wir haben in unseren vorab-bericht zur new order/peter saville/kevin cummins-ausstellung im .hbc berlin extra ein paar fehler eingestreut und gehofft, ein paar kommentare von hardcorefans damit zu provozieren. aber da uns niemand korrigiert hat, müssen wir das wohl selber tun:
erstens: die farbfotos von new order entstanden natürlich in washington, nicht in new york. und zweitens: es lag nicht allein an tony wilson, dass es von joy division nur schwarz-weiß-fotos gibt. damals hat einfach niemand farbfotos gedruckt. und außerhalb von manchester und dem nme war das interesse an joy division eher mäßig. es hat sich für kevin cummins also einfach nicht gelohnt farbaufnahmen zu machen. da hätte er das geld auch zum fenster rauswerfen können.
abgesehen von diesen fehlern und den anderen halbwahrheiten und fabelgeschichten war unser bericht aber großartig.
die ausstellung ist jetzt eröffnet und leider ist “großartig” nicht unbedingt das adjektiv das einem dazu als erstes in den sinn kommen würde. die größte enttäuschung ist die präsentattion der plattenhüllen. ja, sie sind alle da. ja, man kann sie sich schön anschauen und vergleichen. aber es sieht wirklich so aus, als ob die organisatoren schnell noch eine tour durch die second-hand-plattenläden in kreuzberg gemacht haben und die cover der gekauften alben dann schnell an die wand geklebt haben. eine professionelle präsentation von ausstellungsstücken indes braucht zeit. zeit, die man sich auch nehmen sollte.
um so geschmackloser wirkt das ganze, wenn man die maxime von peter saville, dem gestalter der cover, im hinterkopf hat: “i just will not make this analogy between what i’m being paid and how much time we spend on it. it gets as much time as it needs.”1 (frei übersetzt: “ich werde keine rechnung aufstellen zwischen dem was ich bezahlt kriege und wieviel zeit wir brauchen. es dauert so lange wie es dauert.”) wer so denkt, verdient mehr respekt seiner arbeit gegenüber.

die album-cover
zum glück sind die fotos ein bisschen besser ausgestellt.
schön sind zum beispiel die vier farbfotos (aus washington!) am “eingang” zur ausstellung platziert, d.h. separiert vom rest und als ausgangspunkt einer geschichte. so haben die organisatoren die absicht des fotografen beim fotoshooting in das ausstellungsdesignkonzept integriert. das gefällt uns sehr.
bei den fotos ist alles dabei, was das herz begehrt: bernard sumner in gedanken versunken, beton, peter hook beim abrocken, beton – bekannte und stereotype bilder, die einen trotzdem kriegen.
wenn man die bilder betrachtet, wird klar wie sehr kevin cummins die herausforderung genießt, seine motive in szene zu setzen. er inszeniert die bilder meisterlich mit seinem natürlichen gespür für atmosphäre und stimmungen. das trägt zum positiven gesamteindruck bei.

new order - an exhibition featuring works by peter saville and kevin cummins @ .hbc berlin
trotz der kleinen mängel bei der präsentation können wir die ausstellung nur wärmenstens empfehlen. denn der inhalt ist interessant und wichtig.
in der aktuellen ausstellung “british design 1948-2012″ des v&a museum london ist eine ganze abteilung factory records und der hacienda und somit new order und joy division gewidmet. wenn wir uns recht erinnern, sind sie die einzigen bands mit direkten verweisen – ironischerweise durch das medium professionell präsentierter plattencover. tatsächlich setzt das v&a das erbe von factory/joy division/new order in eine reihe mit den “swinging sixties”, punk und den “young british artists” als schlüsselmomente in großbritanniens populärkultur. das ist sicher nicht übertrieben, aber wenn man sich allein den musikalischen output von new order vornimmt, wird es nicht so ganz klar, warum. aber ihre diskographie macht ja nur einen teil der band aus.
bei den meisten bands geht es um ihre musik. nicht so bei new order. und die im .hbc gezeigten fotografien und plattenhüllen beleuchten eben diese anderen facetten, die die band relevant machen. sie unterstreichen vor allem, wie wichtig grafikdesigner peter saville und fotograf kevin cummins für die institution new order waren und immernoch sind. die ausstellung ist zwar nicht besonders umfangreich, war aber auch nicht so angelegt. besonders kompetent oder außergewöhnlich ist sie auch nicht. aber .hbc ist auch keine professionelle galerie und es gibt scheinbar auch keinen kurator der öffentlich für die schau verantwortlich zeichnet. also darf man auch nicht zuviel erwarten. immerhin macht die ausstellung lust auf mehr und tiefergehende recherche.
und wie schon in unserem ersten post gesagt: neben allem anderen zeigt die ausstellung einfach wunderschöne fotos und grafikdesign. (dieser teil stimmte!)
new order – an exhibition featuring works by peter saville and kevin cummins @ .hbc berlin läuft bis zum 4. juli 2012.
1. chris hall “peter saville” im icon magazine, juli/august 2003. online unter www.iconeye.com/read-previous-issues/icon-004-|-july/august-2003/peter-saville-|-icon-004-|-july/august-2003

die vier farbfotos - aufgenommen 1983 in washington - führen uns in eine monochrome welt

new order - an exhibition featuring works by peter saville and kevin cummins @ .hbc berlin

new order - an exhibition featuring works by peter saville and kevin cummins @ .hbc berlin