
das sas grand hotel in kopenhagen
“das ei” – ursprünglich für die lobby des sas royal hotel in kopenhagen entworfen – gehört unbestritten zu den wichtigsten designs des 20. jahrhunderts.
und “oster-ei” gehört zu dieser zeit des jahres natürlich auch zu den billigsten wortspielen, die ein designblogger aus dem hut zaubern kann.
es tut uns leid, aber wir konnten nicht widerstehen, und haben die gelegenheit beim schopfe gepackt. als wir mit christian grosen rasmussen, dem leiter der designabteilung bei fritz hansen, über das neue möbel favn von jaime hayón gesprochen haben, mussten wir ihn einfach ein bisschen über das ei ausfragen und wollten wissen, warum es mehr als nur ein weiterer designklassiker ist.
minimum: das ei wurde speziell für jacobsens sas royal in kopenhagen designt. man hat diesen wunderbaren kontrast zwischen den quadratischen formen des hotels und den organischen, fließenden formen des egg chairs. warum hat sich jacobsen für diesen starken kontrast entschieden?
christian grosen rasmussen: die meisten möbel von arne jacobsen waren sehr organisch in ihrem äußeren. er wollte immer möbel schaffen die in direktem kontrast zur architektur stehen und die immer ein bisschen wie skulpturen in seinen gebäuden wirken.
minimum: skulptur ist ein sehr gutes schlüsselwort. dem ei diente ja ein tonmodell als vorbild …
christian grosen rasmussen: … ja, jacobsen war sehr gut mit dem ungarischen bildhauer sandor perjesi befreundet, der in den 1950er jahren nach dänemark zog. zusammen mit ihm arbeitete jacobsen an dem modell für das ei. die modelle waren aus gips und lehm gemacht, sodass das ei wirklich wie ein kunstwerk geschaffen wurde. außerdem wurde es wie eine skulptur in 3d, im maßstab 1 zu 1, aufgebaut.
minimum: und wie genau kam dann das ei in die fritz hansen kollektion? war das von anfang an geplant?
christian grosen rasmussen: in den 1950er jahren erwarb fritz hansen die rechte an dem neuen formgussverfahren für schaumstoff und das ei und der schwan waren die ersten produkte, bei denen diese technik erfolgreich angewendet wurde. wir haben also zuerst die rechte an der neuen technologie gekauft, die dann arne jacobsen in seinen originalen möbeln benutzte. demnach waren sie also von anfang an in den händen von fritz hansen.
minimum: was nun die frage aufwirft, ob das ei für die serienproduktion gestaltet wurde oder eigentlich für die ausschließliche nutzung im sas royal projekt gedacht war?
christian grosen rasmussen: jacobsen war schon immer begeistert von der industrialisierung und der massenproduktion, daher plante er von beginn an, dass sowohl das ei als auch der schwan leicht in großer stückzahl produziert werden können sollten. das ist auch der grund warum er die kaltschaumpolsterung für die schale wählte. und natürlich ist auch der gegossene aluminiumfuß ein industriell hergestelltes teil.
minimum: die produktionsverfahren heute sind daher immer noch die selben wie damals?
christian grosen rasmussen: es ist immer noch das selbe. nur der schaumstoff wurde verbessert, damit er so lang wie möglich hält. niemand schmeißt einfach so ein ei oder einen schwan weg. sie werden über generationen in der familie weitergegeben. deshalb ist es so wichtig, dass der schaumstoff lange hält und allem standhält, dem er ausgesetzt ist. in bezug darauf sind wir immer bemüht unsere produkte zu verbessern, dennoch bleibt die technik immer die selbe.
auch die bezugstechnik ist genau die selbe. alles ist handgenäht – an einem ei sind mehr als 1000 stiche – was man natürlich als nicht wirklich industriell auslegen könnte, weil es eine menge zeit und viel geld kostet, aber das ist nun mal teil der DNA des stuhls. deshalb hat man auch eine schöne kombination aus high-tech industrialisierung und traditionellem handwerk. das ist es auch, was den sessel so interessant macht.
minimum: die letzte frage an sie als leiter der designabteilung von fritz hansen: was macht das ei so speziell?
christian grosen rasmussen: zu allerest einmal war seine einführung 1958 wie der start in eine neue ära des skandinavischen möbeldesigns, basierend auf einer komplett neuen technologie. zu dieser zeit gab es wesentlich mehr holzgestelle mit polsterung und auf einmal konnte man mit dem gussverfahren für schaumstoff volumen erzeugen. deshalb war er komplett anders und hatte eine total neue formensprache. man könnte sagen eine form-revolution im damaligen möbeldesign. und weil es eines der ersten stücke war, das auf diese art und weise hergestellt wurde, etablierte es sich als bestes beispiel für das schaumstoffgussverfahren von selbst.
einerseits ist es ein so minimalistisches, man könnte sagen offensichtliches stück, andererseits ist die geometrie ziemlich komplex. ich denke dieser kontrast des offensichtlichen, puristischem auf der einen seite und dieser komplexen geometrie, die man nur wie eine skulptur kreiieren aber nicht auf dem papier entwerfen kann, auf der anderen seite, ist einer der faktoren, die das ei so absolut einzigartig machen.

das ei von arne jacobsen. über 1000 handgemachte stiche an einem sessel.

das ei und der schwan im sas royal kopenhagen

das innere des hotels ist etwas verschnörkelter als das äußere. im vordergrund eine gruppe von ei sesseln.

oster-schwanen-ei? oder treibt das das wortspiel zu weit?