am freitag, den 23. november, begannen die ersten designtage brandenburg mit einer eintägigen konferenz im potsdamer t-werk. das geschehen begann formell mit einer grundsatzrede des gründers und chefs von red dot, peter zec, über den “wert des designs”, eine rede, die wir aus verschiedenen gründen übergehen werden. nichts gegen peter zec oder red dot, aber wir sind einfach keine anhänger von eröffnungsrednern mit großem namen, die über themen reden, die keine besondere relevanz für die eigentliche sache haben. zugegeben, so etwas sieht in den marketing-klappentexten gut aus. ja, es kann sogar interessant sein. aber nein, es hilft der konferenz nicht dabei, ihre angegebenen ziele zu erreichen.

modedesigner marcel lunkwitz @ designtage brandenburg 2012-konferenz
für uns folgte der zentrale und interessanteste teil der konferenz gleich auf die rede von peter zec: fünf präsentationen fünf praktizierender brandenburger designstudios, fünf präsentationen fünf sehr verschiedener brandenburger designstudios, die unterschiedliche aspekte von kreativität in brandenburg beleuchteten – jedoch die gleichen positiven argumente wiederholten: brandenburg bietet platz, eine menge hochqualifizierter partner für kooperationen und für alle aktiven eine andere lebensqualität als berlin. der meinung aller fünf präsentatoren zufolge, eine bessere lebensqualität.
was uns sehr an das erinnerte, was dmy berlins joerg suermann uns einmal über die fehlende honorierung von design in berlin erzählte und daran, wie in berlin der erfolg als designer irgendwie als die antithese zur existenzberechtigung eines designers verstanden wird (vorausgesetzt, dass es eine antithese zu einer existenzberechtigung geben kann…). nicht dass wir uns deshalb an joergs kommentare erinnerten, weil etwa design in brandenburg besser honoriert würde, sondern eher in dem sinne, dass brandenburg einen lebensstil jenseits der design-klischees bietet. oder anders gesagt: man arbeitet in brandenburg nicht als designer, um alle 24 stunden an einer vernissage mit anschließender party teilzunehmen. in brandenburg haben andere dinge vorrang.
am nachmittag wurde die konferenz in zwei gruppendiskussionen aufgeteilt – eine untersuchte das thema kooperative produktionen, die zweite beschäftigte sich mit der organisation von designprozessen. obschon wir uns auch hätten aufteilen können, machen wir das nicht gerne – amöben können sich teilen und wer will schon mit einer amöbe verglichen werden? also verbrachten wir eine weile bei jeder der zwei gruppen, um anschließend die auf dem markt angebotenen waren zu begutachten.

die “ergebnisse” der diskussion “designprozess” während der designtage brandenburg 2012-konferenz
wie wir schon in einem anderen post sagten, war ein zentrales ziel der designtage brandenburg, design in brandenburg sichtbarer und zugänglicher zu machen. unserer ansicht nach hat die konferenz dies weder geschafft noch hätte sie es schaffen können – was sie aber geschafft hat, war, die aufmerksamkeit auf die pros und contras zu richten, und in weiterführung dessen auf jene aspekte, bei denen brandenburg helfen kann, seine designszenen und designindustrie besser herauszustellen. das wird nicht leicht werden…
zum einen ist der schatten berlins groß. und dann sind da noch die in schlagwörtern wie „studio babelsberg“, „wunderkind-villa“ oder „dieter moor“ manifestierten vorurteile. das ergebnis ist die anonymität der kleinen grass-root-praktiker, zumindest außerhalb der lokalen, derzeit sehr kleinen industrie. hinzu kommen handfeste strukturelle defizite. potsdam bietet zur zeit weder co-working-spaces noch einen funktionierenden markt für shared offices/ateliers, vom übrigen brandenburg ganz zu schweigen. wo also sollten sich existenzgründungswillige talente niederlassen? ein zug pro stunde von potsdam zum flughafen berlin-brandenburg international ist kaum die art von anbindung, die viele internationale designer zu überzeugen vermag, berlin mit seiner s-bahn-verbindung im 10-minuten-takt aufzugeben. im ganzen ist der öffentliche verkehr außerhalb potsdams ein witz, infolgedessen könnten städte wie werder, teltow oder michendorf, die theoretisch für junge designer eine günstige alternative zu potsdam sein könnten, genauso gut südlich der wüste gobi liegen.
und wir wollen auch gar nicht erst von der wahl der möbel des rbb für die radioeins-lounge auf dem markt der designtage anfangen… ein ensemble, das zeigte, dass selbst öffentlich finanzierte institutionen in brandenburg, die der lokalen szene eigentlich hilfestellung bieten sollten, selbst nicht den grips haben, produkte von brandenburger möbeldesignern zu verweden und stattdessen „von klassikern insipirierte“ teile eines schwedischen monolithen bevorzugten. billiger lifestyle-schrott siegt eben über qualitatives möbeldesign. als logische folge ziehen nur sehr wenige berliner designer nach brandenburg um. obwohl es theoretisch viele könnten. und sogar sollten.

die “ergebnisse” der diskussion “kooperative produktion” während der designtage brandenburg 2012-konferenz
die berliner designszene verändert sich, entwickelt sich, wird reifer und professioneller, kriegt kinder und braucht platz, um familien- und arbeitsleben zu vereinen. und wenn es brandenburg gelingt, diejenigen anzusprechen, die nach mehr als “arm, aber sexy” oder “verkatert, aber hip” suchen, hat es sehr gute chancen, um erfolgreiche innovative designstudios herum eine solide basis aufzubauen. und dann ist da noch die in der tat exzellente talentschmiede der fh potsdam. brandenburg muss die potsdamer abgänger der fachhochschule im land halten, wenn es “design-relevanter” werden will. derzeit gehen die meisten von der fh potsdam nach berlin. und bleiben da.
brandenburg wird nie eine designszene haben, die der berliner gewachsen ist. aber es verdient eine, die seinem potential entspricht. und so hoffen wir, dass die designtage brandenburg eine jährliche veranstaltung werden, weil wir glauben, dass man mithilfe solcher plattformen langfristig die bedingungen vor ort verbessern und damit brandenburg zu einem reizvolleren standort für designer machen kann, die ernst genommen werden wollen. insbesondere, wenn sie zukünftig gastredner einladen, die dazu beitragen, die tatsächlichen themen in brandenbrug anzugehen, anstatt eloquent die globale designindustrie im allgemeinen zu beschreiben.
und wenn, entsprechend dem aufruf aus unserem letzten post, die brandenburger designer die gelegenheit nutzten, sich in einer praktiker-geführten körperschaft à la create berlin zu organisieren, die ihnen den aufbau nachhaltiger netzwerke ermöglicht … dann wäre der weg zum erfolg noch kürzer. wir behalten die entwicklungen im auge und euch auf dem laufenden.

die radioeins-lounge: verachtung für brandenburger design