wenn wir auf der dmy-woche etwas gelernt haben, dann dass die leute, die mit open design zu tun haben, sehr leidenschaftlich bei der sache sind. diskussionen mit ihnen sind entsprechend lang, aber auch sehr unterhaltsam.
unser interesse hängt mit dem neuen buch “open design now: why design cannot remain exclusive” zusammen. initiiert von premsela, creative commons netherlands und waag society, ist “open design now” die erste übergreifende bestandsaufnahme und analyse zum thema open design, seiner funktion und seiner zukunft. die offizielle buchpräsentation gab es zum dmy 2011 im planet modulor in berlin.
unser interview mit open-design-pionier ronen kadushin wird hier in kürze erscheinen. unser interview mit dem premsala-programmdirektor und co-editor von “open design now” roel klaassen veröffentlichen wir aus platzgründe in zwei teilen. im zweiten teil geht es um roels persönliche beziehung zu open design und seine gedanken dazu, wohin die reise geht. im ersten teil geht es – natürlich – um das neue buch “open design now” selbst.
minimumblog: die offensichtliche erste frage: warum das buch?
roel klaassen: es hat alles vor ungefähr drei jahren angefangen. ich habe mit bas van abel von waag society über das fablab gesprochen, in dem es 3d-drucker, laserdrucker, laserschneider, etc. gab. bas erzählte mir, dass das lab nur für spielereien benutzt würde, z.b. um tassen zu produzieren. niemand hat es für design benutzt. also haben wir einen “unlimited design contest” ausgerufen um die leute dazu zu bewegen, die technologie wirklich zum designen zu nutzen. an dem wettbewerb konnten sich sowohl professionelle designer als auch amateure beteiligen, die einzige bedingung war, dass die designs hochgeladen und für alle zugänglich und nutzbar gemacht werden sollten.
das interessante war, dass niemand die entwürfe der anderen teilnehmer kopiert hat. du darfst kopieren, du kannst kopieren, du sollst kopieren… und niemand hat es gemacht! letztes jahr auf dem dmy berlin hatten wir beim makers lab dann die idee zum buch. wenn die designer und die öffentlichkeit kein verlangen haben zu teilen und zu kopieren, dann sollte man über das thema auch etwas mehr schreiben und debattieren.
also gab es letztes jahr auf dem dmy einen open workshop zum inhalt und zum layout des buches. solche bücher sind normalerweise entweder “how to do it”-bücher mit bildern und anleitungen oder es sind wissenschaftliche abhandlungen oder hübsche bildbände. wir haben uns entschlossen, nicht nur eine von diesen varianten sondern alle drei zu bedienen, weil wir designer, akademiker und die breite öffentlichkeit gleichermaßen ansprechen wollten.
minimumblog: der titel “open design now” ist ein gewagtes statement, das zwei offensichtliche fragen aufwirft: 1. warum open design und 2. warum jetzt?
roel klaassen: weil es bereits passiert. design ist eine der letzten disziplinen die beeinflusst werden durch die kombination aus digitaler technolgie und globalisierung durch das internet. wir konnten das in der musik, bei videos und büchern beobachten. in diesen drei fällen war die industrie dagegen und hat dicht gemacht. jetzt leidet die branche immens, da der lauf der dinge nicht gestoppt werden konnte. die etwas defensive antwort auf die frage lautet also: wir müssen! wir können eigentlich gar nicht anders als “open” und “jetzt”.
die positive antwort ist: weil es interessant ist. dies sind die jahre, in denen die interessanten, überraschenden dinge passieren. open design wird herkömmliches design nicht ersetzen sondern ergänzen. im open design finden wir innovationen und lösungen für unsere gesellschaft, im open design geht es nicht nur um design sondern auch wie wir mit unserer welt umgehen. heutzutage sind probleme recht schwierig zu lösen – sei es der verkehrsstau in berlin oder die wasserversorgung in afrika. mit herkömmlichen denkweisen kommt man da nicht weit, wenn aber menschen ihre ideen teilen, lassen sich vielleicht lösungen finden, die eine person oder institution allein nicht finden würde.
minimumblog: und warum jetzt und nicht seit fünf jahren oder in fünf jahren?
roel klaassen: wir haben das wort nicht im sinne von “jetzt, zu diesem zeitpunkt” daran gehängt, sondern wollten einfach, dass die leute es jetzt lesen. mit “now” wollen wir verdeutlichen, dass es passiert, dass es interessant ist und die möglichkeit besteht, dinge zu ändern mit denen man unzufrieden ist.
minimumblog: es ist ein open-design-buch. wird es auch ein online-buch sein, in dem leser kommentieren bzw. aus dem leser inhalte adaptieren können?
roel klaassen: das buch wird unter einer creative-commons-lizenz veröffentlicht. ich brauchte ein paar meetings bis ich den verleger davon überezeugen konnte. natürlich wird es das buch auch online geben, aber noch nicht gleich. wir müssen dem verlag etwas zeit geben um ein paar hard-copy-exemplare zu verkaufen. wird werden es aber kapitel für kapitel online veröffentlichen – alle ein bis zwei monate ein neues kapitel.
in der ersten version wird man noch nicht kommentieren können, weil wir keinen blog daraus machen wollten. es wird aber hoffentlich eine zweite ausgabe mit neuen ansätzen und neuen fallstudien geben. wir stellen uns nicht hin und sagen, das ist das buch und das war’s. es ist vielmehr das erste buch. wenn die zweite version erscheint, wird es neue autoren und neues material enthalten. also ja, ein gedrucktes buch ist eine seltsame plattform für ein solches thema, aber wenn man das nicht mal macht, schwebt alles über jahre in der luft ohne dass etwas konkretes passiert.
minimumblog: eine letzte frage: das buch wurde hauptsächlich von niederländischen insitutionen zusammengestellt, droog haben ihr “design for download” projekt in mailand vorgestellt. ist holland im moment das zentrum für open design? oder schreien sie nur am lautesten?
roel klaassen: lassen sie uns mal bescheiden und ernst bleiben (lacht). natürlich schreien wir nicht am lautesten, wir stehen einfach ganz oben. in den niederlanden sind die voraussetzungen für die entwicklung ganz gut, da wir eine eher offene soziale struktur haben und auch keine große designorientierte branche. designer arbeiten vorwiegend selbstständig, brauchen sich also gegenseitig um produkte herzustellen und sind von vornherein bereit, zu teilen und zu kooperieren. holland ist ein guter nährboden für open design, aber wir sind auch nur ein kleines land – ein kleines land mit vielen designern.
weitere details zum buch “open design now” (herausgegeben von bis publishers) gibt es unter http://opendesignnow.org

open design now. (ein open source bild des covers... sozusagen)