Archiv für September 2011


planet modulor: das zuhause guter ideen eröffnet

Donnerstag, 29. September 2011

mit einem zweitägigen fest wird ab morgen das neue berliner zentrum für kreative am moritzplatz “planet modulor” eingeweiht. ab 11 uhr warten die veranstalter mit einem empfang für freunde und unterstützer auf. selbst unser wiedergewählter bürgermeister wowi hat zugesagt. planet modulor und seine partner laden ein, die angebote von über 50 kleineren unternehmen des kreativverbundes kennen zu lernen. umrahmt wird das ganze mit einem vielfältigen kultur- und kreativprogramm. schnell wird deutlich, dass planet modulor kein rein konsumorientiertes einkaufszentrum ist, sondern dem besucher mit sinnlicher qualität begegnet und zum mitmachen anregt. na dann, auf nach kreuzberg! alle infos zu eröffnung gibt es unter: www.planetmodulor.de

eröffnung des planet modulor

30. september & 1. oktober 2011

prinzenstr. 85 in 10969 berlin

tel. 69036-200

mail krueger@planetmodulor.de

www.planetmodulor.de



dmy berlin 2011: alex valder latte workshop

Mittwoch, 28. September 2011

eines der aktiveren projekte auf dem dmy 2011 war definitiv ein workshop, bei dem die teilnehmer ihre eigene “latte” konstruieren konnten. nein. das ganze hatte nichts mit milchkaffee zu tun.
latte ist ein bücherregalsystem, das aus schmalen holzbrettern besteht und als open design verfügbar ist. obwohl open deisgn mittlerweile eine ziemlich große sache ist, gibt es immer noch eine menge leute, die mit dem thema nocht nicht ganz so viel anzufangen wissen. deswegen haben wir im dienste der öffentlichen aufklärung einen drückend-schwülen nachmittag zusammen mit vier workshop-teilnehmern in alex valders atelier verbracht.

DMY Berlin 2011 Alex Valder Latte Workshop

die original latte....

der hintergrund zur latte ist fast so simpel wie das regal selbst: “wir sind gerade umgezogen, wir brauchten schnell ein regalsystem, wir hatten ein paar stücke holz – und da war es”, sagt alex. die entscheidung, es über open design verfügbar zu machen, sei ähnlich simpel gewesen. “ich sehe es nicht wirklich als “produkt” und bestimmt nicht als ein produkt, das in die massenproduktion gehen wird”, sagt alex weiter, “und wegen dieser hintergrundgeschichte habe ich mich entscheiden, das design online – als open design – zur verfügung zu stellen.”

und da geht die geschichte los…

uns wurde schnell klar, dass sich keiner der teilnehmer im voraus gedanken darüber gemacht hat, wie seine latte aussehen soll, könnte… ; und das trotz der tatsache, dass sie die relativ seltende gelegenheit hatten, das design einmal ganz nach ihren wünschen zu entwickeln. möbeldesigner orientieren ihre entwürfe für gewöhnlich an ihrer vorstellung, was das nützlichste für den verbraucher sein könnte. doch wenn dem verbraucher die freiheit überlassen ist, das nützlichste für sich selbst zu wählen…. leere blicke in einem west berliner loft.
das grundelement von latte ist ein quadratischer außenrahmen. das ist der leichte teil. der rest kann frei designt werden. das ist, wie es scheint, der kompliziertere teil.

nach ein paar minuten ziellosigkeit folgte eine runde hoffnungsvolles brainstorming, dann begannen die vier möchtegern produktdesiger, bestückt mit büchern und ordnern unterschiedlicher größe, endlich abzuwägen, welchen platz sie für den inhalt ihres regals benötigen.

blumentöpfe? dvds? wieviele romane haben wir eigentlich?

die pläne nahmen gestalt an und das atelier wurde vom geräusch von bohrern, sägen und malerpinseln erfüllt; sowie von einem endlosen schwall von fragen an (den immer gutgelaunten) alex. “alex, was hälst du davon?” “alex, gefällt dir das?” – “fragt nicht mich; mir muss es nicht gefallen.”, lautete seine standartantwort. eine antwort, die sehr gut den kern der sache trifft, denn daran wird nicht nur deutlich, dass die fragenstellenden selbst für ihr design verantwortlich sind, in ihr offenbart sich auch sehr gut das grundprinzip des open designs: erstens) die freiheit, die arbeit des designers zu modifizieren. zweitens) die akzenptanz des designers, das was er einmal öffentlich gemacht hat, nicht länger kontrollieren zu können. etwas das längst nicht alle designer in der lage zu tun sind. und etwas, was übliche lizenzverträge verhindern.

DMY Berlin 2011 Alex Valder Latte Workshop

ob die zwei eine hilfe sind?

ein anderes grundprinzip des open designs ist das auslassen der bezahlung. im open design stellt der designer seinen entwurf online, somit steht es jedem frei, die pläne runterzuladen und das produkt selbst zu bauen. eine spende an den designer wird gerne gesehen, ist aber längst nicht verpflichtend. während des workshops fragten wir die teilnehmer, ob sie, würden sie das design downloaden, geld an alex spenden würden. keiner sagte ja. ein problem für alex? “nein, überhaupt nicht!”
mal abgesehen von der tatsache, dass es sowieso nie als kommerzielles produkt gedacht war, bringt open design einen ordentlichen marketingeffekt mit sich. das mag etwas sein, was manche open designer nicht zugeben wollen, aber es ist etwas, was nicht von der hand zu weisen ist.

trotz der anfänglichen schwierigkeiten, wurden die workshopteilnehmer während sie ihre latte bauten immer sicherer in sachen kreativität. und am ende eines anstrengenden nachmittags, unter nahenden gewitterwolken, fanden wir uns vor drei individuellen umsetzungen des latte-regals wieder. was aber das wichtigste ist, vier junge berliner haben über ihre anforderungen an mobiliar nachgedacht. wie soll mein möbel aussehen und wie realisiere ich es? – was natürlich ein weiterer, wichtiger aspekt der open design philosophie ist und den designprozess als solches zurückfordert. design ist so nicht nur demokratisch, sondern wird zu einem partizipativen akt. und macht eine menge spaß.

mehr bilder vom workshop inklusive der endgültigen konstruktionen sowie die latte-entwürfe gibt es unter www.alexvalder.de



dmy goes asia

Dienstag, 27. September 2011

erneut verschickt das dmy eine handverlesene auswahl innovativer designobjekte aus berlin zu sieben verschiedenen design-messen und festivals auf dem asiatischen kontinent. in der vergangenen woche war die taiwan designers’ week angesagt und heute ist man eben mal auf der beijing design week in china. danach folgen  stationen wie tokio, hongkong, seoul und taipeh. falls ihr – wie wir – nicht vor ort seid, könnt ihr euch hier die auserwählten stücke herunterladen und so einen blick auf sie werfen: http://www.dmy-berlin.com/downloads/DMY-Asia-Exhibition-Tour-11-12-72dpi.zip


weitere infos zur tour gibt’s auf http://dmy-berlin.com/projects/dmy-asia-exhibition-tour-2011



dmy selection: führungen zur ausstellung im bauhaus-archiv

Montag, 26. September 2011

gestern lud das bauhaus-archiv im rahmen der sonderausstellung “dmy selection. junges design im bauhaus-archiv” zum leckeren brunch ein! dabei konnte man sich nicht nur kulinarisch, sondern auch inhaltlich und visuell verwöhnen lassen… die angeschlossene führung durch die ausstellung verriet interessante details über die künstler und ausstellungsstücke.

wer diese veranstaltung verpasst hat, kommt jedoch keineswegs zu kurz: denn es gibt auch weiterhin die möglichkeit, die ausstellung näher kennen zu lernen.  das bauhaus-archiv bietet noch bis zum 10. oktober gruppenführungen durch die sonderausstellung der dmy award-gewinner an. wenden sie sich dazu bitte per e-mail an die bauhaus-archiv-mitarbeiter: fuehrungen@bauhaus.de

sonderausstellung der dmy award-gewinner

13. september bis 10. oktober 2011

mittwoch bis montag von 10 bis 17 uhr

tel. 030 254002 0

www.bauhaus.de



visions & fashion: bilder der mode 1980-2010

Montag, 26. September 2011

noch bis zum 9. oktober sind in den sonderausstellungshallen kulturforum 200 verschiedene schöne modephotographien zu sehen. die ausstellung “visions & fashion” bildet gewissermaßen die mode- und stilgeschichte der letzten 30 jahre ab. die werke sind u.a. von helmut newton, tony viramontes, sarah moon, michel comte, eric traoré, lorenzo mattotti, françois berthoud, cem bora, gregor hohenberg, martin mago, carola seppeler, françois cadière und christin losta. zudem stellt die ausstellung die möglichkeiten heutiger bildkommunikation im modebusiness vor. dabei geht es z.b. um lookbooks, videoclips, internetseiten und modeblogs und auch darum, dass die modebranche nicht ohne bilder auskommt. viel spaß beim anschauen wünscht die minimum-redaktion!

visions & fashion: bilder der mode 1980-2010

30. juni bis 9. oktober 2011

dienstag bis freitag von 10 bis 18 uhr, donnerstags bis 22 uhr

samstag & sonntag von 11 bis 18 uhr

@ sonderausstellungshallen kulturforum

besuchereingang matthäikirchplatz in 10785 berlin

tel. 030 266424242

http://www.smb.museum/smb/kalender/details.php?objID=32942

weitere infos auch unter: http://www.tagesspiegel.de/kultur/modebilder-und-schicke-blicke/4329836.html



bauhaus-archiv berlin: dmy international design festival awards & jury selection 2011

Freitag, 23. September 2011

am 13. september hat das bauhaus-archiv berlin seine ausstellung der gewinner des dmy awards 2011 eröffnet.

das dmy-festival konzentriert sich ja mehr auf experimentelle designs und in entwicklung befindliche projekte als auf marktreife produkte. so gesehen ist ein dmy award immer ein strittiges thema. die meisten ausstellungs”stücke” können kaum miteinander verglichen werden. aber 2009 haben sich das bauhaus-archiv und das dmy zusammengetan um jedes jahr die arbeiten zu würdigen, die besonders soziale, nachhaltige und kulturelle werte im design widerspiegeln.

eine internationale jury wählt aus allen ausstellern die “top ten jury selection”, von denen wiederum die besten drei ausgezeichnet werden. es gibt kein preisgeld. nur anerkennung. und die teilnahme an der ausstellung im bauhaus-archiv.

wer schon auf dem dmy war, sieht hier sicher nicht viel neues. neu ist nur der kontext. oder wie es dmy-direktor joerg suermann ausdrückt: “in tempelhof haben wir ziemlich viel platz, sodass es manchmal schwer fällt sich ganz auf einzelne projekte zu konzentrieren. hier im bauhaus-archiv haben wir die möglichkeit, die top ten in einem kontrollierteren museumsumfeld zu präsentieren. die besucher können sich mehr auf die eigentlichen arbeiten einlassen.” das unterstreichen auch die toll gemachten video-interviews von robert anderson mit den gewinnern.

für alle, die dieses jahr nicht auf dem dmy-festival waren: es gibt unheimlich viel zu sehen und zu lernen. die dmy-2011-jury-selection bietet konzepte, experimente und produkte im überfluss. die ausstellung ist ein einstieg in die welt der designer – wie sie denken und arbeiten und unsere welt mit verbessern können … wenn wir sie lassen.

aber wo genau ist die verbindung zum bauhaus? alles konventionelle kann gesprengt werden?

für bauhaus-archiv-direktorin dr. annemarie jaeggi liegt die antwort mehr im experimentieren.  “das bauhaus war ein labor. man hat sich etwas getraut und dinge gewagt. sicher endete das auch oft in sackgassen, aber für walter gropius war es wichtig dass man einen weg geht. und wenn sich herausstellt, dass der eingeschlagene weg nicht funktioniert, dass man innehalt und sich neu orientiert. in diesem zusammenhang sehe ich auch das dmy hier sehr gut verortet.”

die nächste offensichtliche frage wäre: wenn walter gropius jetzt hier hereinspazieren würde, was würde ihm am besten gefallen? und welches ausstellungsstück würde ihn dazu veranlassen ein ernstes wörtchen mit dem designer zu reden? wir hatten diese frage aufgeschrieben, aber nicht gestellt. design ist immer subjektiv und nur walter gropius selbst weiß ob ihm etwas gefällt oder nicht. außerdem hätten wir vermutlich eh nur eine ganz diplomatische antwort bekommen, welchen reiz jede arbeit für sich doch hat…

die diskussionsrunde “design im wandel. neue herausforderungen an ausbildung und beruf” (u.a. mit axel kufus) im begleitprogramm zur ausstellung fand leider schon am 20.9. statt. die ausstellung dmy international design festival awards and jury selection 2011 ist aber noch bis zum 10. oktober 2011 zu sehen.

nähere informationen gibt es unter www.bauhaus.de



strategie für die designwirtschaft in berlin

Mittwoch, 21. September 2011
Strategie für die Design Wirtschaft in Berlin

strategie für die designwirtschaft in berlin

auf dem dmy 2011 in berlin veröffentlichte die berliner landesregierung ihren entwurf für die zukunft der designwirtschaft in der deutschen hauptstadt. erschienen ist der entwurf unter dem titel “strategie für die designwirtschaft in berlin” und baut auf dem forschungsprojekt “die berliner designwirtschaft. potential, strategie, perspektive” der deutschen gesellschaft für designtheorie und -forschung e.V. (dgtf) unter der leitung von prof. dr. gesche joost auf.

die berliner designszene ist für ihre heterogenität bekannt. es gibt nicht den berliner stil und es ist nach wie vor eine wachsende bewegung, von der man durchaus behaupten kann, dass sie momentan nicht so groß ist wie viele denken – und bei weitem nicht so wirtschaftlich relevant, wie sie sein könnte.

ziel der dgtf-studie war es, den status quo der designbranche in berlin abzubilden, während das strategiepapier des senats mehr ein plan ist, um dinge voranzutreiben.

geht man durch das strategiepapier wie ein überbegeisterter dreijähriger, der gerade die versteckten hundekekse entdeckt hat, kommt man zu dem schluss, dass die zukunft der berliner designindustrie in besseren netzwerken von kleinen und mittelgroßen berliner herstellern und händlern liegt. allerdings gibt es da zwei probleme, die wir mit dieser auffassung haben: das erste ist der glaube, dass die designbranche davon profitieren wird. und das zweite, dass sie diejenige ist, die auf die jagd gehen soll.

fast jeder, der in berlin in der designbranche arbeitet, erzählt einem, dass der markt außerhalb der stadt liegt. das war schon immer so. aber berlin ist einfach der beste ort in der welt an dem man sein kann. liest man den dgtf-report, sieht man, dass die mehrheit der berliner designer mit partnern außerhalb berlins arbeitet. das war schon immer so. aber die akteure leben und arbeiten einfach gerne in berlin.

ergo – warum müssen berliner designer mit berliner herstellern zusammenarbeiten? viele würden das vielleicht wollen, viele haben daran vielleicht interesse – aber keiner muss es machen. nicht in unserer modernen digitalen, globalen welt. wer von den kooperationen profitiert, sind die kleinen und mittelgroßen firmen in berlin. nur will der senat, dass die designindustrie die laufarbeit macht. ganz präzise gesagt, wollen sie, dass die designer mehr netzwerkarbeit machen und “speed-dating”-veranstaltungen zwischen designern und firmen organisieren: und die designindustrie sollte solche initiativen führen und koordinieren.

wir hoffen, dass sie das nicht tun werden! wir hoffen, dass sie die arbeit mit ihren kunden von außerhalb weiter voran treiben – genauso, wie berliner unternehmen clever genug, vorausschauend genug und kompetent genug sind, das potential in der zusammenarbeit mit designfachleuten zu erkennen. wie zum beispiel erockit, die – wie wir kürzlich erfuhren – den udk-absolventen benedikt steinhoff beschäftigen, der gemeinsam mit einem ingenieur an der problemlösung und produktentwicklung für den hersteller arbeitet. eine vernüftige und profitable partnerschaft, die den vorstellungen des berliner senats entspricht. aber um solche partnerschaften aufzubauen, müssen die kleinen und mittelgroßen unternehmen angelernt und dazu ermutigt werden auf die suche nach neuen partnern zu gehen. nicht die designer.

wir vermuten, dass das gesteigerte interesse an mehr kooperationen zwischen designern und der einheimischen industrie auf der hoffnung basiert, die lokalen hersteller erfolgreicher zu machen, um so die zahl der jobs und die steuereinnahmen zu erhöhen. gut und schön. dafür ist der senat schließlich da. allerdings wird darüber die tatsache ignoriert, dass wenn man die berliner designszene ermutigt und ihr hilft, (noch) erfolgreicher im ausland zu werden, ebenfalls einkommen erhöht werden, steuern zurückfließen, und die nachfrage nach qualifizierten, talentierten designern steigt.

derzeitig bietet das durchschnittliche berliner industriedesignbüro eine bezahlte anstellung für 1,33 leute. oder besser gesagt, fast alle industriedesignbüros in berlin sind ein-mann-betriebe mit vermutlich einem unbezahlten praktikanten, der aushilft. erhöht man die aufträge von außerhalb berlins, hilft das  zum einen, die unbezahlten praktikanten in bezahlte, steuern zahlende angestellte umzuwandeln, und zum zweiten steigert es berlins ruf als internationales kreativzentrum. denn dadurch werden auch internationale designer angezogen, die jobs bieten. und udk- und khb-studenten werden dazu ermutigt in der stadt zu bleiben, weil sie wissen dass internationale kunden ein auge auf berlin haben.

und wie hilft man der berliner designindustrie am besten mehr internationale kontakte zu knüpfen? wie wäre es wenn man eine designmesse mit zeitgenössischem, experimentellem design anregt, deren hoher standard der aussteller international anerkannt ist? eine messe, die die berliner designszene als ihre regionalmesse akzeptiert gern dort ausstellt? die buchstaben d, m und y werden nicht einmal im report des senats erwähnt. #sprichtbände – so oder ähnlich würde wahrscheinlich die jugend von heute reagieren.  es ist einfach nicht akzeptabel, dass der berliner senat auf der einen seite davon redet, die berliner designszene zu unterstützen und auf der anderen seite ihrem größten designmarktplatz die hilfe verwehrt.

der berliner senat sieht die zukunft in der organisation seiner eigenen wanderausstellung. wir sind zwar große fans des setu von studio 7.5., wenn der berliner senat aber berlins ruf als designstadt verbessern will, indem man einen preisgekrönten bürostuhl auf reisen schickt, der seit 2009 auf dem markt ist, … dann sei es uns verziehen dass wir nicht vor staunen den atem anhalten.

SETU by Studio 7 5 for hermann miller

setu von studio 7.5 für hermann miller - hier als prototyp

ein anderer punkt, der uns aufgefallen ist, ist der wunsch, ein “design hub” aufzubauen. nicht nur weil “design hub” so ein leeres modewort ist, das nur marketing-menschen ernsthaft verwenden, sondern auch weil es als die priorität in der kategorie “gebäude für die designwirtschaft” auftaucht. ein design hub ist wahrscheinlich das letzte was die designbranche in berlin braucht. was die designindustrie braucht, ist die sicherheit dass es auch in zukunft passende und bezahlbare flächen für sie geben wird. designer brauchen nicht viel: die fläche muss groß genug sein, sie muss sicher sein, sollte eine funktionierende strom- und wasserversorgung haben und high speed internet. das war es auch schon. wenn man aber mit jemandem wie mark braun spricht, der vier mal in zwölf jahren umziehen musste, weil ein ateliergebäude nach dem anderen aufgekauft und ausgebaut wurde, wird das problem deutlich. und es wird noch deutlicher, wenn man die modernisierungsmaßnahmen beobachtet, die um sein jetziges domizil herum stattfinden. eine langfristig stabile und profitable designwirtschaft braucht bezahlbare ateliers, die nicht in die hände von immobilienspekulanten fallen dürfen. sie braucht kein gut ausgestattetes gebäude resp. aushängeschild, in dem ministerien konferenzen, empfänge und “medien-events” abhalten können.

interessanterweise taucht das design-hub-konzept in dem schriftstück “potentialanalyse der designbranche berlin. ergebnisse und beiträge für handlungsempfehlungen” von dr. bastian lange von der hu berlin und tanja mühlhans von der senatsverwaltung für wirtschaft, technologie und frauen in berlin auf – nicht jedoch im dgtf-report. es ist die rede von der notwendigkeit, berlin als internationales design hub zu verstehen. und hier ist nicht ein gebäude im sinne von frankfurter-flughafen-lufthansa-hub gemeint, sondern ein konzept.

das “design hub” steht aber symptomatisch für die sicht des berliner senats wie sie in “strategie für die designwirtschaft in berlin” präsentiert wird; nämlich dass die designszene in berlin sich selbst mehr wie eine herkömmliche branche organisieren sollte – mit einer lobbygruppe, einem sprecher, einer verwaltung. so verstehen das politiker. und politiker sind gewohnheitstiere.

obwohl es ein paar positive momente in “strategie für die designwirtschaft in berlin” gibt, signalisiert der größte teil des inhalts doch dass die verantwortlichen im berliner senat weder die moderne globale designwirtschaft noch die designszene in berlin verstehen und einfach konzepte aus anderen bereichen 1:1 in die designwelt übertragen wollen. das ist eine schande und nicht besonders kreativ.

der vollständige dgtf-report “die berliner designwirtschaft. potential, strategie, perspektiven” sowie das strategiepapier “strategie für die designwirtschaft in berlin” kann unter: www.berlin.de/projektzukunft heruntergeladen werden.



stefan diez zu gast bei minimum im aufbau haus

Mittwoch, 07. September 2011
stefan diez

stefan diez

vier “designpreise der bundesrepublik deutschland” nennt er sein eigen. seine produkte werden von herstellern wie thonet, e15, rosenthal, authentics oder established & sons produziert. stefan diez gehört ohne frage zu deutschlands erfolgreichsten und beschäftigtsten jungen industriedesignern.

nach seiner tischlerlehre und einem abschluss in industriedesign an der staatlichen akademie der bildenden künste in stuttgart arbeitete stefan diez mit konstantin grcic in münchen bevor er 2003 sein eigenes designstudio gründete.

freitag, den 16. september 2011, wird stefan diez bei minimum in kreuzberg über seinen preisgekrönten stuhl chassis für wilkhahn und das eine oder andere sonstige thema, sprechen, das für die gäste interessant sein könnte.

im vorfeld der veranstaltung haben wir mit stefan diez gesprochen und ihm natürlich als erstes die obligatorische frage gestellt: warum möbeldesign?

stefan diez: ich habe eine natürliche verbindung zu möbeln über unseren familienbetrieb: mein vater und großvater waren tischler in bayern. wenn man in einem gewissen kontext aufwächst – in meinem fall also die werkstatt meines vaters und die häuser und büros in denen er aufträge ausführte sowie die zusammenarbeit mit architekten oder anderen handwerkern – überlegt man automatisch: was kann ich außer tischlerei noch machen? in welche richtung kann ich gehen? ursprünglich wollte ich architektur studieren. dann habe ich neben meiner schreinerlehre in stuttgart an der uni und an der fh architekturvorlesungen besucht um zu sehen, ob mir das gefällt. durch zufall bin ich an die akademie in stuttgart gekommen, wo industriedesign angeboten wurde. mir hat es sehr gut gefallen, dass es dort nicht um möbel ging sondern um industrieprodukte. zu der zeit hat an der akademie niemand möbel gemacht, alles drehte sich um technische produkte. und dann war es wieder der zufall, der mich zurück zu den möbeln gebracht hat. oder besser gesagt war es wilkhahn. als ich gegen ende meines studiums mit konstantin grcic gearbeitet habe, kam ich natürlich wieder in kontakt mit möbeldesign, aber meine ersten kunden in meinem eigenen büro waren z.b. rosenthal oder authentics – es ging also eher um industrieprodukte als um möbel. wilkhahn waren die ersten möbelhersteller, die interesse an einer zusammenarbeit hatten.

minimumblog: spielt industriedesign heute noch eine rolle in ihrem büro?

stefan diez: industrieprodukte interessieren mich nach wie vor extrem. wir haben immer wieder für industriefirmen gearbeitet. das betrifft jedoch häufig vertrauliche consultingaufträge, die wir nicht einfach auf unserer webseite publizieren können. für mich sind solche projekte aber oft viel relevanter als einfach möbel zu produzieren. möbeldesign ist eine wahnsinnig schöne arbeit, aber die komplexität eines möbels ist doch viel geringer. ich würde in jedem fall immer wieder für die industrie arbeiten. ich hatte nie geplant so stark in die möbelrichtung zu gehen. ursprünglich wollte ich sehr viel stärker in richtung industriedesign gehen. als ich von konstantin weg bin, wollte ich eigentlich in den usa in dem bereich arbeiten, aber dann hat sich münchen ergeben.

minimumblog: sind sie glücklich mit der entscheidung?

stefan diez: definitiv. es läuft nicht immer alles so, wie man es sich vorstellt, aber ich bin sehr glücklich. und wenn sich solche möglichkeiten bieten, muss man sie einfach auch nutzen.

minimumblog: wenn sie zurückblicken: wie einfach waren die ersten schritte mit dem eigenen büro?

stefan diez: es lief eigentlich alles super. es hat natürlich geholfen, dass ich schon eine gewisse erfahrung aus der arbeit mit konstantin und richard sapper hatte. ich hatte von anfang an kunden wie rosenthal oder authentics, die mit mir arbieten wollten. ich musste nicht auf die suche gehen. insofern war es immer alles machbar.

minimumblog: sie unterrichten auch an der akademie in stuttgart. welchen rat können sie jungen designern für den start ins berufsleben geben?

stefan diez: ich denke, es ist am wichtigsten – egal welchen beruf man erlernt oder in welcher branche man arbeitet – sich nicht schematisch zu verhalten oder zu arbeiten. zu viele menschen haben irgendetwas gelernt um das dann genauso anzuwenden, anstelle sich voller neugierde in ein projekt zu stürzen und den mut zu haben fehler zu machen. meiner meinung nach ist diese neugier die wichtigste eigenschaft im leben überhaupt!

chassis von stefan diez für wilkhahn. automotive progress meets chair design

chassis von stefan diez für wilkhahn. automotive progress meets chair design

minimumblog: kommen wir zu chassis. sie haben schon gesagt, dass wilkhahn der erste möbelhersteller war, der sie kontaktiert hat. wie kam es dazu? woher kannten sie ihre arbeiten?

stefan diez: wilkhahns designmanager norbert ruf rief mich eines tages an und fragte ob ich lust hätte für wilkhahn ein projekt zu machen. der vertrag sah interessant aus und enthielt auch ein budget, also habe ich ja gesagt! woher sie mich kannten? ich denke, sie hatten meine arbeit für rosenthal gesehen. aber es war auch das jahr 2003, damals gab es nicht so viele designstudenten und viel weniger presse. das internet hatte noch nicht die heutigen dimensionen, klassische printmedien hatten damals noch einen höheren stellenwert. in deutschland gibt es zwei wichtige designmagazine “design report” und “form” und als ich 2002 den design report award in mailand gewonnen habe, bekam ich eine titelgeschichte in „design report“. danach kannte natürlich jeder in deutschland, der etwas mit design zu hatte, meinen namen.

wer jetzt wissen möchte, was aus dieser partnerschaft entstanden ist…

automotive progress meets chair design
stefan diez und wilkhahn

freitag, 16.9.2011, 19:00 uhr

minimum einrichten gmbh
im aufbau haus
prinzenstraße 85c
10969 berlin



125 jahre ludwig mies van der rohe: picknick am see

Samstag, 03. September 2011

am samstag, den 14. august hat das mies van der rohe haus e.v. ein geburtstagspicknick anlässlich des 125. geburtstags des designers und architekten ludwig mies van der rohe veranstaltet.
endlich konnte man ja auch die wetterlage mit so etwas wie sommer in verbindung bringen, weshalb ein paar hundert leute die gelegenheit wahrnahmen und sich auf die faule stimmung beim picknick im garten des landhauses lemke einließen. wir haben die gunst der stunde, genauer eine pause in der musik, genutzt, um mit mies-van-der-rohe-haus-direktorin dr. wita noack über das haus und die relevanz van der rohes für design und architektur heute zu sprechen. und die – vielleicht wichtigste – frage zu stellen, ob das geburtstagskind die party zu seinen ehren wohl geschätzt hätte.

minimumblog: wie ist ihr verhältnis zum landhaus lemke?

dr. wita noack: zu zeiten der berliner mauer verlief die ost-west-grenze mehr oder weniger entlang der grundmauern und die ostdeutsche stasi nutzte das haus für sich. das bedeutete natürlich, dass man das haus immer nur aus der ferne und nie von innen sehen konnte. 1992 wurde mir dann angeboten, dort zu arbeiten – das angebot habe ich umgehend angenommen.

minimumblog: das ddr regime war also hier und hat nichts verändert oder zerstört?

dr. wita noack: nein, nein. sie haben eine menge verändert, sie haben z.b. eine garage mit waschräumen angebaut. es ist nicht besonderes schön über diese zeit nachzudenken… glücklicherweise haben nach der wiedervereinigung die regionalen behörden zwei millionen deutsche mark in die sanierung des hauses investiert. seitdem ist das gebäude für die öffentlichkeit zugänglich und wir sehen unsere aufgabe darin, das gebäude mit leben zu füllen. also organisieren wir ausstellungen sowie vorträge und veröffentlichen eine zeitschrift, die verschiedene aspekte mies van der rohes leben und werk in deutschland, bevor er nach amerika emigrierte, behandelt.

minimumblog: das landhaus lemke war das letzte, das mies van der rohe hier in deutschland fertiggestellte, bevor er nach amerika floh. wie typisch ist es im kontext seines gesamtwerks?

dr. wita noack: jedes haus von mies ist auf seine weise wichtig und hat seinen eigenen charme. dieses haus ist insofern als wichtig zu beurteilen als es teil der backsteintradition ist, außerdem ist es ein sehr minimalistischer bau. mies hatte kein besonders großes budget, also musste er zeigen, wie man mit wenig viel erreichen kann. herr lemke, der das haus in auftrag gegeben hatte, war ein unternehmer. mit dem haus wollte er beeindrucken und er wählte extra mies aus, um sein ansehen zu steigern. schließlich zählt das lemke haus auch zur hinterhofhausarchitektur. obwohl man natürlich streiten kann, inwiefern es wirklich als hinterhofhaus bezeichnet werden kann.

minimumblog: wie relevant ist mies van der rohe heute noch? hat er noch einfluss auf junge designer und architekten?

dr. wita noack: ich denke, mies hat noch eine menge zu geben. er hat ja nicht nur die architektur beeinflusst, sondern auch großen einfluss auf die kunst gehabt. viele künstler verwenden heute noch mies van der rohe verweise.

minimumblog: und die letzte frage: hätte mies van der rohe seine geburtstagsparty gefallen?

dr. wita noack: definitiv. in gewisser weise haben wir uns ein bisschen von mies inspirieren lassen, was die organisation des picknicks betrifft. er war ein mann, der das leben genossen hat.