als wir neulich vor dem regen in den bücherbogen am savignyplatz flohen, stolperten wir über eine seltene kostbarkeit: eine wiederauflage des 1984er kataloges zum projekt und der ausstellung „kaufhaus des ostens“ der hochschule der künste. ehrlich gesagt wissen wir nicht, wer den katalog wann und warum neu aufgelegt hat. wir haben einfach ein exemplar gekauft und seitdem unsere freude daran.
unter der leitung von andreas brandolini und joachim stanitzek, zwei führenden vertretern der „neues deutsches design”-bewegung, zusammen mit dem jungen jasper morrison, war und ist „kaufhaus des ostens” eine der ersten öffentlichen belege der unter jungen deutschen designern in den frühen 80ern vorherrschenden neuen denkart. diese generation war der seinerzeit im design dominanten und massgeblichen „guten form“ und des bauhaus-inspirierten nachkriegsfunktionalismus müde. das projekt war ebenso eine erkundung der beziehungen zwischen designern und der industrie, oder, wie axel stumpf es im vorwort zum katalog ausdrückte: „die großindustrie ist das betätigungsfeld des industriedesigners. aber die industrie hat kaum bedarf an noch mehr designern. also kann der designer sich nicht einbringen – so einfach ist das”. dieser subtext wird auch in der verdrehung der abkürzung wiedergespiegelt: „kaufhaus des ostens – kdo– kampf der ohnmacht”. die antwort der berliner designer war, objekte aus dem zu schaffen, was die industrie bereits produziert hatte oder anderweitig fertig zur verfügung stellte. dies war insofern rebellisch, als sie den beabsichtigten zweck eines produktes änderten, dessen hersteller-industrie einem sagte, sie würde einen nicht brauchen.
oder wie es jasper morrison so schön formulierte: „als marcel breuer einen fahrradlenker sah, beschloss er, stühle unter der verwendung desselben industriellen verfahrens zu bauen. wenn der neue-welt-konstrukteur einen fahrradlenker sieht, beschließt er, sie so zu verwenden wie sie sind, und sich die mühe und die kosten des rohrbiegens zu sparen“. das bringt uns bei jedem lesen erneut zum lachen. der katalog ist eine wahre fundgrube von aus zweckentfremdeten konsumgütern und industrieprodukten kreierten möbeln. möbel aus alltagsgegenständen mögen heutzutage ein fester bestandteil aller studentischen ausstellugen und messen für junge designer sein – nicht zuletzt aufgrund des einflusses der upcycling-bewegung, aber in den früheren 80ern war derartiges alles andere als normal. es war fast subversiv. und sicherlich unbedacht.
trotz des radikalen charakters darf man sagen, dass “kaufhaus des ostens” die welt nicht verändert hat, und dass deutsches design immer noch weitgehend als eine dieter-rams-traumwelt klarer, linearer formen vermarktet wird. aber kdo hinterließ einen deutlichen fußabdruck: sowohl in der entwicklung des zeitgenössischen deutschen designs als auch in der methode des designunterrichts an der udk, und stellt damit ein wichtiges moment für die geschichte des designs in berlin dar. und dies nicht allein wegen jasper morrisons poetischer beschreibung dessen, was ein junger industriedesigner in betracht ziehen wollte, wenn er an einem morgen durch berlin reist…
* alle zitatat und bilder sind aus dem verkaufskatalog “kaufhaus des ostens”, hochschule der künste. berlin, 1984.

kaufhaus des ostens

consumer’s rest by stiletto. 1984 teil von kaufhaus des ostens – 2012 teil zahlreicher dauerausstellungen, wie dem v&a london, dem vitra design museum weil am rhein und dem cooper-hewitt national design museum new york.

die notorious collection “zusammengestellt” von inge sommer. oder prof. inge sommer wie sie mittlerweile an der udk berlin bekannt ist.