deutet es nicht auf eine allgemeine rückkehr zur romantik unter zeitgenössischen europäischen designern hin, wenn max lamb einen zinnhocker in einem rudimentären loch am strand giesst statt in einem städtischen atelier. zumindest nicht für uns.
wie gesagt, “isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation” ist in jedem fall einen besuch wert. also machen wir es uns leicht und überlassen euch die entscheidung, wie überzeugend die ausgestellten objekte das anliegen der kuratoren tatsächlich darstellen. die eine große enttäuschung der ausstellung, also etwas, das wir einfach loswerden müssen, ist, dass das makk sich genötigt sah, einen „trend-vorhersager“ in das rahmenprogramm einzubauen. nicht genug, dass es trends im design gar nicht gibt, die medizinmänner und -frauen, die das gegenteil behaupten, sollten sich erst recht nicht einem museum nähern dürfen. es sei denn, es handle sich um ein designtrend-musuem, das natürlich komplett voller trend-vorhersager wäre, die sich gegenseitig ermahnten, so mittelmäßig wie möglich zu sein. wenn es etwas gibt, das innovation erstickt, dann leute, die dafür bezahlt werden, firmen zu erzählen, was sie verkaufen, und kunden, was sie kaufen sollen.
und wenn es tatsächlich so ist wie die ausstellung argumentiert, dass die aktuelle neigung zur romantik zum teil dem verlangen geschuldet sei, den festgelegten grenzen von moderne und massenproduktion durch hinwendung zum vergänglichen und individuellen zu entfliehen – dann ist mit sicherheit das erste, das wir tun sollten, keine trend-vorhersager mehr zur kenntnis zu nehmen, deren existenzberechtigung es ist nämlich, uns zu sklaven der ideen anderer zu machen. wie es die alte snowboarder-weisheit sagt: ausgetretene pfade sind für ausgelutschte leute. was natürlich auch von einem romantischen dichter hätte stammen können. wir haben keine ahnung, wieso das makk es für nötig befunden hat, eine hervorragend erdachte und kuratierte ausstellung mit einem derart geschmacklosen nebeneffekt zu verbinden, dessen einziger sinn darin liegt, von den stärken der einzelnen ausgestellten objekte abzulenken. oder, ist das vielleicht die “provokation” aus dem ausstellungstitel? falls ja, hat sie bombig eingeschlagen!
“isn’t it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation“ läuft im museum für angewandte kunst köln noch bis zum 21. april 2013. alle details findet ihr unter www.makk.de und hier ein paar eindrücke von der ausstellung:
- isn't it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation
- isn't it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation. makkink bey birdwatch cabinet for a girl
- isn't it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation. flax project christian meindertsma lamp love klara sumova
- isn't it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation. ocean hermann august weizenegger
- isn't it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation, museum für angewandte kunst köln
- isn't it romantic? zeitgenössisches design zwischen poesie und provokation, museum für angewandte kunst köln. frederic dedelley objets melancoliques
galerie erstererster: die komplexität des einfachen
Montag, 28. Januar 2013am ersten wochenende des februars 2013 wird es in der berliner galerie erstererster das erste event des jahres geben. unter dem titel “die komplexität des einfachen” haben benedikt gnadt und christof flötotto eine ausstellung kuratiert, welche die entwicklung eines modernen stuhls aus 100% holz untersucht. „wie bitte?” hören wir euch schreien. „was?” was ist komplex daran, ein paar holzstücke zusammenzufügen? das machen wir doch seit jahrtausenden! es geht ja hier nicht etwa um die entwicklung neuer materialien oder den versuch…
am beispiel des rip chair des berliner designstudios läufer + keichel für den berliner hersteller schneiderschram zielt “die komplexität des einfachen” darauf ab, zu erläutern, wie viel arbeit, überlegung, diskussion, blut, schweiß, tränen und letztendlich design eigentlich notwendig sind, um ein scheinbar einfaches und naheliegendes objekt zu erschaffen. und dennoch: ein scheinbar einfaches und naheliegendes objekt, welches das holzstuhl-“genre” erneuert und dabei hilft, es voranzubringen, indem es uns darüber belehrt, was eigentlich möglich ist und wie. einfach zwei holzstücke zusammenzufügen, lieber leser, hat nie und wird niemals irgendetwas anderes hervorbringen als zwei zusammengefügte holzstücke … einzelstücke auf golgotha ausgenommen.
desinger und hersteller werden der vernissage am donnerstag, den 31. januar, beiwohnen und auch der finissage am 3. februar. julia läufer und marcus keichel werden ein gespräch über das “making of the rip chair” moderieren. die vernissage am 31.1. und die finissage am 3.2. beginnen jeweils um 19 uhr. das gespräch am 3.2. folgt um 20 uhr. vollständige ausstellungsdetails gibt es unter http://www.erstererster.de.
„die komplexität des einfachen“
31. januar bis 3. februar 2013
@ galerie erstererster
pappelallee 69 in 10437 berlin
designtransfer: the world is but a prototype!
Sonntag, 27. Januar 2013fast unmerklich hat sich in führenden labs, design-agenturen und open-source-kontexten eine neue entwurfskultur entwickelt: das prototyping. mit dem klassischen prototyp hat dies nur noch wenig zu tun und insbesonders bei komplexen und interdisziplinären projekten ist das prototyping inzwischen unverzichtbar. manchmal ist am anfang einer entwicklung nicht klar, was am ende dabei herauskommen wird. diskutiert und entwickelt wird am prototyp, nicht am ende, sondern am anfang des projektes.
jörg petruschat und julian adenauer untersuchten und durchdachten den prozess des prototyping aus zwei richtungen: aus der sicht des designers und aus der sicht des ingenieurs. als herausgeber des buches »prototype!« präsentieren sie nun ihre entdeckungen und berichten von ihren erkenntnissen, gesprächen und diskussionen… wirklich spannend! parallel läuft die ausstellung zum selben thema “prototype: exhibition in the cloud”, noch bis zum 1. februar.
designtransfer
diskussion: the world is but a prototype!
31. januar 2013 um 19 uhr
@ universität der künste berlin
einsteinufer 43-53 i 10587 berlin
tel. 3185-2858
mail designtransfer@udk-berlin.de
http://www.designtransfer.udk-berlin.de/
hinweis: ausstellung: 29. januar bis 1. februar, von 10 bis 18 uhr
rückblick: designtage brandenburg 2012-konferenz
Dienstag, 22. Januar 2013am freitag, den 23. november, begannen die ersten designtage brandenburg mit einer eintägigen konferenz im potsdamer t-werk. das geschehen begann formell mit einer grundsatzrede des gründers und chefs von red dot, peter zec, über den “wert des designs”, eine rede, die wir aus verschiedenen gründen übergehen werden. nichts gegen peter zec oder red dot, aber wir sind einfach keine anhänger von eröffnungsrednern mit großem namen, die über themen reden, die keine besondere relevanz für die eigentliche sache haben. zugegeben, so etwas sieht in den marketing-klappentexten gut aus. ja, es kann sogar interessant sein. aber nein, es hilft der konferenz nicht dabei, ihre angegebenen ziele zu erreichen.
für uns folgte der zentrale und interessanteste teil der konferenz gleich auf die rede von peter zec: fünf präsentationen fünf praktizierender brandenburger designstudios, fünf präsentationen fünf sehr verschiedener brandenburger designstudios, die unterschiedliche aspekte von kreativität in brandenburg beleuchteten – jedoch die gleichen positiven argumente wiederholten: brandenburg bietet platz, eine menge hochqualifizierter partner für kooperationen und für alle aktiven eine andere lebensqualität als berlin. der meinung aller fünf präsentatoren zufolge, eine bessere lebensqualität.
was uns sehr an das erinnerte, was dmy berlins joerg suermann uns einmal über die fehlende honorierung von design in berlin erzählte und daran, wie in berlin der erfolg als designer irgendwie als die antithese zur existenzberechtigung eines designers verstanden wird (vorausgesetzt, dass es eine antithese zu einer existenzberechtigung geben kann…). nicht dass wir uns deshalb an joergs kommentare erinnerten, weil etwa design in brandenburg besser honoriert würde, sondern eher in dem sinne, dass brandenburg einen lebensstil jenseits der design-klischees bietet. oder anders gesagt: man arbeitet in brandenburg nicht als designer, um alle 24 stunden an einer vernissage mit anschließender party teilzunehmen. in brandenburg haben andere dinge vorrang.
am nachmittag wurde die konferenz in zwei gruppendiskussionen aufgeteilt – eine untersuchte das thema kooperative produktionen, die zweite beschäftigte sich mit der organisation von designprozessen. obschon wir uns auch hätten aufteilen können, machen wir das nicht gerne – amöben können sich teilen und wer will schon mit einer amöbe verglichen werden? also verbrachten wir eine weile bei jeder der zwei gruppen, um anschließend die auf dem markt angebotenen waren zu begutachten.
wie wir schon in einem anderen post sagten, war ein zentrales ziel der designtage brandenburg, design in brandenburg sichtbarer und zugänglicher zu machen. unserer ansicht nach hat die konferenz dies weder geschafft noch hätte sie es schaffen können – was sie aber geschafft hat, war, die aufmerksamkeit auf die pros und contras zu richten, und in weiterführung dessen auf jene aspekte, bei denen brandenburg helfen kann, seine designszenen und designindustrie besser herauszustellen. das wird nicht leicht werden…
zum einen ist der schatten berlins groß. und dann sind da noch die in schlagwörtern wie „studio babelsberg“, „wunderkind-villa“ oder „dieter moor“ manifestierten vorurteile. das ergebnis ist die anonymität der kleinen grass-root-praktiker, zumindest außerhalb der lokalen, derzeit sehr kleinen industrie. hinzu kommen handfeste strukturelle defizite. potsdam bietet zur zeit weder co-working-spaces noch einen funktionierenden markt für shared offices/ateliers, vom übrigen brandenburg ganz zu schweigen. wo also sollten sich existenzgründungswillige talente niederlassen? ein zug pro stunde von potsdam zum flughafen berlin-brandenburg international ist kaum die art von anbindung, die viele internationale designer zu überzeugen vermag, berlin mit seiner s-bahn-verbindung im 10-minuten-takt aufzugeben. im ganzen ist der öffentliche verkehr außerhalb potsdams ein witz, infolgedessen könnten städte wie werder, teltow oder michendorf, die theoretisch für junge designer eine günstige alternative zu potsdam sein könnten, genauso gut südlich der wüste gobi liegen.
und wir wollen auch gar nicht erst von der wahl der möbel des rbb für die radioeins-lounge auf dem markt der designtage anfangen… ein ensemble, das zeigte, dass selbst öffentlich finanzierte institutionen in brandenburg, die der lokalen szene eigentlich hilfestellung bieten sollten, selbst nicht den grips haben, produkte von brandenburger möbeldesignern zu verweden und stattdessen „von klassikern insipirierte“ teile eines schwedischen monolithen bevorzugten. billiger lifestyle-schrott siegt eben über qualitatives möbeldesign. als logische folge ziehen nur sehr wenige berliner designer nach brandenburg um. obwohl es theoretisch viele könnten. und sogar sollten.

die “ergebnisse” der diskussion “kooperative produktion” während der designtage brandenburg 2012-konferenz
die berliner designszene verändert sich, entwickelt sich, wird reifer und professioneller, kriegt kinder und braucht platz, um familien- und arbeitsleben zu vereinen. und wenn es brandenburg gelingt, diejenigen anzusprechen, die nach mehr als “arm, aber sexy” oder “verkatert, aber hip” suchen, hat es sehr gute chancen, um erfolgreiche innovative designstudios herum eine solide basis aufzubauen. und dann ist da noch die in der tat exzellente talentschmiede der fh potsdam. brandenburg muss die potsdamer abgänger der fachhochschule im land halten, wenn es “design-relevanter” werden will. derzeit gehen die meisten von der fh potsdam nach berlin. und bleiben da.
brandenburg wird nie eine designszene haben, die der berliner gewachsen ist. aber es verdient eine, die seinem potential entspricht. und so hoffen wir, dass die designtage brandenburg eine jährliche veranstaltung werden, weil wir glauben, dass man mithilfe solcher plattformen langfristig die bedingungen vor ort verbessern und damit brandenburg zu einem reizvolleren standort für designer machen kann, die ernst genommen werden wollen. insbesondere, wenn sie zukünftig gastredner einladen, die dazu beitragen, die tatsächlichen themen in brandenbrug anzugehen, anstatt eloquent die globale designindustrie im allgemeinen zu beschreiben.
und wenn, entsprechend dem aufruf aus unserem letzten post, die brandenburger designer die gelegenheit nutzten, sich in einer praktiker-geführten körperschaft à la create berlin zu organisieren, die ihnen den aufbau nachhaltiger netzwerke ermöglicht … dann wäre der weg zum erfolg noch kürzer. wir behalten die entwicklungen im auge und euch auf dem laufenden.

designtage brandenburg 2012-konferenz: diskussion “kooperative produktion” mit nils holger moormann
rückblende: 40 jahre werkbundarchiv
Montag, 21. Januar 2013vierzig jahre sind im vergleich zu menschlichen maßstäben kein besonderes alter für ein archiv oder museum. dennoch wagt das 1972 gegründete werkbundarchiv – museum der dinge – einen blick zurück auf 40 jahre institutionelle geschichte. am donnerstag um 19 uhr sind alle herzlich eingeladen, sich inspiriert durch bilder und geschichten an ausgewählte ereignisse und inhaltliche entwicklungen des museums zu erinnern und mit den heutigen akteuren über den stand der dinge des museum der dinge ins gespräch zu kommen… bestimmt sehr interessant!
40 jahre werkbundarchiv
24. januar 2013, 19 uhr
@ werkbundarchiv – museum der dinge
oranienstraße 25 in 10999 berlin
tel. 921063-11
ein italienisches gedankenspiel: komfort vs. design
Montag, 21. Januar 2013wir haben kürzlich eine serie von bildern gefunden, die uns stark an plot von osko+deichmann erinnerte, da sie einen mann zeigt, der in einer alles anderen als gewöhnlichen art und weise auf einem stuhl „sitzt“. es waren bilder eines 1944 im italienischen design-magazin domus1 veröffentlichten essays des künstlers bruno manari. der titel lautet „auf der suche nach komfort in einem unbequemen stuhl“. manari legte damit seine überzeugung dar, dass wir uns auf die perfektionierung grundlegender möbel konzentrieren sollten, anstatt ständig neue variationen desselben zu erschaffen … und dass die möbelindustrie von dem immanenten bürgerlichen verlangen getrieben ist, seinesgleichen zu übertreffen.
obgleich offensichtlich ironischer natur, ist der zentrale punkt des werks ernst gemeint und heute relevanter als damals: es wird zu viel mobiliar entworfen und hergestellt, dazu größtenteils für kunden, die die möbel eher als statussymbol nutzen, als wegen des komforts und/oder der funktion. als im jahr 2011 piero lissoni auf dem udk designtransfer sprach, folgte er einem ähnlichen gedankengang, auch auf eine ironische weise. lissoni „gestand“, dass all seine stühle unbequem seien, weil sie entworfen wurden, um gut auszusehen. leute kaufen gut aussehende möbel – niemand kauft möbel, weil sie bequem sind, so lissonis theorie. es gilt also weniger der leitsatz „form folgt funktion“ als „form ersetzt funktion“.
wie gesagt, beide, marani und lissoni, zeichneten verbale karikaturen und übertrieben dabei, wie alle guten karikaturisten – genau den richtigen aspekt im genau richtigen maß, um die aufmerksamkeit auf das entscheidende zu lenken: wir brauchen nicht so viele neue stühle, wir brauchen weniger stühle, die besser sind als das, was wir derzeit haben. plot ist hierfür ein perfektes beispiel, das uns dahin zurückbringt, wo wir begonnen haben. müßige träumereien, lieber leser, müßige träumereien…
1) bildquelle: www.domusweb.it/en/from-the-archive/searching-for-comfort-in-an-uncomfortable-chair, 11.12.2012
morgen: create input 08/12
Dienstag, 20. November 2012morgen abend findet ein weiterer create input statt, diesmal zum thema „open design“. wenn ihr mehr über die neusten entwicklungen des open designs erfahren wollt, dann kommt um 19.30 uhr vorbei in die münzstraße 23. magdalena reiter aus linz wird ihre publikation „open design – wirtschaften mit freien produkten“ vorstellen. open design beschäftigt sich mit den “quellcodes” realer produkte, z.b. von bauplänen, anleitungen oder schnittmustern. in ihrem booklet vereint magdalena reiter interviews zu creative commons, alternativen wirtschaftsmodellen und erfahrungen von designern, die ihre entwürfe als gemeingut freigeben. viel spaß! bitte hier für die veranstaltung anmelden.
create input 08/12: „open design – wirtschaften mit freien produkten“
21. november 2012 um 19.30 uhr
@ münzsalon
münzstraße 23 in berlin-mitte
spot on materials!
Freitag, 31. August 2012am 19. september lädt die innotrans 2012 zum internationalen designforum “spot on materials – design and material creativity” ein. design und mobilität sind eng miteinander verknüpft. mobilität neu zu denken und zukunftssicher zu gestalten, ist eine der grundlegenden herausforderungen unserer zeit. das internationale designforum setzt einen inhaltlichen schwerpunkt auf die designrelevanten bereiche der messe. zwei expertenvorträge und eine podiumsdiskussion zeigen uns aktuelle schnittstellen zwischen design, material und innenausstattung von fahrzeugen des öffentlichen personenverkehrs auf. zudem gibt es eine ausstellung zu innovativen materialien der zuggestaltung. weitere infos zum event findet ihr hier.
internationales designforum “spot on materials – design and material creativity”
19. september 2012 von 13 bis 18 uhr
@ innotrans 2012, messe berlin, pti-hallenforum, halle 6.1
http://www.innotrans.de/EventsEventDB/EventDetails/index.jsp?eventDateId=223310




















