- bauhaus archiv berlin. erik spiekermann. schriftgestalten
eine art inoffizielle tradition des bauhaus archivs berlin ist es, dem gewinner des designpreises der bundesrepublik deutschland für das lebenswerk eine kleine retrospektive zu widmen. das kuratieren der ausstellung wird dabei explizit in die hände des künstlers gelegt. am 23. märz wird in diesem kontext die ausstellung schriftgestalten von und über den gewinner 2011 eröffnet: typograph und kommunikationsdesigner erik spiekermann.
freunde der analogen kunst könnten dabei etwas wehmütig werden, denn nach eigenen aussagen ist nur wenig aus spiekermanns analogen tagen übrig geblieben. feuer, diebe und fluten haben einen beachtlichen teil seines archivs dahingerafft. glücklicherweise zahlt sich aber spätestens hier aus, dass erik spiekermann an so vielen projekten für den öffentlichen raum gearbeitet hat. so sind seine arbeiten nicht nur für bosch-bohrer-besitzer, sondern auch für S-Bahn Fahrer in Berlin, Economist Leser und schließlich uns alle zugänglich.
auch ein geübter schriftsetzer, wie typograph erik spiekermann versteht seine arbeit noch als handwerk, das gelernt werden muss. ein schönes beispiel für seine einstellung zum typographischen handwerk sind die Freihand-Skizzen vom “a “und “b” für seine itc officina serif series. zwei stunden pro buchstaben-typo zu investieren ist zweifelsohne ein unbezahlter luxus, sie zeigen darüberhinaus aber besondes eins: wenn man die basics richtig lernt, dazu auch noch lernt, warum man sie lernt, entstehen die cleveren stücke quasi von allein. wenn das jetzt noch einige junge designer lernen würden…
- erik spiekermann und ein teil seiner arbeit für die berliner verkehrsgesellschaft, bvg
wir kennen erik spiekermann nicht gut genug, um ihn wirklich einen perfektionisten nennen zu können; folgt man aber spiekermann durch die ausstellung, kann man beobachten, wie sich seine aufmerksamkeit auffällig auf winzige details richtet, die noch nicht so sind, wie sein sollten oder sein könnten – eben nicht perfekt. bestätigt werden könnte der perfektionismus-verdacht auch, wenn man ihn voller unverständnis davon erzählen hört, wie seine kleinformatig gedachten schriftarten in großen formaten genutzt werden. andererseits ist erik spiekermann aber auch ein mann, der akzeptieren kann, wenn seine arbeit fertiggestellt ist und er nach der veröffentlichung keinen einfluss mehr darauf hat, was damit geschieht. zwar irritiert ihn ein “missbrauch”, er ruiniert ihm aber nicht gleich den tag. wenn das kein großmut ist.
daneben beinhaltet die ausstellung eine schau der software, die udk studenten entwickelt haben, um auch das netzwerk, das um erik spiekermann herum entstanden ist, in die darstellung seines lebenswerks einzubeziehen. mit über 200 angesetellten in den letzten drei jahrzehnten in zwei ländern und gott weiß wievielen freien mitarbeiter darf erik spiekermann nicht nur als einer der wichtigsten typographen und kommunikationsdesigner seiner generation, sondern auch einer der einflussreichsten, bezeichnet werden. etwas, das sich ganz wunderbar an der udk-kooperation zeigt.
mit einblicken in schriftarten, entwürfe und fertige produkte ist erik spiekermann. schriftgestalten eine gute gelegenheit das werk und den mann dahinter kennenzulernen. die ausstellung verdeutlicht zudem auch den letzten, warum es so wichtig ist, dass typographie gut gemacht ist. erik spiekermann hat das ganz gut auf den punkt gebracht: “typographie ist wie luft. wir nehmen sie nur wahr, wenn sie schlecht ist.
also auf ins bauhaus archiv und die gute luft genießen.”
erik spiekermann. schriftgestalten. kann im bauhaus archiv, klingelhöferstraße 14, 10785 berlin noch bis 6. juni 2011 gesehen werden. jeden sonntag 14.00 uhr gibt es außerdem eine führung durch die ausstellung. am 10.4 und 5.5 findet für die besucher zudem der “bauhaus brunch” statt.
weitere informationen gibt es unter: http://www.bauhaus.de/
- erik spiekermann und Bauhaus archiv direktorin annemarie jaeggi bei der eröffnung von erik spiekermann. schriftgestalten.