einer der interessanteren aspekte der vienna design week ist passionswege, wo junge internationale designer mit traditionellen wiener herstellern zusammenarbeiten, um neue projekte und/oder produkte zu kreieren.
bei der vienna design week 2010 entwarf mark braun die wasserkaraffen fortune für und mit j. & l. lobmeyr. dieses jahr hat uli budde mit dem ehemaligen hofjuwelier und schöpfer des sisi sterns, a. e. köchert, zusammengearbeitet.
das ergebnis ist “unfold”, die darstellung eines entfalteten diamanten aus 18 karat gold, der in einer limitierten edition von sieben stück erhältlich ist.
für uns funktioniert das stück auf vielen verschiedenen ebenen. abgesehen von der schlichten schönheit seiner form gefällt uns besonders die tatsache, dass es mithilfe industrieller verfahren – genauer gesagt rapid prototyping – hergestellt wurde. diamanten werden für gewöhnlich als luxusartikel betrachtet, doch die meisten abgebauten diamanten enden als teile technischer objekte. deshalb ist der diamant als industriematerial genauso wichtig wie stahl oder plastik.
uli budde hat offenbar seine ganz eigene interpretation. um mehr herauszubekommen, trafen wir uns mit ihm in wien und erkundigten uns zunächst wie die zusammenarbeit zustande kam.
uli budde: ich wurde dazu eingeladen, bei der vienna design week an den passionswegen teilzunehmen und wurde dabei a. e. köchert “zugewiesen”. ich habe mir das also nicht ausgesucht, aber in dem sinne ist es eine wunderbare möglichkeit, mit leuten zu arbeiten, mit denen man sonst nicht arbeiten würde. mir persönlich wäre es zum beispiel nie in den sinn gekommen mit dem ehemaligen hofjuwelier von sisi zu arbeiten! ich finde es aber toll, die möglichkeit zu haben, dieses neue terrain zu erkunden.
minimumblog: “neues terrain” ist ein gutes schlüsselwort. wie war denn das erste treffen? ist hier alles ein bisschen anders als bei ihrer vorherigen arbeit?
uli budde: für mich war das natürlich eine völlig neue welt, aber deshalb umso interessanter. wenn man etwas neues versucht, ist es immer spannend sich in das projekt einzuarbeiten und erstmal zu verstehen. in meinem alltäglichen leben kann ich nicht mit diamanten, platin, gold oder anderen wertvollen elementen arbeiten. mein background ist ja das produktdesign, bei dem es natürlich primär um gebrauchsgüter geht. auch von daher war es schön, mal mit luxusgütern zu arbeiten.
minimumblog: wo haben sie mit dem projekt angefangen? was war der erste orientierungspunkt?
uli budde: ich begann damit, nach dem höchsten niveau im juweliergeschäft zu suchen: das sind edelsteine, besonders diamanten und insbesondere der brillantschliff. und mir wurde relativ schnell klar, dass ich das näher erkunden wollte. das wort “diamant” kommt vom altgriechischen “adámas” und bedeutet soviel wie “unzerbrechlich”. das reizte mich, einen diamanten zu zerbrechen.
minimumblog: inwiefern durften sie dann einen diamanten “zerbrechen” so wie sie es wollten?
uli budde: es war von vornherein klar, dass das projekt ein schmuckstück werden sollte, aber ich konnte dabei die richtung völlig frei wählen. und letztlich wurde es per rapid prototyping hergestellt, also einem industriellen verfahren.
minimumblog: war das eine bewusste entscheidung?
uli budde: nicht wirklich (lacht laut). einen solchen gegenstand aus einzelnen goldfacetten zusammenzusetzen wäre technisch kaum möglich gewesen, da diese so fein sind, dass, wenn wir zwei facetten zusammengeschweißt und dann versucht hätten, eine dritte hinzuzufügen, die erste einfach geschmolzen wäre. deshalb waren wir dazu gezwungen, uns nach alternativen verfahrensweisen umzusehen.
minimumblog: derzeit haben sie in berlin einen mülleimer in der ausstellung “trenntmöbel gesucht!”; hier in wien ein relativ kostspieliges schmuckstück aus gold. in welche richtung geht es in zukunft?
uli budde: (lacht laut) ich finde es sehr interessant, dass man mit schmuckwaren relativ wenige leute erreicht, aber wenn doch, dann auf eine viel intensivere weise als mit produktdesign. ich kann mir auf jeden fall vorstellen, in zukunft wieder mit schmuck zu arbeiten. ich bin also sehr offen für beide richtungen. andererseits bereite ich mich zurzeit auf mailand 2012 vor, wo sich wieder alles um möbel und accessoires dreht.
mehr infos zu uli budde und unfold gibt’s unter ulibudde.com








































