berlin design interview: uli feuersänger

beim rundgang der universität der künste berlin 2012 fanden wir ja den schreibtisch hide von uli feuersänger am spannendsten von allen projekten. er sah für uns so aus, als hätte ihn jemand ohne die, sagen wir, volle und formale zustimmung der verantwortlichen dort platziert.

so endete unser post über das projekt mit den worten “alles in allem waren wir von “hide” sehr beeindruckt und hoffen, dass uli die chance ergreift, die idee in den kommenden semestern weiterzuentwickeln. und dass es wieder ganz unerwartet, einsam und verlassen in einer anderen ecke auftaucht…”

und so kam es dann auch. auf den designtagen brandenburg 2012 wirkte das projekt zwar nicht verloren und stand auch in keiner ecke, sondern war teil von uli feuersängers offiziellem stand auf dem “design markt”. aber unerwartet war es dennoch. den wir hatten angenommen, uli wäre mehr berlin als brandenburg…

neben hide nutzte uli feuersänger die designtage brandenburg, um einen ganz großartigen schaukelstuhlen zu präsentieren: “freischaukler”. für uns eine völlig neue herangehensweise an das schaukelnde bzw. schwingende möbelstück, die dennoch eine sehr vertraute, sehr zugängliche formensprache aufweist, der man sich kaum entziehen kann.

da wollten wir natürlich mehr drüber erfahren.

minimumblog: abgesehen von deiner arbeit wissen wir nichts über dich. also, um das zu ändern: du hast dein studium beendet, studierst noch, willst nicht studieren…?

uli feuersänger: ich studiere noch, und zwar industriedesign an der udk berlin. zuerst habe ich angefangen bauingenieurwesen in hamburg zu studieren, aber, obwohl ich das fach interessant fand, habe ich schnell gemerkt, dass das nicht mein ding ist. oder besser gesagt, dass ich eine falsche vorstellung von dem hatte, was das studium beinhaltet und so war ich gezwungen ernsthaft darüber nachzudenken, was ich wirklich machen will, und seit 2010 ist das design an der udk.

minimumblog: und warum design?

uli feuersänger: ich habe immer gern mit meinen händen gearbeitet und ich habe früher schon überlegt, vielleicht in richtung design zu gehen, aber kam dann irgendwie von der idee ab. in dem sinne habe ich in hamburg also die idee wieder-entdeckt.

minimumblog: da stellt sich die frage, ob du in hamburg irgendwas gelernt hast, was dir jetzt in deinem designstudium hilft? Wir denken da vor allem an die technischen aspekte.

uli feuersänger: wir haben in hamburg so sachen wie statik gelernt, aber das wichtigste, was ich gelernt habe, war, dass man mit der richtigen einstellung alles lernen kann, was man will. und wenn ich mich nun in einer ungewohnten situation befinde, z.b. etwas konstruieren muss, dann weiß ich, dass ich eine antwort finde, wenn ich mir mühe gebe und nicht aufgebe. das war eine wichtige lektion aus hamburg.

minimumblog: das erste projekt, das wir von dir gesehen haben, war der schreibtsch “hide”. kurz zum hintergrund: war es ein semesterprojekt oder entstand es aus einer persönlichen initiative heraus?

uli feuersänger: ein freund hatte mich gebeten, ihm einen schreibtisch zu bauen. daraus entstand die idee. dann konnte ich es in ein semesterprojekt involvieren und die weitere entwicklung fand an der udk statt.

minimumblog: das zentrale element ist für uns die idee mit den schubladen an den seiten, war das teil deines auftrags?

uli feuersänger: der wunsch war ein kleiner schreibtisch, die schubladen waren letztlich eine konsequenz aus der pult-form, die das wahre herz des designs bildet. das pult ist eine der klassischsten schreibtischformen: mönche nutzten eines und sogar als ich in der schule war, hatten wir pulte, wenn auch welche mit einem geringen gefälle. bei hide ist die tischplatte bewusst übertrieben geneigt, wodurch die leute davon abgehalten werden sollen, sie als ablage zu nutzen. daher ist auch keine abschließende leiste am unteren ende der platte angebracht. man kann ohne probleme einen laptop auf der platte abstellen und benutzen, aber es ist keine fläche, wo man einen bücherstapel ablegt und einfach liegen lässt.

minimumblog: um noch mal auf den udk rundgang 2012 zurückzukommen, unser eindruck war, dass hide nicht teil der offiziellen ausstellung war – das projekt wirkte wie eine guerrilla-aktion. täuscht das oder…?

uli feuersänger: es war so, dass hide als, im wesentlichen, freies projekt eigentlich kein teil des klassenprojekts war und nicht dahin gehörte, er sollte also auch nicht mit den restlichen arbeiten der klasse in einem raum ausgestellt werden. ich wollte das projekt aber zeigen und der platz vor der klassenausstellung schien mir der passendste dafür.

minimumblog: wir sind auf jeden fall sehr froh, dass du dich dafür entschieden hast.
das zweite mal, als wir deine arbeit sahen, war auf den designtagen brandenburg. da hast du neben hide auch noch den schaukelnden sessel “freischaukler” gezeigt. ganz kurz, was ist der hintergrund zum freischaukler?

uli feuersänger: ich habe damit in hamburg angefangen und er war teil meines bewerbungs-portfolios für die udk. der hintergrund ist, dass ich in hamburg in einem hochseilgarten gearbeitet habe, wo es eine schaukel, eine sogenannte “giant swing”, gab, die zwischen zwei pfosten angebracht war. jeder hatte immer angst, beim schaukeln gegen die pfosten zu stoßen. das war aber nicht möglich, da die schaukel so konstruiert war, dass sie immer geradeaus schaukelt. aus dieser konstruktion heraus entstand die idee, einen stuhl mit niedriger schwerpunktachse zu entwerfen, bei dem man keine angst haben muss, überzukippen. bei einem normalen schaukelstuhl befindet sich das schwerpunktzentrum über dem bewegungspunkt, beim freischaukler hingegen liegt das schwerpunktzentrum unter dem bewegungspunkt, was nicht nur stabiler ist, sondern auch bedeutet, dass man – solange man schaukelt – das gefühl hat zu schweben. in den letzten jahren habe ich den freischaukler noch weiterentwickelt und der stuhl, der in potsdam gezeigt wurde, entstand schließlich erst in den udk workshops und mit hilfe eines polsterers in berlin.

minimumblog: wir haben nicht die chance gehabt, auf den designtagen brandenburg mit dir zu sprechen. wie war es für dich? war es eine positive erfahrung?

uli feuersänger: ja, es war definitiv eine sehr positive erfahrung, es gab eine menge positives feedback von den besuchern. es war z.b. das erste mal, dass ich den freischaukler öffentlich ausgestellt habe und es war faszinierend zu beobachten, wie die menschen reagieren. so viele menschen haben ja noch nicht in dem sessel gesessen und daher ist es sehr schön, dass sie alle mit einem lächeln im gesicht aufgestanden sind.

minimumblog: gab es unter den reaktionen auch vorschläge für eine weiterentwicklung des freischauklers?

uli feuersänger: es gab eine unglaubliche menge von vorschlägen und ideen. zum beispiel wünschten sich die leute eine kopfstütze, sodass der sessel noch mehr entspannung bietet. aber ob und wie ich ihn weiterentwickle, bleibt offen.

minimumblog: in diesem sinne, suchst du jetzt nach herstellern oder wie ist der plan?

uli feuersänger: über den freischaukler habe ich mit einigen herstellern gesprochen, aber bis jetzt hat sich daraus noch nichts ergeben. daher überlege ich jetzt, wie ich am besten weitermache. ich würde natürlich gerne einen hersteller finden, aber wenn jemand den sessel will, kann ich ihn auch als einzelstück produzieren. im gegensatz dazu liegt beim hide noch eine menge entwicklungsarbeit vor mir, aber auch da ist der plan nach einem hersteller zu suchen, wenn ich mit der entwicklung weiter bin.

mehr informationen über hide und freischaukler gibt es unter www.entwurfundkonstruktion.de

Berlin Design Interview Uli Feuersänger Freischaukler Hide Designtage Brandenburg

freischaukler und hide von uli feuersänger bei den designtagen brandenburg

Berlin Design Interview Uli Feuersänger Freischaukler

freischaukler von uli feuersänger, in action, sozusagen.

Hide by Uli Feuersänger

hide von uli feuersänger beim udk rundgang 2012

Berlin Design Interview Uli Feuersänger Hide desk

… und auch er in action, sozusagen.



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